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„Die Ottmann“ – bringt im Kurparkschlösschen so manchen Zuschauer ins Schwitzen! Der Kulturverein lud mal wieder zu einem furiosen Kabarett

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. März 2014

(Text/Fotos: bg) Wenn Martina Ottmann „Aus der Sicht der Dinge" erzählt, so ist sie einmal das verlorene Herz, das über seinen ungeschickten Namen hadert. Warum nennt man es nicht „Hück", dann würde sich das Glück darauf reimen! Oder Haß – denn dann wäre Spaß das Gegenstück ... aber nein, es heißt Herz und darauf reimt sich nun mal nur der Schmerz und somit ist sein Schicksal auch besiegelt. Absurd, komisch, voller Temperament und gerne im Miteinander mit den Zuschauern – ein Abend mit der Kabarettistin Martina Ottmann strapaziert die Lachmuskeln und lässt den Alltag ganz weit im Hintergrund zurück!

Ob sich Kurt und Colin bei ihrem nächsten Besuch im Kabarett nochmal in die erste Reihe setzen? Denn auch nachdem Kurt der Kabarettistin ritterlich zur Hilfe eilte – nachdem diese sich etwa zu elegant über den Stuhl hat sinken lassen und aus ihrer eigenen Verknotung nicht mehr herausfand – war er in Folge keineswegs der passive Zuhörer! Martina Ottmann lebt von der Interaktion mit ihren Zuschauern und das der Funke überspringt, dafür sorgt sie mit ihrem spritzigen Temperament! Harald Trepte vom Kulturverein hatte sie schon 1997 mit ihrem 1. Soloprogramm in Stegen kennengelernt, wo sie auch gleich den Stegener Kulturpreis einheimste. Und er war es auch, der sie jetzt ins Kurparkschlösschen geholt hatte – und das war gut so! Mittlerweile ist die gelernte Architektin, Schauspielerin und Sängerin mit ihrem 7. Programm unterwegs, was ihrem Einfallsreichtum aber beileibe nicht geschadet hat. Apropos unterwegs: im Laufe des Abends fängt sie doch an zu sinnieren, ob nicht die Politik etwas für sie wäre ... reden kann sie, herumreisen muss sie auch und das Gehalt wäre sicher besser! Doch dann fällt ihr ein altes Indianerstichwort ein, das besagt, wenn man zu schnell den Ort wechselt die Seele zurückbleibt. Und jetzt versteht sie auch die vielen Leibwächter der Politiker: es wäre natürlich schon ungeschickt, wenn ein Bürger versuchen würde sie anzufassen, wo doch nur leere Hüllen vor ihnen stehen. Aber sich einen kräftigen Durchzug im Berliner Plenum vorzustellen und plötzlich fliegen 600 leere Maßanzüge von der Stange und ein Hosenanzug in den Himmel hinein ... und was macht die alleingelassene Seele? Bleibt sie brav Zuhause oder fliegt sie hinterher? Economy? Und wenn sie überhaupt nicht mehr in den Körper zurückwill, ist sie dann von der Einkommenssteuer befreit? Übrigens: ihre Seele ist noch drinnen! Die Waage zeigte am Morgen 2,3 kg zu viel!

Kabarett Ottmann 1

 

Mal so richtig Frau sein und lasziv über den Stuhl gestreckt – Martina Ottmann ist voll Vertrauen, dass ein Herr aus dem Publikum sie aus dieser misslichen Lage wieder befreit!

Politik also nicht und eigentlich hat ihr der Therapeut ja auch geraten, mehr Frau zu sein! Doch dieser Versuch endet eben in jener lasziven Verrenkung, aus der Kurt sie wieder befreien muss. Auch der Versuch mit extragroßen Brüsten geht irgendwie schief, als diese zu jammern anfangen, dass doch nur alles Silikon und damit Illusion ist. Der Brüste wieder entledigt gerät sie in einen ernsthaften Disput mit ihrem Dekolleté, das sich ständig in den Vordergrund drängen und dann sogar eine Karriere ohne sie starten will! So erbost ist Martina Ottmann darüber, dass sie Colin an die Gurgel springt ... wo er doch eigentlich ein Leidensgenosse von ihr ist. Denn auch er ist nicht das geworden, was er eigentlich wollte ... Bei ihr war es der Wunsch, Bluessängerin zu werden. Aber hier hat sich wirklich alles gegen sie verschworen! Angefangen von ihren Namen – den sie in Folge mit einer Mimik ausspricht, die alles sagt – aber auch sonst passt eigentlich gar nichts. Ihr Lebenslauf, eine glückliche Kindheit, noch keinen Mann erschossen – geschweige denn in Amerika, weil der Flug doch so teuer ist...

Kabarett Ottmann 2

Oh là là, diese Brüste – doch nein, auch sie nur Silikon und Illusion...

Aber was passt, ist ihre Stimme! Ob Blues, die Sirenen von Homer oder die kreischende Opernsängerin – begleitet von dem Pianisten Michael Armann fasst sie ihre skurrilen Ausflüge in die Welt der Dinge immer wieder in einem Lied zusammen, das ihre ausdrucksstarke Stimme wunderbar zur Geltung bringt. Mit funkelnden Augen wechselt sie von Chanson zum Blues oder lässt es bayrisch krachen. Michael Arman hält sich im Hintergrund und ist doch mit seiner großartigen und einfühlsamen Begleitung nicht wegzudenken aus dem Programm.
Die Zugaben am Ende des Abends, der noch lange nicht zu Ende ist, werden mit tosenden Applaus lautstark eingefordert. Und die beiden Künstler scheinen auch gar nicht so richtig weg zu wollen. Zum Schluss stehen die anwesenden Mitglieder des Kulturvereins auf der Bühne, Martina Ottmann hockt mal wieder auf irgendeinem Schoß und das Publikum gestaltet das Programm – oder andersherum?

Kabarett Ottmann 3

Am Ende des Abends stehen die Mitglieder des Kulturvereins auf der Bühne, das Publikum ist der wogende See und Martina Ottmann – hat ihren Spaß!

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