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„Den Horizont erweitern und offen sein für Neues“

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 03. Februar 2014

(Text/Foto: cj) – bei diesem Satz leuchten seine Augen. Ende letzten Jahres feierte er seinen 60. Geburtstag. Wenn man ihn nach seinem Leben fragt, kommt er immer wieder auf seine Arbeit zu sprechen. Nicht, weil er kein Leben hätte, sondern weil seine Arbeit sein Leben ist. Seit 27 Jahren leitet Dr. Wulf Treiber das Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching, seit über 30 Jahren ist er hier Mitarbeiter.

Die Geschichte des Hauses der bayerischen Landwirtschaft beginnt 1948 im Kloster Ottobeuren mit der Gründung der Bauernschule. Drei Jahre später zieht sie bereits an den Ammersee nach Herrsching, wo sie 1976 mit der Bäuerinnenschule am heutigen Standort in Lochschwab zusammengelegt wird. Die Idee dahinter steht in der Tradition der skandinavischen Heimvolksbildung: auch für die Menschen auf dem Land soll Bildung zugänglich sein, um ihnen ein Fundament und Selbstbewusstsein für ihren Beruf mit auf den Weg zu geben.
Basis dieses Bildungsansatzes ist der sogenannte „Herrschinger Grundkurs" geworden, für Dr. Treiber eine Herzensangelegenheit, für die Absolventen ein Markenzeichen. „Es geht mir darum, das Selbstvertrauen vor allem junger Leute in ihrer Rolle als Landwirte zu stärken. In den elf Wochen, die sie bei uns verbringen, lernen sie in Ergänzung zu ihrer Berufsausbildung Dinge für sich selbst und für's Leben. Ich nenne es Persönlichkeitsbildung." Die zukünftigen Landwirte und Landwirtinnen haben hier die einmalige Gelegenheit vor dem Einstieg in den Beruf, ihre Allgemeinbildung zu vertiefen und neue Möglichkeiten für sich und ihren späteren Beruf zu entdecken. Rhetorik und Kommunikation, Gesellschaft und Geschichte, Politik und Märkte, Studienreisen und Praktika stehen auf dem Programm. Seit zehn Jahren sind auch ausländische Teilnehmer dabei, worauf Dr. Treiber besonders stolz ist.
Auch auf staatsbürgerliche Bildung, die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und die Vermittlung von Werten wie Demokratie und europäische Einigung legt er viel Wert. Jedes Jahr im Sommer veranstaltet er im Haus der bayerischen Landwirtschaft ein großes internationales Seminar. „Wenn junge Führungskräfte aus allen Kontineten – aus Israel, dem Irak, aus Afrika und Amerika, aus Taiwan und China – hier in Gruppen miteinander arbeiten, ist ein Geist zu spüren, der beispielgebend für eine friedliche Welt sein könnte."
Es gibt aber auch noch einiges zu tun. „Leider ist es uns noch nicht ganz gelungen, die persönliche Weiterbildung als strategische Betriebsentwicklung in der Landwirtschaft zu positionieren. Wir würden gerne noch mehr Menschen erreichen", so Dr. Treiber. Gerade den hart arbeitenden Landwirten täte es gut, wenigsten zweimal im Jahr von zu Hause weg zu kommen, und etwas nur für sich zu tun, sich mit Themen zu beschäftigen, für die im Alltag keine Zeit bleibt. „Alle, die an unserem Wochenendseminar zur Persönlichkeitsbildung teilgenommen haben, sagen, es war Gold wert. Einmal den Betrieb hinter sich lassen und sich bewusst Zeit für sich selbst nehmen."

 

Dr.Treiber

Dr. Wulf Treiber, seit 1987 Direktor des Hauses der bayerischen Landwirtschaft

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