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Herrschings Wartaweil bekommt ein neues Schmuckstück

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 29. August 2014

(Text/Foto: hd) Jahrelang stand das Schild nahezu ungeachtet auf dem Gelände des Naturschutz- und Jugendzentrums Wartaweil. Die Jahre haben stark an ihm genagt, doch jetzt wird es aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Das alte Ortsschild der Gemeinde Wartaweil wird fachmännisch restauriert. Und das aus gutem Grund. Es gehört nämlich zur Geschichte des Herrschinger Ortsteils. „Das Schild steht im Park der alten Villa Habersack, dem ältesten Haus in Wartaweil. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und die Dame, der die Villa früher gehörte, vermachte sie dem Bund Naturschutz", berichtet Barbara Blankenburg, Mitglied im Verein für Archäologie und Geschichte Herrsching. Sie wurde von Karl Strauß vom Heimatverein Erling darauf aufmerksam gemacht, dass es das Ortsschild gibt. Bis dahin haben es zwar die Mitglieder des Naturschutz- und Jugendzentrums gewusst, sich aber keine Gedanken darüber gemacht. Kurz darauf kümmerte sich der Verein für Archäologie um das Thema. „Für uns war schnell klar, dass wir es restaurieren lassen wollen", so Blankenburg.

Der Verein setzte er sich mit dem BUND Naturschutz und der Gemeinde Herrsching in Verbindung und bot an, das Schild restaurieren zu lassen. Sie waren von der Idee begeistert, und nun werden die Firmen Metallbau Drexler (Herrsching) und Farbe+Glas Darchinger (Herrsching) mit den Arbeiten beauftragt.

Da der Verein gemeinnützig ist, hat er aber kein eigenes Geld und musste Sponsoren suchen. Diese sind nun gefunden. Die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten übernimmt der Bayernbund. Dies hat Harald Schwab, Vorsitzender des Kreisverbands Fünfseenland, dem Vorsitzenden des Vereins für Archäologie und Geschichte Herrsching Wolf-Dietrich Hoefer zugesagt. Bei der Demontierung des Schildes waren vom Kreisverband des Bayernbunds der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Stumbaum und Schatzmeisterin Ingrid Frömming anwesend. Während die Tafel in der Werkstatt bearbeitet werden kann, muss der Pfosten vor Ort restauriert werden, denn er hat einen tiefen Riss. Die Experten schätzen, dass die Arbeiten bis September beendet sind. Die wiederhergestellte Tafel soll anschließend der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der BUND Naturschutz plant auf dem Gelände einen Park, sodass die Tafel in Zukunft öffentlich zugänglich sein wird. S

Die historische Ortstafel von Wartaweil muss in der heutigen Form nach 1902 entstanden sein, da auf ihr das 1902 eingerichtete Bezirksamt Starnberg erwähnt wird. Das gusseiserne Schild ist insgesamt ca. 2,8 m hoch und besteht aus einem Pfosten und einer Tafel von ca. 88 x 60 cm. Es ist weiß und blau angestrichen. Der jetzige Zustand ist bedenklich, da überall die Farbe abblättert und das Eisen rostet. Außerdem hat der Pfosten mindestens einen Riss, der fachmännisch gerichtet werden muss, da er sonst durchrosten könnte. Es ist geplant, die Tafel zum Zweck der Restaurierung abzumontieren und den Pfosten vor Ort zu restaurieren. Die Ortstafel befindet sich vermutlich noch am ursprünglichen Standort. Vor gut hundert Jahren stand sie wie ihre Vorgänger an der damaligen Distriktsstraße, die einige Meter unterhalb der heutigen Straße von Herrsching nach Fischen verlief. Damals gab es jeweils nur eine Ortstafel, die in der Mitte einer Siedlung angebracht wurde. Sie diente dem durchziehenden Militär zur Orientierung, daher nannte sie neben dem Ortsnamen auch die militärischen Verwaltungseinheiten wie z.B. das Hauptmeldeamt. Diese Art von Tafeln wurde mit dem Ende des Königreichs Bayern abgeschafft. Sie wurden fast alle abmontiert und durch neuartige Schilder ersetzt. Hie und da haben sich aber noch einzelne erhalten, meist an versteckten Stellen oder abseits der großen Verkehrswege. Aus derselben Zeit stammen beispielweise eine Ortstafel und ein Wegweiser in Monatshausen oder ein Wegweiser in der Erlinger Mühlstraße. In Herrsching hat sich außerdem noch die Ortstafel von Schloss Ried erhalten, die sich heute in Privatbesitz befindet.

Das Wartaweiler Schild war in Herrsching seit vielen Jahren in Vergessenheit geraten, nur die Mitarbeiter des Naturschutz- und Jugendzentrums Wartaweil wussten von ihm. Der Herrschinger Fotograf und Autor Hans Radl besaß ein Foto davon, das in seinen Bildbänden über Herrsching abgedruckt ist. Auch der ehemalige Kreisheimatpfleger Gustl Empfenzeder brachte das Bild 1978 in seiner „Geschichte der Ammersee-Heimat", beide schrieben jedoch nichts dazu. Im vergangenen Jahr recherchierte Barbara Blankenburg über die Geschichte Wartaweils. Die Ergebnisse von Blankenburgs Forschungen über Wartaweil werden übrigens in der diesjährigen Ausstellung des Herrschinger Archivs präsentiert. Gemeindearchivarin Friedrike Hellerer hat darin Spannendes und Interessantes über die Herrschinger Fischer zusammengetragen. Im Abschnitt über Wartaweil erfährt man Neues und Überraschendes über die Fischerfamilie, die sich dort als erste ansiedelte, und über den Ortsnamen „Wartaweil". Die Ausstellung ist vom 29.08. bis 14.09 im Sitzungssaal des Herrschinger Rathauses zu sehen.

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