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Tanzende Hilfe für den Verein Frauen helfen Frauen e.V.: Tamara Illmann und Susanne Brenner boten fetzige Tanzkurse für einen guten Zweck

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 08. März 2018

Gewalt gegen Frauen bei uns im Landkreis? Eigentlich möchte man es kaum glauben, aber dennoch sprechen die Zahlen für sich. Jede 4. Frau ist schon Opfer häuslicher Gewalt geworden und jede 7. Frau ab dem 16. Lebensjahr gerechnet, erfuhr sexualisierte Gewalt. Ein verbreitetes Problem also, das trotzdem ein Tabuthema ist. Viele Opfer scheuen den Weg einer offiziellen Anklage und suchen vielmehr den persönlichen Rat und Hilfe. Hier greift der Verein Frauen helfen Frauen Starnberg e.V., der vertraulich und anonym zur Seite steht. Aus einer privaten Initiative vor 29 Jahren in Herrsching entstanden, stehen heute zwei erfahrene Kräfte den Hilfesuchenden zur Seite und überlegen mit ihnen gemeinsam, was zu tun ist. Tamara Illmann und Susanne Brenner finden diese Arbeit wichtig und boten spontan ihre Hilfe an: eine Benefiz-Tanzveranstaltung für den Verein!

Ob Hip Hop, Musical Dance, Dance Fitness oder Contemporary Dance: die Besucher durften sich aussuchen, bei welchem der Tanzstile sie mal mitmachen, oder auch nur zuschauen wollten. Die beiden Tanzlehrerinnen hatten die passende Musik und eine Spiegelwand in die Christian Morgenstern Schule mitgebracht und standen bereit für eine erste Einweisung. Und das Ganze unentgeltlich für einen ganzen Nachmittag, denn ihr Anliegen war es, für den Verein Frauen helfen Frauen e.V. Spenden zu sammeln.

Tanz Benefiz 1

Normalerweise lassen sich Tamara Illmann und Susanne Brenner vom Tanzstudio Spodanza ihre Tanzkurse bezahlen, aber in diesem Fall baten sie für Spenden an den Verein Frauen helfen Frauen e.V. V.l.: Susanne Brenner und Tamara Illmann und am Plakat Angelika Knülle, Claudia Skroka und Ursel Wrede vom Verein Frauen helfen Frauen e.V.

„Wir könne zusätzliches Geld immer sehr gut verwenden" freut sich die Mitarbeiterin Claudia Sroka über die Aktion. „Aber ganz wichtig ist uns auch, wenn wir von der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen werden." Die Plakate, die im Vorfeld dieser Veranstaltung in Herrsching hingen und jetzt das Informationsmaterial, das sie ausliegen hat.
Die Silvesternacht in Köln hätte so einiges in Gang gebracht meint Ursel Wrede, die gemeinsam mit Liesel Baumann im Januar zur neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde. Angela Knülle, die selber schon seit 20 Jahren in dem Verein aktiv ist, hatte die Beiden für dieses Amt gewinnen können, nachdem ihre Vorgängerinnen nach vielen Jahren Einsatz nicht mehr antreten wollten. Die Mitglieder des Vereins treffen sich regelmäßig, um die Aktivitäten dieser wichtigen Einrichtung zu verfolgen und zu unterstützen. Ob Gewalt in der Partnerschaft, Belästigung am Arbeitsplatz oder bei Scheidungskonflikten: das Büro in der Mühlfelder Straße steht jedem offen und auch eine telefonische Beratung ist jederzeit möglich.
„Nach der Silvesternacht hieß es häufig, dass Übergriffe doch nur von Ausländern kamen" erinnert sich Claudia Sroka. „Aber das ist ein Trugschluss!" Die Gewalt gegen Frauen ziehe sich durch alle Gesellschafts- und Altersklassen. In den letzten Jahren habe sich zwar einiges getan – wie z.B. das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen (Istanbulkonvention). Auch die Entscheidung, dass Vergewaltigung jetzt ohne Gegengewalt nachgewesen werden kann sei wesentlich realitätsnaher. Aber gewisse Vorurteile würden sich dennoch halten. Mädchen lernen in Selbstverteidigungskursen, sich zu wehren – aber Jungs lernen nicht, keine Gewalt auszuüben. „Und wenn junge Frauen sich aufreizend kleiden sind sie nach wie vor selber schuld an ihrem möglichen Schicksal" seufzt Claudia Skroka.
An diesem Nachmittag aber waren die Frauen und Mädchen größtenteils unter sich: Tanzen – auch wenn es für einen guten Zweck ist – bleibt doch mehrheitlich eine Frauendomäne.

Für Sie berichtete Barbara Geiling