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Herrsching blickt nach vorn!

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 05. Mai 2020
Unternehmen reagierten phantasiereich auf Corona-Flaute

Eine Stadt rückt zusammen! Nachdem die erste Schockstarre überwunden war, antworteten Handel und Gewerbe in Herrsching mit pfiffigen Ideen und einem neuen Wir-Gefühl auf die Folgen der Corona-Situation. Geschäfte und Firmen beschritten teils innovative Wege, ihre Kunden zu beliefern. Von der Gemeinde wurden sie tatkräftig unterstützt.

 

„Ich denke mal, wenn's so weiter geht, können wir den Schaden minimieren", ist Herrschings Bürgermeister Christian Schiller vorsichtig optimistisch. Seit der ‚Wiedereröffnung' der Läden am 27. April, erreichten ihn viele positive Signale. „Die Kunden reagieren toll, ich habe sogar Blumen bekommen", freut sich Gabi Huber, 2. Vorsitzende des Herrschinger Gewerbevereins WIR. Am Eingang ihres Modegeschäfts hat die Boutiquenbesitzerin Desinfektionsutensilien aufgestellt und auch sie selbst, tut alles, damit sich ihre Kunden sicher fühlen: „Ich sprüh' den ganzen Tag!"

Als Initiatorin der Aktion „Kauf. Lokal. Online." mit der Website shopping-in-herrsching.de hat Gabi Huber viel positive Resonanz von den WIR-Mitstreitern erfahren. „Spezielle Zeiten brauchen spezielle Angebote", lautet ihr Credo. Gesagt, getan! Mit Hilfe der in Herrsching ansässigen Internet-Spezialistin Anna Liebel startete die Onlinepräsenz innerhalb von vier Tagen, „alles kostenfrei für die Mitglieder". Hier erfuhren die Kunden, wie sie Ware online bestellen konnten, obwohl alles geschlossen war. Es folgte eine Werbeaktion, die die Gemeinde finanzierte, mit Anzeigen in Tageszeitungen und Plakaten, so dass schließlich die Süddeutsche Zeitung und sogar das BR-Fernsehen über die vorbildliche Corona-Kampagne berichteten. Wer die Sendung am 23. April verpasst hat, kann sie in der BR-Mediathek, Stichwort „mehr/wert – Magazin für Wirtschaft & Soziales" anschauen. Gabi Huber ist zufrieden: „Die schwierige Situation hat uns zusammengeschweißt, das tut allen gut!"

„Ich finde es toll, wie die anderen damit umgegangen sind", freut sich auch Innenarchitekt Michael Darchinger vom gleichnamigen Möbelhaus über den Erfolg des Gewerbevereins. Er hatte zusammen mit seinem Bruder Wolfgang von der familieneigenen Schreinerei „eigentlich immer genug zu tun". Vorhandene Aufträge wurden abgearbeitet, und so manches Stück fand über den Firmenauftritt in den Sozialen Medien seinen Weg zum Kunden. „Wir haben regelmäßig auf Facebook und Instagram gepostet, vor allem Geschenkartikel", berichtet Darchinger. Von Rabattaktionen zum Neustart habe das Geschäft bewusst abgesehen: „Wir konnten ja in den anderen Bundesländern beobachten, wohin das führt". Insgesamt ist er überrascht, wie positiv Herrsching die schwierige Situation meistert. Aufgefallen ist ihm – wie anderen auch – die Initiative des Hotels Seehof.

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Stürmische Zeiten für Wirte und Hoteliers in Herrsching! Mit der Aktion „Leere Stühle" machten (v.li.n.re.) Elisabeth und Otmar Walch von Gasthof Zur Post, Gerda Reichert vom Seehof, Rita Kordel vom Andechser Hof sowie Solveig Schulze mit Helmut Rez vom Seehotel Pegasus auf ihre Situation aufmerksam. Noch müssen sie sich allerdings gedulden, bevor sie ihre Gaststätten und Hotels wieder öffnen dürfen. Foto: Schmieder

Denn das Hotel am Herrschinger Anleger vermietet seine Zimmer als „Homeoffice", in dem sich Berufstätige, denen Zuhause die Decke auf den Kopf fällt, zum Arbeiten zurückziehen können. „Das wird ganz gut angenommen, die Gäste kommen sogar aus München", berichtet Seehof-Pächterin Gerda Reichert. Wirte und Hoteliers halten enger zusammen als zuvor – Corona macht's möglich, ist sie sich mit den Kollegen vom Andechser Hof, vom Gasthof Zur Post und vom Seehotel Pegasus einig. Gemeinsam machten sie am 24. April mit der Aktion „Leere Stühle" auf die Lage im Gastgewerbe aufmerksam. Der Andechser Hof bietet beispielsweise weiterhin täglich wechselnde Speisen zum Abholen an, sagt Geschäftsführerin Rita Kordel. Zugleich versorgt die Küche des Artotels die Bewohner der 55 Appartements im Betreuten Wohnen. „Wir bringen Essen, gehen Einkaufen und hängen Frühstücksemmeln an die Tür", so Kordel. Die Hygienevorschriften, die für das Gastgewerbe zu erwarten sind, bereiten ihr derzeit noch Bauchweh, „aber wir werden das stemmen, es wird eine neue Aufgabe". So sieht es auch Postwirtin Elisabeth Walch: „Wir müssen annehmen, was ist und immer dran denken, dass es vorbeigeht. Uns geht's besonders um die Mitarbeiter, die ohne Trinkgelder und Sonderzuschläge hohe Einbußen haben." Sie alle setzen auf die Zeit nach Corona, und „dann heißt es, gemeinsam die Ärmel hochkrempeln."

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Fürs Homeoffice ins Hotel? Der Seehof macht's möglich... Foto: Schmieder

Ein neues Wir-Gefühl! Das hat auch Bürgermeister Schiller in den zurückliegenden Wochen wahrgenommen: „Wir gemeinsam für Herrsching – das ist schon toll! Wir müssen mehr aufeinander achtgeben und hier vor Ort umdenken". So sieht es auch Barbara Scheitz, Chefin der Andechser Molkerei. „Ich habe sofort überlegt, wie wir die Menschen kontaktlos mit Lebensmitteln versorgen können?" Über die Herrschinger Insel fanden sich rund zwei Dutzend Helfer, die bereit waren, für andere einzukaufen. Auf Initiative der Molkerei erhielten sie bei drei Lebensmittelgeschäften (Biomarkt, Vitalia und Rewe) zu speziellen Öffnungszeiten Zutritt, so dass sie zügig die Einkäufe erledigen konnten. Damit die Menschen, die Hilfe brauchten, und die, die helfen wollen, schnell zusammenfinden, rief Sohn Wolfgang Scheitz die Plattform „www.herrschinghilft.de" ins Leben. „Onlinehändler wie Amazon und andere Internet-Bestelldienste waren völlig überlastet. Corona hat uns gezeigt, wie wichtig die regionalen Strukturen sind. Die Leute haben die Lösungen miteinander hier vor Ort auf die Beine gebracht", ist Barbara Scheitz ein wenig stolz. Sie hofft, dass die Menschen auch „nach Corona" mehr darauf schauen, wo die Ware herkommt. Die Plattform stellte Familie Scheitz der Gemeinde zur Verfügung, die inzwischen damit arbeitet. „Ein praktisches digitales Werkzeug, über das wir auch in Zukunft diejenigen zusammenbringen, die einander helfen und brauchen", ist Christian Kreilkamp vom Sozialbüro optimistisch.

Im Handwerk und Gewerbe sei die Lage recht unterschiedlich, berichtet Schiller weiter. Elektroniker, Installateure und Schreiner stünden weiterhin gut da, weiß er aus Gesprächen, „nur Privatkunden sind teils zurückhaltender und haben nicht dringende Arbeiten auf später verschoben". Ein Malerbetrieb habe kurzerhand eine Woche Pause eingelegt, weil ein größerer Privatauftrag weggefallen sei. Ebenso flexibel reagierten die Autohäuser. In der Werkstatt des Autohauses Casny wurde in zwei Schichten gearbeitet, seit Anfang Mai sind wieder alle an Bord. Frank Casny ist stolz auf seine 30-köpfige Mannschaft, „alle haben mitgeholfen". Auch bei Auto Gotzler in Seefeld „läuft der Verkauf jetzt langsam wieder an", berichtet Christian Gotzler. Auf positive Resonanz stießen schließlich auch die Videobesichtigungen, die Immobilienmaklerin Ute Schnellbögl möglich machte. „Der Bedarf an Mietwohnungen und Häusern ist unverändert groß, es gibt genügend Interessenten", ist sie guter Dinge.

Aus Schillers Sicht sind die neuen Vorsichtsmaßnahmen bei „99 Prozent" der Herrschinger Bürger angekommen. „Mich fasziniert, wie anpassungsfähig der Mensch ist. Extremsituationen machen innerhalb kürzester Zeit eine Verhaltensänderung möglich", so der Rathauschef. Das gilt genauso für ihn und das Mitarbeiterteam: Sie lassen sich neuerdings so manches Mittagessen aus den umliegenden Restaurants anliefern. Auch wenn jetzt wieder mehr der Alltag herrscht, „Corona wird uns noch lange beschäftigen", weiß Schiller. So wird sich etwa die geplante Erneuerung des Hallenbodens der Dreifachturnhalle verzögern, Spielbeginn dürfte erst Anfang Oktober möglich sein. „Weil in der Martinshalle nicht genügend Platz ist, müssen die Realschüler mit ihren Abschlussprüfungen in die Nikolaushalle ausweichen. Auch die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderats am 11. Mai wird dort stattfinden", so Schiller. Ob Corona auch dieser neuen Gemeinschaft ein neues Wir-Gefühl verleihen wird?

 

 


Digitales Tanzen – VHS-Kurse in Zeiten von Corona
Auch bei der VHS Herrsching hat die Situation einiges an Kreativität frei gesetzt, das Kursangebot hat sich komplett verändert und ins Internet verlagert. „Unsere Dozentinnen und Dozenten werden sukzessive fit auf den verschiedenen digitalen Lernplattformen", weiß Geschäftsstellenleiterin Petra Hofstätter zu berichten. Den Anfang mit dem digitalen Unterricht haben die Alphabetisierungskurse für Asylbewerber der VHS Herrsching gemacht. Hier hat das bayerische Innenministerium sehr schnell auf die veränderten Bedingungen reagiert und digitalen Unterricht zugelassen. „Die Teilnehmer in den Gemeinschaftsunterkünften haben zwar nach wie vor mit dem eher mäßigen Netz zu kämpfen, sind aber seit den Osterferien fröhlich dabei", ist Hofstätter guter Dinge. Die VHS hat inzwischen auch eine digitale Lerngruppe aus einem Integrationskurs heraus gegründet. Diese Lerngruppe wird über das BAMF finanziert.

 

Ein Teil der Sprachkurse ist nach den Osterferien online gegangen. Und es werden laut Hofstätter nahezu täglich mehr: Unter den Teilnehmern und Teilnehmerinnen spricht sich nicht nur die Möglichkeit, sondern auch der Erfolg und Spaßfaktor herum. Im Gesundheitsbereich läuft der digitale Unterricht noch etwas zögerlich an. Die Dozentinnen begleiten z. B. bei der Wirbelsäulengymnastik die Teilnehmer gerne in Echtzeit über den Bildschirm, um Haltungsfehler zu korrigieren. „Nun findet ein Tanzkurs online statt und weitere Dozentinnen haben Interesse bekundet, mit ihren Teilnehmern auf diese noch ungewohnte Art weiterzumachen", sagt Hofstätter. Einzelne Seminare und Workshops des Sommersemesters werden zudem als Webinar angeboten.

Ergänzt wird das Angebot durch ‚vhs daheim', eine Koproduktion diverser bayerischer Volkshochschulen, zweimal täglich auf Youtube. Ausführliche Informationen unter www.vhs-herrsching.de

 


 


Und hier gibt's selbstgenähte Masken in Herrsching (u.a.):
• Trachten Hemberger
• Schneiderei Caydas
• Raumwerkstatt Breitenberger
• einfach bunt Quilts

 

Für Sie berichtete Petra Schmieder.

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