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ImproVaria – Das Theater ohne Text! Das Improvisationstheater des Ammerseer Bauerntheaters Herrsching e.V. verblüfft ein weiteres Mal mit ihrer Schlagfertigkeit

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 12. Mai 2014

(Text/Foto: bg) Improvisationstheater bedeutet, die Schauspieler treten vor das Theaterpublikum und wissen vorher nicht, was geschehen wird. Alles, was auf der Bühne passiert, entsteht aus dem Moment heraus. Kein vorgegebener Text und keine feste Handlung, die man auswendig lernt. Die Themen werden in der Regel vom Publikum vorgegeben und diese Vorschläge von den Akteuren spontan in Szenen umgesetzt. Und so passiert es, dass sich eine Nonne und ein Priester im Wachsfigurenkabinett wiederfinden und der Erfinder mit Hilfe zweier fremder Hände darauf kommen muss, eine „lachende Wühlmausfalle" entwickelt zu haben...

„Sie werden heute 14 – 15 Premieren erleben, die auch so nie wieder zu sehen sein werden!" Mit diesen Worten begrüßte Gerd Neumayer, der Leiter der Herrschinger ImproVaria-Truppe, die zahlreich erschienenen Zuschauer im Andechser Hof. Viele von ihnen hatten noch nie einer solchen Theaterform beigewohnt – und waren entsprechend gespannt, was sie hier erwartete. Seit etwa fünf Jahren gibt es dieses Ensemble und zwei der Darsteller feierten bei dieser Aufführung ihre Premiere – inmitten der ganzen Premieren!
Zu Beginn der Aufführung gab es noch ein paar Erläuterungen. Da man weitgehend ohne Requisiten arbeitet wird so manches vereinfacht: so heißt eine Kette um den Hals, das man eine Frau ist und der Schlips steht für den Mann. Statt Vorhang auf werden die Szenen mit „Improvaria und los!" gestartet und das Ende verdeutlicht eine entsprechende Handbewegung begleitet von der Verdunklung des Raumes. Eine weitere Premiere gab es diesmal in Form der musikalischen Begleitung von Sanni Risch, die gewohnt sicher und einfühlsam die Stücke auf dem Keyboard ausdrucksvoll unterstrich.
Und dann ging es auch schon los: „Freeze" heißt das erste Format, in dem ein Schauspieler den anderen einfrieren lässt, um dann in seine Rolle zu schlüpfen. Es folgte eine Szene, in der drei Darsteller sich mit jeweils einem, zwei oder drei Worten begnügen mussten, um ihre - vom Publikum vorgegeben – Rollen auszufüllen. Die Sechs da oben auf der Bühne kamen immer mehr in Fahrt und auch das Publikum wird in seiner Rolle als Ideengeber immer phantasievoller. Jeweils mit einem „Leckerli" für eine Vorgabe belohnt, wetteifern bald viele darin, es den Darstellern mit ihren Aufgaben nicht unbedingt leicht zu machen. Doch diese parieren mit einer Schlagfertigkeit, die staunen lässt! Wenn Gerd Neumayer und Rebecca Müller-Mannchen im „Kauderwelsch Switch" scheinbar mühelos zwischen hitzigen Wort- und Kauderwelschgefecht wechseln und Klaus Maier die Lachsalven des Publikums als Kaninchen, Transvestit oder Vampir auf sich zieht, bleibt die Ver- (Be-) wunderung im Saal, wie man so schnell auf solche Ideen kommen kann! Großes Gelächter auch, wenn Petra Ziegler als „Hände" der Erfinderin Rebecca Müller-Mannchen versucht, sie auf die Spur ihrer bahnbrechenden Erfindung zu bringen – denn diese musste den Saal verlassen, als die Zuschauer sich auf die „lachende Wühlmausfalle" einigten...

Improvaria 2

Wie stellt man wohl mit zwei Händen dem anderen Körper eine „lachende Wühlmausfalle" dar?!

In der Pause gab es Gelegenheit, weitere Ideen mit Hilfe kleiner Zettel auf die Bühne zu streuen – und so mussten dann Monika Jäger und Klaus Maier aus Szenenvorgaben wie „Hippie", „Einkommenssteuer", „Geschlechtsumwandlung", u.a.m. eine Premiere basteln, die in dieser Form ganz bestimmt nicht mehr aufgeführt wird! Das Ensemble arbeitete perfekt und mit sichtlichem Spaß zusammen. Man gab sich gegenseitig Impulse, packte dem Kollegen aber durchaus ein wenig schadenfroh kleine Erschwernisse mit in die Rolle.
Überaus gelungen gestaltete sich auch die Zusammenarbeit mit Sanni Risch. Gefühlvoll untermalte sie die Szenen musikalisch und schaffte es dadurch, ihre Bedeutung nochmal zu unterstreichen. Ob traurig, lustig, schaurig oder unwirklich – scheinbar mühelos improvisierte sie immer die passende Untermalung dazu. Besonders zum tragen kam dies bei einem Stummfilm-Format, in dem sie gekonnt die Worte durch Töne ersetzte.
Und so war es am Ende ein rundum gelungener Abend dieses so eigenen Theaterspiels. Jeder einzelne der sechs Ensemble-Mitglieder fand immer besser in die ihm zugewiesenen Rollen hinein und füllte sie mit viel Spontanität, Schlagfertigkeit und Phantasie aus. Sie reagierten gekonnt aufeinander und zeigten darin eine enorme Flexibilität.
Eine „offizielle" Anerkennung ihrer Leistung haben sie kürzlich auch erhalten: Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Bayrischen Amateurtheaterverbandes wurden sie eingeladen, mit ihrem Ensemble aufzutreten!

Improvaria 3

Begeisterter Applaus belohnte die Mitglieder des ImproVaria-Ensembles am Ende der Vorstellung. V.l.: Klaus Maier, Petra Ziegler, Rebecca Müller-Mannchen, Monika Jäger, Gerd Neumayer und Eva Möll

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