„Es ist ein Angebot!“

Kategorie: Aktuelles

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Die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und -begleiter der Ortsgruppe Herrsching mit Supervisor Guido Laschet (links).

In Herrsching begleiten rund 15 Ehrenamtliche vom Hospizverein im Pfaffenwinkel Sterbende und ihre Angehörigen. Weitere werden gesucht.

Keine Angst haben zu müssen vor dem Sterben, wünscht sich das nicht jeder von uns? Nicht allein zu sein, wenn es zu Ende geht? Gar im eigenen Zuhause im Kreis der Familie einzuschlafen? „Das ist möglich“, sagen Gesa Mayer und Andrea Oberhofer vom Hospizverein im Pfaffenwinkel e.V. Zusammen mit einem Team von rund 15 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern machen die Koordinatorin und die örtlichen Gruppenleiterin Sterbenden und ihren Angehörigen in Herrsching das Angebot, in dieser Lebensphase an ihrer Seite zu sein.

Rund 160 sterbende Menschen begleiten die Ehrenamtlichen vom Hospizverein regelmäßig von Schongau bis Penzberg und von Murnau über Starnberg bis Herrsching. „Viele unserer Ehrenamtlichen in Herrsching sind seit mehr als 20 Jahren im Einsatz. Wir sind ihnen sehr dankbar und verstehen, wenn sie sich jetzt etwas zurückziehen wollen. Deshalb suchen wir aktuell neue Helferinnen und Helfer“, berichtet Koordinatorin Gesa Mayer. Bevor Interessierte jedoch zum Einsatz kommen, werden sie auf das, was sie erwartet, gründlich vorbereitet. Ein bisschen Zeit muss man sich Ausbildung zum qualifizierten Hospizbegleiter schon nehmen: Sie umfasst 140 Stunden, davon 40 Stunden Praxis, und dauert von März bis November. Im Theorieteil geht es unter anderem um ethisch-rechtliche Fragen, das eigene Leben und Sterben, Gesprächsregeln und Übungen zur Gewaltfreien Kommunikation, Familienstrukturen, Nähe und Distanz, spirituelle Begleitung, die verschiedenen Sterbephasen, Trauerbegleitung, Rituale, Bräuche und Symbole sowie um eine Einführung in die Palliative-Pflege. Danach folgt das Praktikum im Stationären Hospiz in Polling.

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„Ehrenamtliche in der Hospizarbeit sind neben den Angehörigen und Freunden diejenigen, die ohne eine beruflich gebundene Rolle dem sterbenden Menschen begegnen. Sie bringen Alltägliches in die durch Krankheit bestimmte Welt. Hospizbegleiter/-innen ermutigen Angehörige und Freunde, sich dem Krankheitsprozess zu stellen und damit der Person des sterbenden Menschen zuzuwenden, in dem sie da sind, aushalten, mit lachen und – weinen. Als Mitglied in der Gesellschaft sind sie glaubwürdige Multiplikatoren für eine andere Kultur des Lebens im Umgang mit den sterbenden und trauernden Menschen.“

Auszug aus dem Ausbildungskonzept für Hospizbegleiter*innen im Hospizverein im Pfaffenwinkel e.V.

Wer sich jetzt fragt, wie lange und wie oft ein Hospizbegleiter einen Sterbenden im Durchschnitt besucht, wird schnell erfahren, dass jede Begleitung anders ist. „Es gibt keine Regeln, wir reagieren auf jede Phase und alle Bedürfnisse flexibel. Stets bestimmen der Patient und seine Familie, wie wir sie unterstützen“, erklärt Mayer. Als professionelle Koordinatorin vor Ort ist sie an jedem einzelnen Fall nah dran und erste Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen. Ihre Ausbildung als Palliativpflege-Fachkraft sowie diverse Fort- und Weiterbildungen, z.B. zur Koordinatorin, für Leitungskompetenz und Ethikberatung sowie zur Beraterin für Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, helfen ihr, die vielschichtigen Fragestellungen und diffusen Situationen richtig einzuschätzen. Die ehrenamtlichen Einsätze plant sie zusammen mit Andrea Oberhofer, „wir schauen beide, dass es für alle passt“. Die ehrenamtlichen Begleiter kommen nicht nur in private Haushalte, sondern begleiten auch in Pflegeheimen, im Krankenhaus und nicht zuletzt im Hospiz. In keinem Fall sind die Hospizhelfer pflegerisch tätig. Dafür sind in der Regel Mediziner und Pflegekräfte vom Team der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) zuständig. Sie sorgen dafür, dass der Patient keine Angst vor Schmerzen haben muss.

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Ortsgruppenleiterin Andrea Oberhofer (li.) und Koordinatorin Gesa Mayer informieren auch Schulklassen über das Sterben und den Tod: „Es ist faszinierend, wenn sogar die Klassenclowns ganz andächtig werden!“

„Wir sind an der Seite eines jeden Menschen und seiner Familie, der unsere Hilfe annehmen will“, stellt Oberhofer fest, „Die Hilfe ist unabhängig davon, welche Krankheit er hat oder welcher Religion er angehört und ob er überhaupt an Gott glaubt“. Es geht nicht allein um das körperliche Sterben. Je nach Alter und Lebensumständen spielen soziale und spirituelle Aspekte eine große Rolle. Die Selbstbestimmung geht verloren, Familie und Freunde fühlen sich hilflos. „Oft fällt es dann leichter, mit Außenstehenden zu sprechen. Wir versuchen einfach da zu sein, um diese Situation gemeinsam auszuhalten“, erzählt Oberhofer von ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Die Hospizbegleiter sitzen am Bett, halten Hände, singen Lieder, lesen aus Büchern vor, schauen gemeinsam Fotoalben an, schweigen oder lachen gemeinsam. Und sprechen – mit dem Sterbenden und den Angehörigen. Über Wut, Trauer, Verzweiflung, Ängste und Sorgen. Dazu gehöre auch, Wissen weiterzugeben. „Ein bisschen ist es wie bei einer Geburt: Wenn man den Weg kennt und weiß, was passiert, braucht man keine Angst zu haben. Niemand muss allein sterben!“

Was bedeutet Palliativmedizin?
Palliativmedizin kommt vom lateinischen Wort „palliare, zu Deutsch „mit einem Mantel umhüllen“. Sie will die Folgen einer Erkrankung lindern, wenn keine Aussicht auf Heilung mehr besteht und umfasst die Behandlung und Betreuung von Patienten und deren Angehörigen. Sie will den Tod weder beschleunigen noch hinauszögern.

Für Sie berichtete Petra Schmieder.

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