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„Dummheit und ihre vielen Gesichter“ … dumm, wer diesen Abend mit Josef Kraus im Rahmen der Vorträge vom Freundeskreis der Akademie Tutzing verpasst hat!

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 22. Juli 2014

(Text/Foto: bg) Wenn man bedenkt, dass die Spitzmaus prozentual zum Körpergewicht mehr Gehirnmasse besitzt als der Mensch, so können hier schon erste Zweifel wachsen. Von der absoluten Masse will ich lieber ganz schweigen – denn hier stechen Pottwal oder Elefant den Menschen um das Vielfache aus... Sind wir also dumm?
Einen Vortrag über Dummheit zu halten klingt nach einem interessanten Unterfangen - und wird doch durch die humorvolle und fantasiereiche Herangehensweise von Josef Kraus, Oberstudiendirektor einer „Dummenverhinderungsanstalt" (Gymnasium), ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Diplompsychologe und Buchautor - zu einer überaus spannenden und anregenden Angelegenheit!

„Über Dummheit eine Rede zu halten ist eine gewaltige Dummheit" meinte Joachim Kraus einleitend, denn das setze voraus, dass man selber nicht dumm ist und „das wiederum bedeutet ganz klar: man ist dumm!"
Joachim Kraus ist zur Zeit in den Medien sehr präsent. Als leidenschaftlicher Verfechter des G9 und Autor des vielzitierten Buches über die „Helikopter-Eltern" ist er auf zahlreichen Talkshows unterwegs und wird häufig um seine Stellungnahme gebeten. Er glaube nicht, dass die Schüler einem G8 nicht gewachsen seien, vielmehr fürchte er um die Qualität des bayrischen Abiturs und sozialen Reife der Absolventen.

Dummheit 1

Mit Oberstudiendirektor Josef Kraus hatte Frau Prof. Renate Lanius im Rahmen der Vortragsreihe des evangelischen Freundeskreis Tutzing mal wieder einen hervorragenden Redner geangelt, der im vollbesetzten Gemeindehaus einen hervorragenden Diskurs über die Dummheit hielt

„Alle 10 Jahre verdopple sich das Wissen der Menschheit" – sagt man und „das die Menschheit noch nie so klug war wie heute". „Aber", so meinte Kraus nachdenklich, „wird die Summen menschlicher Dummheiten auch nicht gerade kleiner" wenn er sich die Welt so betrachte und so folgert er, „dass die Dummheit der Intelligenz dicht auf den Fersen bleibt". Betrachte man die Sache von anthropologischer Seite aus, so hätte sich an der genetischen Grundausstattung und Größe des Gehirns seit den Neandertalern kaum etwas getan: „Hirnmäßig sind wir also nicht schlauer als die Urzeitmenschen!"
Und wie sieht der Zusammenhang zwischen Dummheit und Sex aus? Vom „Hirn, das in die Hose gerutscht ist" sprechen wir gerne und wirklich zeigen Statistiken hier eine direkte Korrelation: je dümmer, desto häufiger – je klüger, desto seltener. Man denke nur an Kant und Schopenhauer, die sich beide nicht gerade durch ihre Frauenliebe hervorgetan haben! Überhaupt drücke die niedrige Reproduktionsrate Deutschlands doch klar aus, das wir ein Volk der Dichter und Denker sind... Allerdings müsse für den Erhalt von Akademikern jeder männliche Akademiker mit zwei weiblichen Pendants aktiv werden, um hier die nochmals niedrigere Geburtenrate von 0,6% wieder auszugleichen!
Überhaupt: Frauen und Männer – beide besitzen ca. 20 Milliarden Gehirnzellen und bei beiden nimmt das Gewicht der Gehirnmasse im zunehmenden Alter stetig ab. Unterschiede aber gibt es bei der Chromosomenverteilung: hier besitzen die Frauen mit zwei X-Chromosomen - der Basis für die Intelligenz - nachweislich eines mehr als die Männer... Und auf dem Männerdominanten Y-Chromosom wurde trotz intensivster Forschung noch kein Intelligenzrezeptor gefunden... Ansonsten verwendet Josef Kraus die Begriffe „Flutlicht" zur Beschreibung des weiblichen Gehirns, welches weitläufiger einbindet und mehr gefühlsmäßig und kommunikativ agiert. Das männliche Gehirn würde stärker fokussieren und sich als „Spotlight" auf Einzelheiten konzentrieren.
Nach diesem Exkurs in die Humanbiologie nimmt Kraus auch noch die Zoologie ins Visier. Viele Tiernamen stünden hier als Synonym für die Dummheit und das wäre oft nicht gerechtfertigt. Auch z.B. eine Kuh sei nicht so dumm wie man sagt, denn diese „hört zumindest auf zu trinken, wenn sie keinen Durst mehr hat!" Auch bei der Auswahl ihre Hordenführer würden Tiere nicht auf Mittelmäßigkeit bauen und das könne man bei den Menschen wahrlich nicht behaupten.
Von der sprachlichen Seite aus gesehen fiele auf, dass es für die Dummheit ungleich viel mehr Synonyme gäbe als für klug – und rattert eine ganze Palette davon herunter. „Dummheit drängt sich vor, gesehen zu werden" zitierte Kraus noch Kant und sie träte oft mit ihren drei Schwestern auf: mit der Eitelkeit („Dummheit und Holz wachsen aus einem Holz"), der Geschwätzigkeit („Masse statt Inhalt" oder „verbale Inkontinenz") und der Schamlosigkeit, die gerade in den Medien verbreitet sei.
Für einen Ausflug zum Thema Politik und Dummheit „reicht der Abend leider nicht" und so schließt Josef Kraus seinen hervorragenden Vortrag mit dem Appell zur Intoleranz gegenüber der Dummheit. Mit scharfen Worten geht er hier nochmal auf die Schulpolitik ein, deren jüngste Reformen wie Rechtschreibreform und die Umstellung auf G8 gezeigt hätte: „Ein Land, das solche Sachen möglich macht braucht keinen Pisa-Test!" Dummheit als Motor der Wirtschaft und als Gefahr, wenn sie mit Fanatismus gepaart ist.

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." (Albert Einstein)

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