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Kabarett vom Feinsten im Kulturparkschlösschen! Faltsch Wagoni brilliert mit einem furiosen Geschlechterkampf der bestimmten Artikel

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 09. April 2014

(Text/Foto: bg) Wie schafft man es nur, beim Publikum durch bloßes Vertauschen der Artikel schallendes Gelächter hervorzurufen? Die Sonne, der Sonne ... entgegen – die verschiedenen Geschlechterarten ... da möchte man doch eher an Beate Uhse denken ... eine Grammatik der Erotik! Die Subjekt/Objekt-Beziehung ... aber da fehlt doch das Verhältniswort ... „und" – nein das ist ein Bindewort! Oh, so weit wollte ich nicht gehen! Aber ich stehe auf sie! Liege ich Ihnen?
... Kein Wunder, dass so manch Deutschschüler an dieser Sprache verzweifelt, aber an diesem Abend ist man einfach nur fasziniert, welche Wortspielereien sie zulässt – wenn man es so drauf hat wie diese beiden Rhythmuspoeten!

Seit vielen Jahren tourt das Ehepaar Sylvana und Thomas Prosperi durch die Lande und begeistert das Publikum mit ihrem artistischen „wortbeat-sprach-humor-musik-poesie-kabarett". Im Kurparkschlösschen waren sie nun bereits das zweite Mal nach ihrem Antrittsbesuch bei der Wiedereröffnung im Oktober letzten Jahres. Für die beiden in Herrsching lebenden Künstler ist es ein Heimspiel – und für die Herrschinger ein riesen Glücksgriff!
Das Paar streitet sich lustvoll auf der Bühne und jongliert dabei mit den Worten, als wären es Bälle. Sie werden einander zugeworfen, aufgefangen und vermehrt, zu Ketten gebunden und scheinbar mühelos miteinander verknüpft – um sich dann irgendwie am Ende in einem großen, abstrusen – und doch auch stimmigen - Wörterbad wiederzufinden!

Faltsch Kabarett 1

Eines ist sicher: Eine Schlafmütze ist Thomas Prosperi von Faltsch Wagoni nicht, aber in seinem „Ganzkörperkabarett" ist er sich für keine Verkleidung zu schade und sei es um seine Frau hochzunehmen!

Aber sie können nicht nur in Worten. Wenn Thomas Prosperi nicht gerade zur Gitarre greift, dann bedient er sich kurzerhand der großen Holzsäge und begeigt diese mit viel Gefühl und herrlich schrägen Klängen. Und Sylvana nimmt die Herausforderung auf ihrer Cajon an und gibt nun ihrerseits den Takt an – wenn es sein muss, auf seiner Gitarre, während er spielt. Auch die Musik beginnt oft als lustige Neckerei der Beiden, entwickelt sich aber ganz schnell zu einem schönen Klangerlebnis, das alleine abendfüllend wäre! Ob Rap, sanfter Jazz oder gefühlvolle Tavernen Musik: sie zeigen ein perfektes Zusammenspiel auf hohen musikalischen Niveau.
Bei so viel „Zusammen" ist klar: sie will getrennt von ihm ein Soloprogramm! „Ohne mich" stellt er sofort klar und beide beginnen ihren Zwist darüber – in vertauschten Rollen – auszuleben. Sie spricht in seiner Stimme – und andersherum ... und nur bei genauem Hinsehen machen kleine Bewegungen ihre Fertigkeiten im Bauchreden deutlich. Dann doch gleich richtig auf Abstand gehen und sich Siezen! Aber in Englisch? Ein Land der verbalen Duzer! Und vor dem Siezen gab es ja auch noch das „Ihrsten", nicht zu vergessen das „unsersten" der Mediziner ... „wie geht's uns denn heute?" Und wenn jetzt noch jemand Probleme hat, dann folgen Sie dem Ratschlag von Faltsch Wagoni und „load it down"! Ob Selbstvertrauen, Doktorarbeiten oder versaute PC's: noch nie war die Welt so einfach wie jetzt!
Es war ein rundum gelungener Abend, der nach langem Applaus und einer Zugabe über Entstehungsgeschichte der Welt zu Ende ging. Ein Abend der guten Laune, die sie mit ihrer unbeschwerten Komik hervorrufen. Der einen aber auch plötzlich über Wörter stolpern lässt, die – schon tausendmal verwendet – doch eigentlich urkomisch sind. Es ist ihre Musikalität, die das Programm nicht nur untermalt, sondern einen ganz eigenen Stellenwert einnimmt – und bei dem Zuhörer den Wunsch entstehen lässt: macht doch einfach weiter!

Faltsch Kabarett 2

Perfekt im Zusammenspiel, sowohl in der Musik als auch bei genussvollen Auseinandersetzungen: Faltsch Wagoni bescherte dem Publikum im Kurparkschlösschen einen wunderbaren Abend!

P.S.: für Deutschlehrer sollte ein Besuch bei Faltsch Wagoni zum Pflichtprogramm aufgenommen werden: die Schüler werden es danken ... denn, ob der See oder die See – ich seh' das anders!

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