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Die Martinskirche hat wieder einen (Weihnachts-)Baum

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 09. April 2018

Die Aufregung war groß gewesen, als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass die große Weihnachtsfichte unterhalb der Martinskirche gefällt werden musste. Der Borkenkäfer und ein Eisenring hatten sich an ihr zu schaffen – und letztendlich die Fällung notwendig gemacht. Besonders bitter stieß auf, dass diese Aktion noch in der Vorweihnachtszeit durchgeführt wurde und damit plötzlich ein Wahrzeichen in Herrsching fehlte. Eine Adventszeit ohne die festliche Beleuchtung der alten Fichte, die da so majestätisch auf ihrem Hügel thronte? Schnell wurde der Ruf nach einer Ersatzpflanzung laut und Dank der Initiative zweier Herrschingerinnen hat der Kirchabergl jetzt wieder einen Baum. Etwas kleiner zwar als der Vorgänger – aber auch das wird sich mit der Zeit mal ändern.

Es ist noch sehr früh am Samstagmorgen, als Klaus Wirries, Alexander Steinbeißer und Peter Rummel mit Hacke und Schaufel bewaffnet den Aushub für den neuen Kirchenbaum beginnen. Und trotz der eher unchristlichen Zeit strömen nach und nach immer mehr Schaulustige hinzu und bieten ihre Hilfe an. Die Blaskapelle kommt und begleitet das Geschehen musikalisch, der Bürgermeister ist dabei und später gibt es auch noch eine herzhafte Brotzeit für alle. So viel Aufwand für eine unscheinbare kleine Tanne mochte sich so mancher Unbeteiligter wohl fragen? Aber hier ging es halt nicht um irgendeinen Baum – sondern um einen Ersatz für eben jene Weihnachtsfichte, deren Fällung so viel Wirbel verursacht hatte.

Kirchenbaum 1

Claudia Weinhart und Monika Sedlmaier wollten sich nicht damit zufriedenstellen, dass am Kirchabergl kein Ersatzbaum gepflanzt wird und nahmen die Angelegenheit mit Hilfe weiterer Mitstreiter selber in die Hand

„Eigentlich wollten wir eine größere Tanne kaufen" erzählen die beiden Initiatorinnen Claudia Weinhart und Monika Sedlmaier grinsend. „Aber am Ende waren wir froh, überhaupt eine gefunden zu haben!" Im Allgäu waren sie schließlich fündig geworden: eine gesunde, heimische Weißtanne die neben dem Strunk ihre Vorfahrin zwar noch etwas zierlich wirkt aber so zumindest nicht den Sichtkontakt zur Martinskirche stört. Denn dieser Aspekt war wohl neben den Kosten von rund 15 bis 20.000 Euro ein Argument dafür, dass die geplante Ersatzpflanzung durch die Gemeinde vom Bauausschuss gekippt wurde. So groß der Protest nämlich auch war – es gab eben auch Stimmen, die betonten, wie schön jetzt endlich die Kirche zu sehen sei. Mit 5:4 Stimmen entschied der Bauausschuss gegen die Ersatzpflanzung durch die Gemeinde, die an dieser Stelle einen 15-20 Meter hohen Baum vorgesehen hatte.
Aber waren wirklich so viele Bürger gegen eine Neupflanzung? Daran wollten Claudia Weinhart und Monika Sedlmaier nicht glauben und untermauerten ihren Zweifel mit einer Unterschriftenaktion. In nur 3 Tagen sammelten sie 268 Unterschriften und gingen damit zum Bürgermeister. Dem Bauausschuss einen gleichen Antrag noch einmal vorzulegen ist nicht erlaubt und so einigte man sich darauf, die Pflanzung in Eigenregie zu beantragen. Keine Kosten und Mühe für die Gemeinde – und diesem Vorschlag stimmte der Ausschuss einstimmig zu.
„Wir konnten durch Spenden und viel Hilfe alle Kosten für den Baum decken" strahlen die beiden Initiatorinnen, als der Baum pünktlich zum 9.00 Uhr-Geläut der Kirche aus seinem Netz gewickelt wird. Eifrige Helfer holten noch viele Gießkannen voll Wasser aus dem nahen Kienbach und bei Musik der Blaskapelle bereiteten Umstehende die Tische für die Brotzeit vor. Und so mag der neue Weihnachtsbaum an der Martinskirche vielleicht kleiner sein als sein Vorgänger und auch als der geplante Ersatzbaum von der Gemeinde. Aber nur selten wird ein Baum mit so viel Teamgeist und Unterstützung gepflanzt wie dieser!

Kirchenbaum 2

Die Herrschinger Blaskapelle, eifrige Helfer, Schaulustige und auch Bürgermeister Christian Schiller kamen zur Pflanzung des Ersatzbaumes für die Fichte an der Martinskirche, die auf Initiative von Monika Sedlmaier und Claudia Weinhart hier ihre neue Heimat fand

Für Sie berichtete Barbara Geiling