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Leben wie ein Ammersee-Indianer

Kategorie: Kinder / Jugend Veröffentlicht: 24. November 2020

Herbstcamp in Wartaweil für Kinder aus Herrsching und Umgebung

Welche Tiere leben im Wald? Wie baue ich ein Tipi-Zeltlager? Wie leben Naturvölker? Antworten auf diese und weitere Fragen fanden 15 Kinder bei der Naturfreizeit Anfang November im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil heraus. Zusammen mit den Umweltpädagoginnen Maria Hermann und Margret Hütt tobten die Sechs- bis 13-Jährigen bei meist gutem trockenem Herbstwetter durch den Wald und entdeckten Flora und Fauna am Ammersee.

„Die Kinder sind da", lautete die frohe Nachricht am Montagfrüh von Birgit Geurden, Leiterin des Seminarhauses vom Bund Naturschutz in Bayern. Sie und ihre Kolleginnen atmeten auf. Bis zuletzt war wegen des Lockdowns Anfang November nicht klar, ob die von Kindern und Eltern gleichermaßen heiß herbeigesehnte Ferienfreizeit für die Erst- bis Viertklässler stattfinden kann. Das endgültige „Go" kam erst am Wochenende davor. „Wir sind so froh, dass diese wichtige außerschulische Bildungsarbeit stattfinden kann", freute sich Geurden. Das Herbstcamp wurde organisiert vom Bund Naturschutz Bayern und gehörte zum Sonderprogramm, mit dem der Bayerische Jugendring (BJR) und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus Ferienangebote fördern.

Der erste Tag war dem heimischen Wald und seinen Bewohnern gewidmet. Da wurde über Wölfe gesprochen, die inzwischen wieder unsere Wälder bevölkern, ebenso wie über Rehe, Hasen, Wildschweine und Vögel. „Wir haben einen Specht und seine Höhle entdeckt", erzählt Maria Hermann. Und natürlich wurde auch das Insektenhotel gezeigt, in dessen Hohlräumen viele verschiedene Wildbienenarten zwischen Sand und Kies Platz für ihren Nachwuchs finden.

„Taino Tee, Wakee Ata" klang es am Morgen durch den Wald, wenn die Kinder das traditionelle Lied der Arawak-Indianer sangen und dazu rhythmisch im Kreis tanzten. „Wir haben mit den Kindern darüber nachgedacht, was ein Volk eint. Wie kommt es zu einem friedlichen Miteinander? Bei den Indianern werden Feste gefeiert, Tänze aufgeführt und Rituale begangen", berichtet Hermann. Beim Kreistanz ahmte jeweils eines der Kinder die Bewegungen von einem Tier nach und plötzlich schwingen, stampfen, schleichen und schlängeln Adler, Bisons, Pumas und Schlangen durch den Ammerseer Herbstwald. Beim Spielen im Wald und am Seeufer lernten die kleinen Ammersee-Indianer die Umwelt besser kennen und verstehen. Kleines und Großes wurde mit Mikroskop oder Fernglas entdeckt. Auch die Praktiken von Naturvölkern wurden erkundet: Die Kinder bauten Tipi-Zelte aus Zweigen und Ästen, sammelten Holz und machten Feuer, verwandelten Blätter zu Schmuck und ließen aus Kieselsteinen vom Ammer-Flussbett durch Schleifen Mosaike entstehen. „Wenn ich den Wert der Dinge erkenne, ihre Entstehung verfolge, schätze ich sie mehr", erklärt Hermann den pädagogischen Hintergrund.

Selbst einen Bogen zu schnitzen war für die Jungs ein Highlight wie auch das Basteln eines Lederbeutels. Dabei achteten die Umweltpädagoginnen darauf, Werte zu vermitteln: „Wir haben Lederreste aus der Möbelproduktion und Wollreste verwendet und damit die Materialreste ‚upcycled', also aufgewertet." Jedes Kind hat in den vier Tagen seine Entdeckungen aus dem Leben der indigenen Völker gemacht. „Besonders viel Spaß hatte ich, das Indianer-Tipi zu bauen", freut sich Paul. Schade fanden ein paar Kinder, dass es aufgrund der Corona-Situation nicht möglich war, gemeinsam zu kochen. Das ruft nach Wiederholung im nächsten Jahr – dann hoffentlich ohne Corona-Einschränkungen!

Für Sie berichtete Petra Schmieder

 

Die Fotos der Kinder finden Sie in der Printausgabe des Herrschinger Spiegel.

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