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„Ich musste eine Konsequenz ziehen“ - Die Vorsitzende des Kulturvereins Margit Metz tritt zurück, die AFD klagt sich ins Kurparkschloss und Herrsching zeigt Flagge gegen rechts

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 19. September 2018

Die AFD im Kurparkschloss? Zu Gast im Wahrzeichen von Herrsching, das für Kultur und bunte Vielfalt steht? Die Proteste kochten hoch bei vielen Bürgern und sie drückten ihr Unverständnis darüber aus, warum der Kulturverein dies bewilligt hatte. „Wir dachten, dass wir der AFD als demokratisch gewählter Partei das gleiche Recht wie den anderen Gruppierungen einräumen müssen", seufzt Margit Metz, die selber sehr unglücklich über diesen Entschluss war. Der Kulturverein tritt als Nutzer aber auch als Vermieter der Räumlichkeiten des Schlosses auf und wirklich waren hier auch schon die Grünen und die SPD zu Gast für gewisse Veranstaltungen gewesen.

 

 

Im Nachhinein aber bereuten sie diese Entscheidung und suchten nach einer Möglichkeit an, die AFD wieder auszuladen. Man stieß mit Hilfe der Gemeinde auf einen – allerdings sehr alten – Gemeinderatsbeschluss, der besagt, das gemeindliche Liegenschaften nicht für parteiliche Nutzung zur Verfügung stehen. Nun wurde allerdings das Belegungsrecht dieser Liegenschaft per Beschluss dem Kulturverein übertragen und dieser hatte in einer Sitzung dem Gemeinderat ein Preisblatt vorgelegt, auf dem auch ortsansässige Parteien aufgeführt sind. Eine schwierige Frage also, aber noch ist die Partei ja nicht ortsansässig und auch der alte Beschluss war nie aufgehoben worden.
Man teilte der AFD diese Entwicklung mit und wollte von dem Vertrag zurücktreten. Doch hier stieß man bei der Partei auf heftigen Widerstand. Sie drohten mit einer Schadensersatzklage und schalteten das Gericht ein – das ihnen wirklich per einstweiliger Verfügung das Recht zusprach, ihre Versammlung wie geplant im Kurparkschlösschen abzuhalten.

AFD Demo 1

Die langjährige Vorsitzende des Kulturvereins Margit Metz trat von ihrem Amt zurück. Für sie die Konsequenz dafür, dass der Verein die AFD zuerst als Mieter des Schlosses akzeptiert hatte.

„Ich musste Flagge zeigen und für diese Entscheidung einstehen", sagt Margit Metz klar heraus. Der Rücktritt aus dem Vorstand war für sie die richtige Konsequenz und einzige Möglichkeit. Ihre Hoffnung: vielleicht damit ein Zeichen zu setzen. „Eventuell bewirken wir auf diese Weise mehr, als andersherum."
So übergab sie am Abend der Versammlung den Schlüssel und mischte sich dann unter die Gegendemonstranten. „Am Wochenende waren 500 Menschen hier im Schloss, um die ausgestellte Kunst anzuschauen – vielleicht kommen ja zur Gegendemonstration ebenso viele Leute!"
Bürgermeister Christian Schiller dagegen war unsicher. „Mit der Aktion wird doch die AFD umso mehr aufgewertet", ist seine Meinung. Auch er ist alles andere als begeistert von der Versammlung, aber möchte der Partei einfach so wenig Publicity wie möglich bieten. „Wir haben im Gemeinderat bereits entschieden, dass wir sobald wie möglich mit unseren Partnern, dem Kulturverein und dem Trachtenverein in Breitbrunn, einen neuen Beschluss fassen, der solche Versammlungen unterbindet, damit wir die Neutralität wahren können."
Dem Bürgermeister tut vor allem der Rücktritt von Margit Metz leid. „Eine solche Vorsitzende ist nur ganz schwer zu finden und meines Wissens war sie sogar im Urlaub, als es um die Vermietung ging."

Herrsching zeigt Flagge gegen rechts

AFD Demo 3

600 – 700 Teilnehmer waren dem Aufruf zur Demonstration gegen die Versammlung der AFD gefolgt und protestierten lautstark aber friedlich gegen ihre Anwesenheit im Kurparkschloss

 

Die Organisatoren selber waren gespannt, wie viele Leute sie wohl mit ihrem Aufruf erreichen würden, um gegen die Versammlung der AFD im Schloss zu protestieren. Veranstalter Adrian Fuchs war anfangs von 100 Menschen ausgegangen – Margit Metz hatte optimistisch auf 500 gehofft. Tatsächlich wurden es dann wohl über 600 Bürger, die sich mit Plakaten und lautstarken Pfeifkonzert versammelten. „Eure Politik ist so was von 1933", war da zu lesen, „Auf dem völlig falschen Dampfer" und „Rassismus ist keine Alternative". Viele junge Leute waren da, Kinder mit ihren Eltern und Vertreter der örtlichen Parteien und auch der Bürgermeister. Die Polizei musste nicht einschreiten, obwohl der Lärm von weither zu hören war.
Für die ca. 40 Teilnehmer der AFD-Versammlung wurde eines hier zumindest klar: In Herrsching sind sie bei sehr vielen Bürgern nicht erwünscht.

Für Sie berichtete Barbara Geiling.

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