Medizinalcannabis – genialer Helfer oder Teufelszeug?

Kategorie: Veranstaltungen

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Die CSU-Vorsitzende Fromuth Heene lud den Experten Thomas Hoffman zu einem Vortrag in das Hotel Seehof ein.

Thomas Hoffmann, ehemaliger Geschäftsführer der Firma Bavaria Weed, referierte im Hotel Seehof

Cannabis ist schwer umstritten. Der gesetzlich erlaubte Konsum in Deutschland wird immer wieder viel diskutiert. Seit 2017 darf Medizinisches Cannabis bei schwerwiegenden Erkrankungen als Therapiehilfe eingesetzt werden. Sollte Cannabis als Medikament einem kleinen Kreis vorbehalten bleiben oder unter gewissen Voraussetzungen zu Genusszwecken erhältlich sein?
Das Herrschinger Unternehmen „Bavaria Weed“ hat als einziges Pharmaunternehmen in Bayern eine Herstellungserlaubnis zur unlimitierten Einfuhr, Verpackung und Marktfreigabe von Cannabisrohstoffen in der Europäischen Union. Auf Einladung des CSU-Ortsverbands informierte der ehemalige Geschäftsführer Thomas Hoffmann über die Chancen und Risiken dieses umstrittenen Themas.
Gastgeberin und CSU-Ortsvorsitzende Fromuth Heene fordert hinsichtlich des medizinischen Aspekts von Cannabis mehr Beweglichkeit. Sie weiß von einem an Krebs erkrankten Bekannten, wie schwierig es ist, bis man ein Cannabis Präparat zur Schmerzlinderung verschrieben bekommt. Für viele Patienten stellt es eine echte Chance dar. Cannabis als Heilsbringer oder Teufelszeug? Thomas Hoffmann referierte darüber und beantwortete im Anschluss die Fragen der Gäste.

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„Als Kulturpflanze begleitet uns Cannabis schon von Anfang an“, begann Hoffmann seinen Vortrag. Bereits vor über 10.000 Jahren wurde Hanf in Persien und China als Getreide angebaut. Auch als Heilpflanze ist Hanf seit Jahrtausenden bekannt. Aufzeichnungen hätten gezeigt, dass sie früher zum Lindern von Schmerzen verwendet wurde. „Hanf taucht bereits in den Schriften von Hildegard von Bingen auf“. Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehört die Gruppe der Cannabinoide. Die psychoaktive Substanz THC ist größtenteils verantwortlich für die berauschende Wirkung des Cannabis. Das Cannabidiol (CBD) aus der Hanfpflanze hingegen hat keine berauschende Wirkung und macht nicht „high“.

„Aktuell haben wir die Situation, dass in der Politik über die Legalisierung von Cannabis gesprochen wird“, sagte Hoffmann. Den Begriff „Legalisierung“ findet er irreführend. Vielmehr geht es um ein Gesetzgebungsverfahren zur kontrollierten Abgabe an Erwachsene. Dies stelle aber aufgrund des Einheits-Übereinkommens von 1961 eine echte Herausforderung dar. „Wird Cannabis medizinisch eingesetzt, darf es über die Grenzen nach Deutschland importiert werden. Das gilt allerdings nur für pharmazeutisches Cannabis“, betont Hoffmann. Cannabis zu Genusszwecken hingegen dürfe nicht über die Grenze importiert werden. Als Folge müsste der Anbau in Deutschland erfolgen, was kurzfristig und in großen Mengen sehr schwierig werde.

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Gefahren und Risiken

„Die Angst, Cannabis könnte bei Jugendlichen landen, schwingt immer mit“, so Thomas Hoffmann. Aber Cannabis als Einstiegsdroge sei „eine Mär“ und verweist in diesem Zusammenhang auf aktuelle Zahlen: Jährlich sterben in Deutschland 127.000 Menschen an den Folgen von Nikotin, 74.000 durch Alkoholmissbrauch und Null Menschen an Cannabis. „Weil ein tödlicher Gebrauch von Cannabis nicht möglich ist“, erklärt er. Vielmehr gibt es Substitutionstherapien mit Cannabis, um Leute, die von harten Drogen abhängig sind, zu therapieren. Für problematisch hält Hoffmann die Situation, dass die Thematik Cannabis oft in die „Schmuddelecke“ gesteckt wird. „Dealer untermischen das Cannabis oft mit anderen chemischen Stoffen oder anderen Drogen“. Die Lösung für eine bessere Qualität ist der legale Markt mit kontrolliertem Anbau, vergleichbar mit Lebensmitteln. Der Königsweg liegt in der kontrollierten Abgabe von Cannabis in Apotheken. „Mein Wunsch wäre es, Cannabis als OTC (over the counter) Medikament zu deklarieren (ohne ärztliches Verschreibung)“. Dann wären gleichbleibende Qualität, Jugendschutz sowie eine sichere Aufbewahrung gewährleistet. Allerdings ist er strikt dagegen, dass Cannabis schon an 18 Jährige abgegeben wird. Hier fordert er ein Mindestalter von 21 Jahren. Ein zu früher Konsum von Cannabis kann zum Verlust der kongnitiven Leistungsfähigkeit führen und Psychosen auslösen. „Die Apotheken sind meiner Meinung nach die einzig legalen Ausgabestellen. Sie haben die Expertise und beraten die Kunden.“
Auch Fromuth Heene spricht sich am Ende für eine legale Abgabe von Cannabis aus. „Das könnte ein Abrutschen ins Drogenmilieu verhindern“, sagte sie. „Den Weg der kontrollierte Abgabe sowie die Idee des pragmatischen Umgangs finde ich gut.“

Für Sie berichtete Nicole Burk.

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