Kirchenmusik einmal ganz anders:

Kategorie: Konzerte

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Die evangelische Kantorei Herrsching sang unter Leitung von Birgit Henke im Rahmen der „Nachtkonzerte“ eine ungewöhnliche Mischung aus sakraler Musik und Tango. Unterstützt wurden sie durch die Solistinnen Sophia Scheffels und Anja Jedlitschka, Sängern der Harmonisten Seefeld und den Musikern Katharina Müller, Dorothee Bertsch (Violine), Malgorzata Kowalska-Stefaniak (Viola), Lisa Pokorny (Cello), Eugen Kalisch (Kontrabass), Brigitte Heigenhuber (Klavier) und Annette Rießner (Bandoneon, Akkordeon)

Birgit Henke kitzelt aus Kantorei, „Leihsängern“ und Musikerkollegen einen furiosen Mix aus leidenschaftlichem Tango und sakraler Musik heraus

Leidenschaftlich, feurig, körpernah getanzt, ursprünglich in den Bordellen zuhause und zweifellos mit ganz besonderer Ausstrahlung: der Tango. Und ja, die besondere Ausstrahlung gilt ganz gewiss auch für sakrale Musik. Doch bei den anderen Attributen muss sie eher passen. Umso gespannter konnte man daher auf das Programm des 3. Nachtkonzert sein, das in der Erlöserkirche stattfand und eine Verbindung dieser beiden, so unterschiedlichen Musikstile versprach. Mit Musik von Aston Piazzolla, einem argentinischen Tango-Komponisten und Musiker mit Liebe zur Klassik, der es schaffte, diese Melodie der südamerikanischen Migranten in die großen Konzerthäuser zu bringen. Im Wechsel dazu Martin Palmeri. Ein zeitgenössischer Komponist und Dirigent aus Argentinien, der u.a. durch jene ungewöhnliche Kombination von Tango und lateinischer Messe bekannt wurde.
Ein Programm, das dem Chor, den Musikern und der Leiterin/Dirigentin/Arrangement Birgit Henke enorm viel abverlangte. Ein Konzertabend, der eine imaginäre Messlatte nach oben schraubte und beim Publikum große Begeisterung und Bewunderung für solch eine Qualität auslöste.

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„Sakrale Musik mit Elementen des Tangos verbunden. Eine Musik, die für Leidenschaft, sexuelles Verlangen und Körperkontakt stehen …“ Auch Pfarrerin Susanne Parche war hörbar gespannt auf das folgende Konzert im Rahmen der – inzwischen so beliebten, da immer außergewöhnlichen – Nachtkonzerte. „MisaTango“ hieß das Programm – so wie das Stück, mit dem Martin Palmeri weltweit bekannt wurde und in dem er erstmals Tango und lateinische Messe ineinanderfließen ließ. „Von Insidern“ habe sie den Tipp bekommen, dass von allen großartigen Konzerten, dieser Abend noch einen drauf setzen würde grinste die Pfarrerin munter in die randvoll besetzte Kirche. „Aber: no pressure, Birgit!“
Doch Druck macht sich Birgit Henke auch ohne jenen zwinkernden Hinweis. Ihre Konzerte sind vieles, nur nicht gewöhnlich. Immer wieder schafft sie es, ungewöhnliche Programme auf die Beine zu stellen. Bedient sich eigener Arrangements oder Kompositionen, die nicht unbedingt unter Mainstream fallen. Spornt den Chor zu famosen Leistungen an und ergänzt ihn mit Sängerinnen und Sängern, wo nötig. (In diesem Fall u.a.: der Männerchor von Pianistin Brigitte Heigenhuber, der – eine wirkliche Seltenheit – für Ausgewogenheit bei Männern und Frauen sorgte!) Holt Musiker dazu, die ihre kreativen Ideen umsetzen, ohne dabei den Chor in den Hintergrund zu drängen. Und dass, obwohl diesmal kurzfristig Instrumente neu besetzt werden mussten.

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Ein erster großer Höhepunkt des Konzerts war das Kyrie-Gloria von Martin Palmeri mit Sophia Scheffels als Solistin. Das erst die Instrumente die zahlreichen Facetten des Tangos ausloten ließ, bevor kraftvoll der Chor einsetzte. Und auch dieser nun viele Spielarten dieser Musik umsetzte und immer wieder den Bogen zur sakralen Messe fand. Feurig und getragen. Laut und auch ganz leise. Den ungewohnten Rhythmus scheinbar mühelos fand – und wohl doch ganz einfach auch intensiv geprobt hatte. Ein Lied, das es den Zuhörern schwer machte, ihren Beifall bis zum Ende des Konzerts aufzusparen, wie von den Musikern vorab gewünscht.
Gleiches z.B. auch beim „Libertango“ von Astor Piazzolla. Der Titel eine Verbindung von Libertad (Freiheit) und Tango und das Stück wohl eines der meistgecoverten Tangos überhaupt. Darüber hinaus steht es wie kaum ein anderes Stück für den Übergang von der traditionellen „Kneipen-Musik“ hin zum Tango Nuevo. Mit dem diese Musik und Piazzolla ein neues Publikum eroberte und weltweit Einzug in die großen Konzertsäle fand. Und eine Melodie, die vielleicht auch an diesem Abend in der Erlöserkirche so manch einen gerne hätte das Tanzbein schwingen lassen. Wären da nicht die festen Stuhlreihen und wirklich kein Platz gewesen.

Solisten und Chor. Musiker und Leiterin. Entweder man müsste sie alle einzeln nennen oder einfach alle zusammen. Der lange und laute Applaus am Ende gab wieder, was hier auf die Beine gestellt worden war – auch wenn Birgit Henke mit dem ihr so eigenen Zweifel das ganze Konzert am liebsten noch einmal zur Aufführung bringen würde. Nichts dagegen – aber nicht, weil etwas nicht gepasst hätte!

Für Sie berichtete Barbara Geiling.

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