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2. Nachtkonzert in der Erlöserkirche - Josef Bierlmeier (Trompete) und Christa Edelhoff-Weyde (Orgel) spielen unter dem Titel „Sehklänge“ ein beeindruckendes Konzert

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 27. Juli 2014

(Text/Foto: bg) „Sehklänge", das deutet auf eine Verbindung von visuellen und auditiven Erlebnissen hin – und wirklich stand im Mittelpunkt des Konzerts ein Werk des tschechischen Komponisten Petr Eben, das dieser unter dem Eindruck von Fenstern einer Jerusalemer Universitätssynagoge geschrieben hat, die von Chagall gestaltet wurden. Dank der an die Kirchenwand projizierten Bilder konnten die Zuhörer die Verbindung des zeitgenössischen Musikers nachvollziehen – oder ganz eigene Assoziationen entwickeln.

Die Nachtkonzerte haben in Herrsching schon Tradition – und trotzdem ist es eine ungewöhnliche Anfangszeit für ein klassisches Konzert. Aber vielleicht genau die richtige Stimmung für zwei so so klangvolle Instrumente wie Orgel und Trompete. Das erste Stück von Bruce Steane ließ einen ankommen in der evangelischen Erlöserkirche und erstmal den Alltag hinter sich lassen. Josef Bierlmeier, stellvertretener Solotrompeter beim Bayrischen Rundfunk und die in Herrsching schon so lange bekannte Christa Edelhoff-Weyde zeigten schon hier, wie gut sie miteinander harmonieren – und machten Lust auf mehr.
Im folgenden Stück von César Franck zeigte die Organistin ihre Virtuosität und ließ dabei Jürgen Scherer schon mal ordentlich ins Schwitzen kommen, der kaum mit dem Ziehen der Register und Noten-Blättern hinterherkam. Doch dies war noch nichts im Vergleich zu dem, was ihn und die beiden Musiker nun erwartete: Anfang der 60er Jahre war Marc Chagall zu seiner großen Freude beauftragt worden, die Fenster des Klinikzentrums in Jerusalem zu gestalten. Sie vergegenständlichen die 12 Stämme Israels, die nach den 12 Söhnen Jakobs benannt wurden. Bei dem Komponisten Petr Eben (1929 – 2007) hinterließ der Anblick dieser Fenster einen tiefen Eindruck, den er in Musik umsetzen wollte. In jedem der Fenster dominiert eine andere Farbe und für seinen Zyklus wählte Eben vier davon aus:
das blaue Fenster (Ruben), in dem die Wogen des Meeres und Vögel im Himmel auch in der Musik durch aufwühlende und wiederkehrende Wellenbewegungen durchscheinen
das grüne Fenster (Issachar) mit einem liegenden Esel, das harmonischer und leiser beginnt und von Petr Eben als orientalisches Pastorale gekennzeichnet wird. Bierlmeier dämpft hier den hellen Klang seiner Trompete durch den Einsatz verschiedener Trichter und verleiht dem Teil damit einen gedeckteren Charakter.
Das rote Fenster (Zebulon) zeigt den Sonnenuntergang am Meer, über den 2 Fische in hohem Bogen springen. Doch drücken weder das Bild noch die Musik eine Form der Entspannung aus, wie man es bei der Szene vielleicht vermuten könnte. Vielmehr ist sie von einer Ruhelosigkeit gekennzeichnet, die den Musikern (und auch den Zuhörern) viel abverlangt. Mich erinnert dieses „Risoluto e drammatico" an ein Zwiegespräch, das allmählich aus dem Ruder läuft und für dessen Vertonung die Organistin zuweilen ihren ganzen Unterarm auf die Tasten drückt.
Das goldene Fenster (Levi), in dem Tiere der Synagoge in helles, festliches Licht getaucht sind wird durch einen feierlichen Choral eingeleitet, dessen Melodie zwar fortdauert, aber zunehmend unruhiger
und weniger harmonisch wirkt und erst zum Ende hin wieder scheinbar im Einklang ist.
Der „Okna-Zyklus" von Petr Eben ist keine leichte Kost für die Zuhörer. Sie verlangt nach Interpretation und so war es sehr wertvoll, dass man die vertonten Bilder vor Augen hatte und dadurch bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen konnte, was der Komponist in ihnen gesehen hat.
Danach wurde es ruhiger. Christa Edelhoff-Weyde spielte noch ein Stück vom dem jung im Krieg gefallenen, französischen Komponisten Jehan Alain. Und zum Schluss dann noch eine „Erholung" für die Ohren: der „Gammal fäbodpsalm" von Oskar Lindberg rundete das wirklich beeindruckende Konzert wunderbar ab und gab dem Publikum eine Melodie mit nach Hause, die sicher bei vielen noch lange nachklang.

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