Vom Aussterben bedroht: Artenkenner dringend gesucht!

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Vertreter aus Politik, Forschung, Lehre und Naturschutzeinrichtungen zusammen mit den jungen Pionieren beim Start des ersten Bio-Div-Camps in Wartaweil

Neue Bio-Diversitäts-Camps wollen Leidenschaft für Artenvielfalt beim Nachwuchs wecken

Noch gibt es sie: Experten für Tier- und Pflanzenarten. Sie erkennen jeden Vogel an seinem Ruf und jedes Kraut am Blatt. Doch solche „Artenkenner“ sind vom Aussterben bedroht. Das hat der Bund Naturschutz schon 2014 in einer Studie festgestellt: Die meisten Artenkenner sind 60, 70 oder 80 Jahre alt. Nachwuchs ist kaum in Sicht, mittlerweile fehle eine ganze Generation von Artenkennern. Jetzt steuert der bayerische Jugendbund Naturschutz (JBN) gegen. Mit 13 Kids aus Nah und Fern startete am Mittwoch, 20. April, im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil das erste von insgesamt fünf Bio-Diversitäts-Camps. Den Auftakt für dieses Zukunftsprojekt ließ sich sogar die Politprominenz aus München nicht entgehen.

„Es gibt keinen Naturschutz ohne Wissen über die Arten“, stellte Markus Faas vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz fest. Neben den Fachleuten brauche es immer „Laien und Ehrenamtliche, die in der Natur rumstromern und sich für sie begeistern“. Das breit angelegte Nachwuchsprojekt für Artenspezialistinnen und -spezialisten wird vom bayerischen Staat gefördert. Wenn es nach Faas geht, der sich selbst als Artenfreak outete, braucht es dringend die Vernetzung. „Artenkenner zu sein, ist nichts Abseitiges. Das ist eher ein Hobby, das vielleicht mal zum Beruf wird. Kinder habt’s Spaß“, rief er den Teilnehmern zwischen 10 und 15 Jahren zu, als sie zur Exkursion aufbrachen.

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„Wir brauchen Profis für Natur“, forderte Richard Mergner, Vorsitzender vom Bund Naturschutz in Bayern, „für Käfer, Libellen, Frösche, Molche und Wanzen“. Die jungen Teilnehmer des Camps seien „hier im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil mit der Natur als Lehrerin“ bestens aufgehoben, so dass aus ihnen hoffentlich bald „Botschafter für Artenvielfalt“ werden. Die Youngstern beobachteten bis zum 22. April zum Beispiel Amphibien auf ihrem Weg aus den Winterquartieren und erforschen die heimischen Wasservögel.

Die Jugendcamps, die neben dem Ammersee im Frankenwald, Allgäu, im Bayerischen Wald und in Nordbayern stattfinden, haben ihre Schwerpunkte „je nach regionaler Tier- und Pflanzenwelt“, erklärte Ulrike Sacher-Ley vom Bildungswerk des Bund Naturschutz. In die Konzeption des Kurses ebenso eingebunden ist die Bayerischer Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege. Dort betreut Lisa Silbernagl das Projekt. Sie weiß, dass Artenkenntnis „eine Lebensaufgabe ist, bei der man nie auslernt“ und war überrascht: „Heute früh bei der botanischen Exkursion wussten manche mehr als ich!“

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Auf Wissen setzt auch Landrat Stefan Frey. Er berichtete, dass im Landkreis Starnberg seit kurzem „Naturschutz-Wächter“ im Einsatz sind. Sie machen Touristen und Einheimische „auf softe Art“ aufmerksam, wenn sie zum Beispiel ihren Müll liegen lassen. Dabei fragt sich der Landrat: „Warum können die ihren Krempel nicht einfach wieder mitnehmen?“. Die ersten Reaktionen auf die „Nature-Guides“ seien positiv, bald soll es mehr davon geben. „Das funktioniert besser als Verwarngelder oder Strafen!“, freut sich Frey. Freudig äußerte sich auch Herrschings 3. Bürgermeister, Wolfgang Schneider, dass in Wartaweil „wieder Jugendbildung und Feriencamps stattfinden“.

„Dreckig, aber glücklich“, heißt laut Julian Fürholzer vom Landesvorstand Jugendbund Naturschutz die Lerndevise für das Camp am Ammersee. Zu Programm gehören auch „draußen schlafen“ und Nachtwanderungen – beste Voraussetzungen sich innig mit der Natur anzufreunden. Ein Anfang ist gemacht!

Für Sie berichtete Petra Schmieder.

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