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Überfüllte Erlöserkirche am Ewigkeitssonntag

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. November 2014

(Text/Foto: hs) Beim Konzert zum Ewigkeitssonntag unter der Leitung von Birgit Henke war die Herrschinger Erlöserkirche so gut besucht, dass noch extra Stühle herbeigeschafft werden mussten, um zumindest den meisten Besuchern Sitzplätze anbieten zu können. Das Konzert, das die evangelische Kantorei gemeinsam mit Orchester sowie fünf Gesangssolisten gestaltete, kam bei den über 250 Zuhörern so gut an. Viele begeisterte Besucher haben noch eine ganze Weile nach dem Konzert in der belebten Kirche über das Gehörte gesprochen.
Eine Besonderheit: Die Blechbläserinnen und Blechbläser setzten zum Teil historische Instrumente ein, um den Klangcharakter der Musik möglichst originalgetreu zu gestalten.

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Zwei Sänger aus den Reihen der Kantorei sangen die Bassstimmen bei den Solisten: Jörg Stegert (Requiem in c) und Wolfgang Schmidt (Funeral Music) harmonierten wunderbar mit Martina Cabell (Sopran), Elisabeth Schmidt (Alt) und Thilo Himstedt (Tenor).
Der erste Teil des Konzerts, der mit „Hoffnung" überschrieben war, begann mit dem Choral „Wachet auf" von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus dem Oratorium „Paulus". Das von Birgit Henke eigens für das Konzert zum Ewigkeitssonntag komponierte Stück „Leere und Endgültigkeit" folgte und machte die Trauer und innere Leere Hinterbliebener auf eindrückliche Weise hörbar. Statische Streicherklänge und ein Paukenrhythmus, der den menschlichen Herzschlag imitierte, schlugen eine Brücke, die nahtlos in den Bach-Choral „Jesu meine Freude" mündete.
In der folgenden kurzen Begrüßung verband Pfarrerin Angela Smart den Blick zurück, das Gedenken an die Verstorbenen, dem der Totensonntag gewidmet ist, mit der Hoffnung, die sich auf die Zukunft richtet. Ewigkeitssonntag – diese andere Bezeichnung für den Gedenktag steht für die Hoffnung, dass der der Tod nicht alles beendet. „Wenn Musik hilft, die Trauer nach dem Tod von Angehörigen oder Freunden zu ertragen und gleichzeitig die Hoffnung aufrecht zu erhalten, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, dann ist das wunderbar", so Angela Smart.
Es folgte eine dreiteilige Trauermusik, die Henry Purcell 1695 anlässlich des Todes von Königin Maria II. von England komponierte. Anrührend sangen die vier Gesangssolisten über die Vergänglichkeit menschlichen Lebens. Der Chor folgte mit der eindringlichen Bitte, der Mensch möge seinen Glauben auch angesichts des Todes nicht verlieren.
Hauptteil des Konzertes war das Requiem in c von Johann Michael Haydn, dem jüngeren Bruder des heutzutage deutlich bekannteren Joseph Haydn. Michael Haydn arbeitete zusammen mit Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart am Hof des großzügigen Förderers der Musik Fürsterzbischof Sigismund Graf Schrattenbach in Salzburg. Anders als sein Freund und Kapellmeisterkollege Wolfgang Amadeus Mozart unternahm Michael Haydn keine langen Reisen, sondern blieb bis zu seinem Tod in Salzburg. Neben seiner Tätigkeit am Hof von Graf Schrattenbach pflegte er intensive Kontakte zu den umliegenden Klöstern und gilt als einer der bedeutendsten Kirchenmusikkomponisten seiner Zeit.
Das Requiem in c hat er anlässlich des Todes seines Dienstherrn komponiert. Es ist innerhalb kürzester Zeit entstanden: Graf Schrattenbach verstarb am 16. Dezember 1771, am 31. Dezember war das Requiem fertiggestellt. Möglicherweise hat Michael Haydn schon kurz vor dem Tod seines Dienstherrn, der einer kurzen, aber schweren Krankheit erlag, mit der Arbeit an der Totenmesse begonnen. Die Trauerfeierlichkeiten fanden vom 2. bis 4. Januar statt.
Die große „Tiefe und leidenschaftliche Intensität dieser Komposition" (Carus Verlag, Vorwort zum Klavierauszug) mag auch darauf zurückzuführen sein, dass Michael Haydn mit ihr auch den Tod seiner einzigen Tochter verarbeitete, die im selben Jahr kurz vor ihrem ersten Geburtstag starb.
Auch heute, fast 250 Jahre nach seiner Uraufführung, hat das Werk nichts von seiner musikalischen Intensität und Größe eingebüßt.

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