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Wie steht es um die Sicherheit in Herrsching? Ein von der CSU/FU initiierter Abend offenbart eine große Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Faktenlage

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 16. April 2018

„Ja sind wir denn jetzt alle ein bisschen narrisch?" Diese Frage warf ein Gast dieses Abends in den Raum, nachdem er die Ausführungen von Polizeihauptkommissar Erich Schilling verfolgt hatte. Demnach befindet sich Herrsching bezüglich der Kriminalstatistik auf dem gleichen Stand wie z.B. 2009. Die Gefahrenlage hat sich also nicht nennenswert geändert – und trotzdem scheint sich das Sicherheitsgefühl vieler Herrschinger Bürger zu verschlechtern. Woran liegt das? Darüber wollte die CSU und FU im Rahmen ihrer Stammtischabende mit dem langjährigen Leiter der Polizeiinspektion Herrsching, Erich Schilling, sowie der Landtagsabgeordneten Dr. Ute Eiling-Hütig diskutieren.

Erich Schilling arbeitet seit über 15 Jahren in Herrsching und ist hier seit 2011 Leiter der Inspektion, die insgesamt einen Raum von 164 KM2 betreut. Offiziell sind ihm dafür 37 Beamte zugeteilt, von denen 20 Kräfte rund um die Uhr im Schichtdienst arbeiten. Kurz stellte der Hauptkommissar den Wirkungsbereich seiner Dienststelle vor, die neben Aufgaben wie Verkehrsunfälle und Straftaten auch Grenzkontrolldienste in Oberpfaffenhofen beinhaltet sowie Wasserschutzpolizeiliche Tätigkeiten am Wörthsee und Pilsensee. Im Folgenden ging er auf die Kriminalstatistik der vergangenen Jahre ein, um nach Gründen für die gestiegene Unsicherheit in der Bevölkerung zu suchen.

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Auf viel Interesse stieß die Informations- und Diskussionsveranstaltung der CSU/FU zum Thema „Sicherheit in Herrsching". V.l.: Dr. Ute Eiling-Hütig, Polizeihauptkommissar Erich Schilling und Fromuth Heene

Eine Tatsache sind die sprunghaft gestiegenen Einbruchszahlen in den Jahre 2012 bis 2015 – die aber durch eine Reihe gezielter Maßnahmen mittlerweile wieder eingedämmt werden konnten. Andere Argumente bezüglich der zunehmenden Verunsicherung aber könne man durch Zahlen nicht belegen. Da ist z.B. der Vorwurf des um sich greifenden offenen Drogenhandels am Bahnhof und im Kurpark. Lediglich 1 bis 3 Aufgriffe pro Jahr von Menschen mit Drogenbesitz waren bekannt geworden, wobei es sich jeweils um kleine Mengen für den Eigengebrauch handelte. Auch die zunehmende Belästigung von Frauen sei nicht belegbar und Schilling glaubt hier eine Ursache dieser Vermutung in der medialen Aufbereitung solcher Vorkommnisse zu sehen. Die vielen Berichte in der Presse und den sozialen Medien lassen derartige Vorfälle immer präsenter erscheinen. „Insgesamt leben wir in einem sehr sicheren Bundesland" betonte er - und das gelte besonders für diese Gegend hier.
Dr. Ute Eiling-Hütig ergänzte die Ausführungen durch Maßnahmen, die unter Marcus Söder für mehr Sicherheit ins Leben gerufen werden. Neben vielen neuen Planstellen in der Polizei sollen Punkte wie Präventivhaft für Gefährder, verbesserte Ausrüstung der Polizei u.a. für mehr Sicherheit und damit auch Sicherheitsgefühl sorgen.
In der folgenden Diskussionsrunde wurde deutlich, welche dieser Themen die Herrschinger Bürger im Besonderen berührt. Es kam sehr schnell die Sprache auf die Verkehrssicherheit, die trotz – und auch wegen – der Umsetzungsmaßnahmen des Verkehrskonzeptes als ungenügend empfunden werden. Vor allem der Ruf nach mehr Geschwindigkeitskontrollen war hier herauszuhören.
Darüberhinaus ging es im längsten und sehr emotional geführten Teil der Runde um die Rolle der Asylbewerber bezüglich der Sicherheit. Ein Teil der Versammlung schien den Ausführungen Schillings wenig Glauben zu schenken, dass sich die Fallzahlen von Straftaten seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen nicht geändert haben. In den Unterkünften von Herrsching und Breitbrunn hätte es zu Beginn mehr Probleme gegeben, aber das wäre insbesondere auch durch die gute Arbeit der Helferkreise sehr viel besser geworden. Polizeieinsätze seien hier in der Regel nur noch notwendig wenn es zu Streitereien innerhalb der Bewohner komme.

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Die Polizei in Zahl und Ausrüstung stärken ist ein wichtiges Anliegen der CSU, hier vertreten durch die Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütiig (im Gespräch mit Erich Schilling)

Die Sachlage zusammenfassend appellierte der Hauptkommissar an die Zuhörer des Abends, dass die Polizei nur handeln könne, wenn sie auch Hinweise bekommt. Es sei ein gesellschaftliches Problem, das sich die Menschen zunehmend aus Konfliktsituationen heraushalten wollen und der Egoismus zunimmt. Vorkommnisse melden, auf die Faktenlage schauen und sich nicht zu sehr von Gefühlen leiten lassen und sich mit der medialen Aufbereitung von Geschehnissen, die einem durch Smartphone und Nachrichtendienste ständig begleitet, kritisch auseinandersetzen – dies seien Punkte, die bezüglich (gefühlter) Sicherheit helfen können.

Für Sie berichtete Barbara Geiling