Mit Terra preta das Klima heilen

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Wissenschaftler Michael Gerstl (re.) und Hauke Witte sowie Politikerin Ruth Paulig sind große Fans von Terra preta

Wenn es um Holzkohle geht, gerät Michael Gerstl aus Buch am Ammersee ins Schwärmen: „Das ist ein genialer Stoff“, weiß der Wissenschaftler vom Deutschen Geodätischen Forschungsinstitut in München. Auf Einladung von Grünen-Politikerin Ruth Paulig hielt der Klimaspezialist zusammen mit Wirtschaftsingenieur Hauke Witte aus Lüneburg am Dienstag, 19. Oktober, im Seehof in Herrsching einen Vortrag über die Terra preta und ihre günstigen Eigenschaften. Was ist Terra preta? Der Begriff „Terra preta“ ist portugiesisch und heißt „schwarze Erde“. Er steht für einen fruchtbaren Boden, den Forscher in den 1960er Jahren im Amazonasgebiet entdeckten. Die Terra preta ist eine mit Nährstoffen angereicherte Form der Holzkohle und hat wertvolle Eigenschaften: Sie speichert Kohlenstoffdioxid (CO2) im Boden und wirkt damit dem Klimawandel entgegen. Sie verbessert langfristig die Qualität von Ackerböden und macht die Landwirtschaft nachhaltiger. Sie ermöglicht mehr Leben in Böden und stärkt somit die Artenvielfalt, weil davon auch die Tiere über der Erde etwas haben. Und schließlich können Endverbraucher mit „Terra preta“-Substrat Humus bilden und den Gartenboden fruchtbarer machen.

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„Es gibt heute so viel CO2 in der Atmosphäre wie seit Jahr Millionen nicht mehr. Tendenz weiter steigend!“, wissen die Experten. Das wirkt sich direkt aufs Wetter aus, das inzwischen auch in unseren Breitengraden immer häufiger extrem ist. Das CO2 muss also aus der Atmosphäre entfernt werden. Das leisten beispielsweise Bäume: Eine 80-jährige Buche hat im Laufe ihres Lebens etwa 1 Tonne CO2 aus der Atmosphäre entnommen. „Deshalb sollten wir diesen Baum nicht verheizen“, so Gerstl, „denn beim Verbrennen von Holz wird nahezu der ganze im Holz gespeicherte Kohlenstoff wieder als CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen.“ Der Mensch hat Verfahren entwickelt, um Kohlenstoff aus Holz zu gewinnen. Spätestens seit dem Mittelalter wird Holzkohle in Kohlenmeilern hergestellt. Etwa 60 Prozent des im Holz gespeicherten Kohlenstoffs steckt dann in der Holzkohle. Heutzutage gewinnt man Holzkohle durch Pyrolyse. Dieses technische Verfahren ist eine Weiterentwicklung der Köhlerei.

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Ingenieur Hauke Witte zeigte verschiedene Einsatzgebiete von Pyrolyseanlagen auf. Holzkohle (auch Pflanzenkohle genannt) kennen wir z.B. als Brennstoff für das Grillfeuer. Aber auch der Metallschmied verwendet sie für seine Feuerstelle. Wenn man Pflanzenkohle an Kühe verfüttert, verringert sich damit die Menge an Methangas, das die Tiere beim Wiederkäuen freisetzen. Wird sie als Stalleinstreu oder Güllezusatz genutzt, verbessert sie die Qualität der Böden. Innovationsmanager Witte stellte Projekte vor, wie sich Pyrolyseanlagen finanziell tragen und auf das Klima einwirken. Dabei sind sie nicht für den Otto-Normal-Verbraucher geeignet. Vielmehr profitieren eher engagierte Dorfgemeinschaften davon. „Solche Modelle funktionieren schon mit Pellet-Kraftwerken. Ähnliches ist künftig mit Pyrolyseanlagen denkbar“, schaute Veranstalterin Ruth Paulig in die Zukunft.

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Den Anstoß für diesem informativen Abend gab Konrad Schwingstein aus Utting. Terra preta hat aus seiner Sicht das Zeug dazu, „unser Klima zu heilen!“ Jetzt gelte es, Gemeinden für die Investition in Pyrolyse zu gewinnen. „Das ist eine öffentliche Aufgabe“, so Schwingenstein. Aus diesem Grund hat Ruth Paulig mit den beiden Wissenschaftlern auch Interessenten aus der näheren Umgebung besucht, um sie für das Pyrolyseverfahren zu erwärmen. Und wer vor der eigenen Haustüre etwas beisteuern möchte, kann künftig die Kohle und Asche aus dem heimischen Kamin in den Garten streuen… Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist!

Für Sie berichtete Petra Schmieder.

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