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Der bedeutende indische Autor, Produzent und Journalist Uday Prakash zu Gast bei der Indienhilfe - Cornelia Zetsche vom Bayrischen Rundfunk und der Schauspieler Johannes Steck begleiten eine eindrucksvolle Persönlichkeit durch diesen spannenden Abend

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 19. Mai 2014

(Text/Foto: bg) Uday Prakash hatte schon eine kleine Odyssee hinter sich, bevor er sich zwischen der Indienkennerin und Literaturredakteurin des Bayrischen Rundfunks, Cornelia Zetsche, und dem Seefelder Schauspieler und bekannten Hörbuchsprecher Johannes Steck niederließ. Aus Amerika kommend hatte er dort den Flug verpasst, es gerade noch rechtzeitig zu seiner Lesung in Freiburg geschafft – von hier ging es zum Christoph-Probst Gymnasium, wo er vor den 10. Klassen sprach und jetzt am Abend schließlich bei der Indienhilfe. Aber das alles schien ihm nichts auszumachen: Uday Prakash war präsent und vermittelte den Zuhörern einen Einblick in wirklich hochkarätige Literatur und gleichsam in die politische/soziokulturelle Situation Indiens.

Uday Prakash wurde 1952 in einem kleinen Dorf des indischen Bundesstaats Madhya Pradesh geboren. Obwohl seine Eltern früh starben, schaffte er den Weg nach Dehli, um dort Hindi-Literatur zu studieren. Als Auslöser für seine Liebe zur Dichtung gibt er das Vorbild seiner Mutter an: sie hatte als Sängerin ihre Lieder in wunderschöner Handschrift niedergeschrieben und illustriert und das hätte ihn schon als Kind zum „Geschriebenen" hingezogen. Er schreibt seine Bücher auf Hindi: „Auf Englisch kann ich nicht träumen, also ist das nur meine Arbeitssprache" Auch Hindi ist nicht seine Muttersprache und Prakash verweist in diesem Zusammenhang auf die vielen Tausend Sprachen in seinem Land, die größtenteils von der Regierung nicht anerkannt werden. Genauso wenig wie Hindi, eine Sprache die mehr als 700 Millionen Menschen sprechen, von der UN nicht anerkannt wird.
Nach dem Studium arbeitete er einige Jahre für die örtliche Kulturverwaltung, bevor er sich dem Journalismus zuwandte. Viele seiner Romane, Gedichte und Essays wurden in zahlreiche Anthologien aufgenommen und inzwischen auch in verschiedene europäische Sprachen übersetzt. Ins Deutsche übersetzt sind vier Romane, die alle einen politischen und sozialkritischen Hintergrund haben. In atmosphärisch geballter Dichte schreibt er fast wütend gegen Korruption, soziale Ungerechtigkeit, das Kastenwesen und menschliche Arroganz. Er nennt sich selber apolitisch („Politik hat etwas mit Macht zu tun und Schriftsteller sind machtlos") – und schreibt doch hochpolitisch. Er beklagt, dass Indien immer wieder als kommende Macht neben China gestellt wird – und man dabei vergisst, dass es sich dabei nur um einen kleinen Prozentsatz der Bevölkerung handelt. Noch immer gehört Indien zu den ärmsten Nationen der Welt, in dem jährlich 1,7 Mio. Kinder an Unterernährung sterben. Prakash verweist auch auf die so verbreitete Kinderarbeit, die diesen die Kindheit nehmen. Er spricht hier von „alten Kindern", die zu früh erwachsen werden müssen und damit auch psychischen Veränderungen ausgesetzt sind.

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Cornelia Zetsche, Uday Prakash und Johannes Steck ließen die Zuhörer durch Gespräch und Lesung eintauchen in dieses große, facettenreiche Land - abseits folkloristischen Beiwerks


Arbeiten müssen auch die Kinder des Protangonisten in seinem jüngsten Roman „Mohandas", aus dem Johannes Steck in seiner ausdrucksvollen Stimme immer wieder Passagen vorliest. Mohandas, ein junger Mann aus niederer Kaste, hatte sein Studium mit Auszeichnung absolviert und mit diesem Zeugnis eine begehrte Stelle in einem Kohlebergwerk bekommen. Doch als er die Arbeit antreten will, hat sich ein anderer Mann seine Identität geklaut und die Stelle angetreten. Mohandas kehrt in sein Dorf zurück und lebt dort gebrochen in bitterer Armut, da er auch seine kranken Eltern unterstützen muss. Seine beiden Kinder müssen schon mitarbeiten und der Hinweis, dass der Sohn ein hochbegabter Schüler sei, entlockt ihm keine Reaktion. Erst nach einigen Jahren rafft er sich auf und fängt an für sein Recht zu kämpfen.
Uday Prakashs bildhafte Sprache und die ausdrucksstarke Lesung durch Johannes Steck nahmen die Zuhörer vollkommen gefangen. Seine Schreibweise erinnere an Brecht meinte Cornelia Zetsche und der Autor bestätigte ein großer Fan von ihm zu sein. Er will die Leser in seine Geschichten eintauchen lassen, um sie dann doch plötzlich wieder in die Rolle des außen stehenden Betrachters zu verweisen. Immer wieder erscheinen Hinweise auf aktuelle Ereignisse in den Erzählungen, um sie auf die Jetztzeit der Geschichten hinzuweisen.
Und so war dieser Abend beides: die Lesung eines Autors, der in seiner Sprachgewalt und Botschaft nicht von ungefähr zu den bedeutendsten Autoren Indiens gehört. Aber auch ein Abend, der dem Publikum viele Facetten dieses riesigen Landes näher brachte. Geschickt moderiert und übersetzt von Cornelia Zetsche ging es z.B. auch um die politische Lage des Landes kurz vor der Wahl. Indien, eine Atommacht, die größte Demokratie der Welt und bislang eine säkulare Insel in Südasien erlebte inzwischen die Wahl eines Hindu-Fanatikers, dessen politische Richtung Prakash mit Sorge erfüllt. Eine Demokratie, dessen Opposition so zerstritten ist, dass „wir Schriftsteller die einzige Opposition sind, indem wir über die Wahrheit schreiben." Einem Land, in dem Beamte die eigentlichen Herrscher sind und ohne Kontakte eigentlich nichts läuft.
Mohandas findet am Ende doch noch einen Richter, der für ihn eintreten will – doch für Indien prognostiziert Uday Prakash eine der schlimmsten Phasen, die das Land je durchlebt hat.

Indienlesung 1

Am Büchertisch des Eine-Welt Ladens der Indienhilfe konnten die Werke von Uday Prakash u.a. namhaften indischen Autoren erworben werden

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