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Salto: ein Jugend-Literaturfestival in Herrsching - In Zusammenarbeit mit dem Kulturverein stellte Thomas Kraft ein buntes Programm von Kinderbuch bis Poetry Slam

Kategorie: Kinder / Jugend Veröffentlicht: 18. März 2018

Über 6 Millionen Leser sind dem Deutschen Buchhandel in den Jahren 2012 – 16 verloren gegangen und der Trend setzt sich fort. Der lesende Anteil der Bevölkerung liegt inzwischen bei unter 50% und das betrifft Haushalte quer durch alle Gesellschaftsschichten. „Beängstigend" findet Thomas Kraft diese Entwicklung, der er ein kleines Stück weit mit diesem Literaturfestival entgegenwirken will. „Wir müssen den Boden halten, den wir noch haben" meinte er und will mit dieser Aktion gezielt die Jugend ansprechen. Lesungen in Kindergärten und für die Schüler, Poetry Slam in einem Workshop mit anschließender Darbietung und eine Ausstellung mit Illustrationen von Paul Maar, der mit „Sams" eine Figur geschaffen hat, die inzwischen schon Generationenübergreifend begeistert.

Wer kennt ihn nicht, diesen frechen rothaarigen Sams, der eigentlich fast nur Unsinn im Kopf hat. Sein Schöpfer ist der Schriftsteller, Drehbuchautor, Illustrator und Übersetzer Paul Maar, der in diesem Jahr seinen 80 Geburtstag feiert. Mit dem Schreiben von Kinderbüchern begann er, weil er für seine eigenen Kinder keine geeigneten Werke zum Vorlesen fand und heraus kamen viele lustige und gleichzeitig auch nachdenkliche Geschichten, die sich – auch dank der phantasievollen Illustrationen – in die Herzen vieler Leser schlichen. Thomas Kraft ist mit ihm befreundet und so kam er auf die Idee, ihn um die Leihgabe einer Ausstellung zu bitten, die gerade auf Tour in München war. „Eigentlich wollte der Autor selber auch kommen" bedauerte er auf der Eröffnung, aber leider kam da die Leipziger Buchmesse dazwischen. Und auch so sprechen die ausgestellten Illustrationen von Sams oder Lippels Traum für sich. Liebevoll und detailgenau erzählen sie alleine einen Teil der Geschichte, die es dann in Buchform weiter zu entdecken gilt.
Noch auf das Vorlesen angewiesen sind die Kinder, die am 2. Tag des Festivals auf ihre Kosten kamen: Alexandra Helmig, die Autorin der Geschichten um Kosmo & Klax besuchte mit dem Gitarristen Uli Graner vier Kindergärten der Gemeinde und las, sang und spielte aus den Büchern vor. Es war ein andächtiges Publikum, das die Autorin da mit ihrer lebhaften Erzählweise in den Bann zog. Sie schlüpfte in die unterschiedlichen Figuren und machte diese für die Kinder lebendig. Z.b. Kosmo, das listige Eichhörnchen, der mit seinem Freund Klax, dem kleinen Ball mit der Krone in einem Baumhaus lebt. Klax ist eigentlich ein verzauberter Prinz – und gemeinsam mit Hase Mümmelmann, Bodo Biber, Graumaus u.a. Freunden erleben sie viele Abenteuer. Mucksmäuschen still hängen die Kinder an den Lippen der Autorin, die da wie eine Schauspielerin die Geschichten als Theater wirken lässt. Mit Bildern und Musik untermalt entsteht ganz schnell eine Vertrautheit mit diesen Figuren, die an ein Aufhören nicht denken lassen. „Noch mehr" wollen sie hören und alle sind ein bisschen traurig, als Alexandra Helmig und Uli Graner sich verabschieden, um in den nächsten Kindergarten weiterzuziehen. „Das war voll schön" murmelt ein Junge noch versonnen.

Salto 1

Mit einer Vielzahl von Aktionen rund ums Buch wollte Thomas Kraft mit dem Literaturfestival Salto einen kleinen Impuls gegen den zunehmende Schwund an Lesern setzen

Noch vor sich hatten da die Erst- und Zweitklässler ihre Lesung mit der Berliner Kinderbuchautorin Sabine Ludwig. „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft" ist wohl zur Zeit eines ihrer bekanntesten Werke – das den Anwesenden aber nur durch die Verfilmung bekannt ist. „Keiner weiß, dass ich dieses Buch geschrieben habe" grinste die Autorin gespielt traurig und stellte an diesem Vormittag dann doch ein ganz anderes Buch vor. „Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging" erinnert in mancherlei Hinsicht an das Leben der Zuhörer. Auch Kater Konrad hat eine „Helikopter-Mutter" und wird deswegen von einigen Mitschülern geärgert. Auch er muss in die Schule gehen und bekommt seine Brotzeit geschmiert – nur, dass hier halt schön fette Hafermast-Mäuse eingeklemmt werden statt Butter & Co.
Und wieder hängt eine große Kinderschar an den Lippen einer Autorin, die spannend und mit viel Witz erzählt und die Kinder mit einbezieht. Begierig wird sie in einer Pause mit Fragen gelöchert, die Sabine Ludwig gerne beantwortet. Ob sie denn in der Schule auch schon so gut in Deutsch war, wie lange sie für ein Buch braucht, wann und warum sie damit angefangen hat u.a.m. Und: „Schreibst Du gerne?" Die Autorin von 45 Büchern muss lachen und gibt freimütig zu, dass sie sich zwar sehr gerne die Geschichten ausdenkt, aber das Schreiben immer eher mühevoll findet. Auch das können die Kinder sehr gut nachvollziehen und fordern schließlich nachdrücklich, ob sie jetzt bitte weiterlesen könne.
Für die Realschüler ging es dann in den nächsten Tagen dann ein wenig anspruchsvoller weiter. „Endland" von Martin Schäuble befasst sich in Romanform mit der Flüchtlingskrise und dem Erstarken der rechten Szene am Beispiel eines Jugendlichen, der schließlich gezwungen ist, sich für eine Seite zu entscheiden: bleibt er seinen nationalistischen Ideologien treu oder bekennt er sich zu seinen Freunden? Bei dieser Lesung blieb Nachdenklichkeit zurück – während am folgenden Tag ein paar Siebtklässler doch glatt Gefallen an Gedichten entwickelten. „Poetry Slam" war hier angesagt und so gerappte Poesie ist doch gleich etwas ganz anderes!

Es war ein bunter Querschnitt durch die Literatur, der hier im Rahmen des Salto-Literaturfestivals in Herrsching gezeigt wurde. Er hat Begeisterung geweckt und sicher auch den ein oder anderen Impuls gesetzt, wie es sich Thomas Kraft im Vorfeld erhofft hatte. Einen großen Dank richtete dieser noch an den Kulturverein, die Gemeinde und das Landratsamt für die Unterstützung, „die dieses Projekt erst möglich gemacht haben".

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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