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Rückblick, Ausblick und jede Menge Geschichte - Jahreshauptversammlung des Vereins für Archäologie und Geschichte Herrsching e.V.

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 11. März 2015

(Text/Foto:hay) Die Mitglieder des Vereins für Archäologie und Geschichte Herrsching e.V. blickten bei ihrer Jahreshauptversammlung auf das vergangene Jahr zurück, zogen Bilanz über die Tätigkeiten des Vereins und berieten über kommende Vorhaben.

Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins setzen sich zum Ziel, in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Gemeinde Herrsching, die Geschichte Herrschings und der eingemeindeten Orte zu erforschen. Zudem betreut der Verein die Ausstellung in der Adelskirche und kümmert sich um ihre Erhaltung.
Wie in den letzten Jahren leiteten die Mitglieder im vergangenen Sommer jeden Sonntag und nach Absprache kostenlose Führungen durch den Archäologischen Park mit der Adelskirche im Mitterweg, sie beteiligten sich am Museumstag sowie am Tag des offenen Denkmals. Auch am Willkommenstag der Gemeinde war der Verein vertreten, um über seine Arbeit zu informieren.
Thematisch lagen die Projekte des vergangenen Jahres vor allem im Zeichen von Reparaturen und Ergänzungen. So wurde die Adelskirche behindertenfreundlicher gestaltet, der Verfall durch Restaurationsmaßnahmen aufgehalten und für eine bessere Ausleuchtung der Ausstellungsstücke gesorgt.
Zudem konnte die neu restaurierte historische Ortstafel von Wartaweil im Oktober auf dem Gelände des BUND eingeweiht werden.
Auch für das kommende Jahr sind einige Projekte in Planung: so soll unter Anderem die Außenanlage des Archäologischen Parks neue Elemente erhalten.
Die engagierten Vereinsmitglieder treffen sich monatlich um sich auszutauschen, neue Projekte zu besprechen und über die spannende Geschichte Herrschings zu diskutieren.

 

Archäologie5

Auch an diesem Abend folgte auf den Pflichtteil der Jahreshauptversammlung noch ein Vortrag des Vereinsmitglieds Heribert Nehyba, der anhand einiger Fundstücke über Tabakpfeifen aus Ramsee und Andechs berichtete.
Der passionierte Heimatforscher hat neben zahlreichen Tonscherben eine Reihe von Pfeifenfragmenten im Gebiet des verschwundenen Ortes Ramsee zwischen Wartaweil und Andechs gefunden und einiges über sie und die Geschichte des Tabakkonsums in Bayern in Erfahrung gebracht, über das er in einem interessanten Vortrag berichtete.
Ab dem 16. Jahrhundert wurde Tabak, zunächst in botanischen Gärten, angebaut und hatte vor allem eine medizinische Bedeutung. Das „Tabaktrinken" sollte gegen allerlei Krankheiten helfen. Im Zuge des 30-jährigen Kriegs wurde der Tabakkonsum dann, ausgehend von England, über Holland populärer, worauf schnell von staatlicher Seite reagiert wurde. 1652 wurde der Konsum verboten und ab 1656 der Handel nur noch Apotheken gestattet. Selbstverständlich hatte das damals nicht wie heute gesundheitspolitische Gründe, sondern die vom Rauchen ausgehende Feuergefahr war Anlass zum Verbot. Gleichzeitig war die Handelspolitik vom Merkantilismus geprägt, der die Einfuhr ausländischer Produkte, wie den Tabak, eindämmen wollte um die heimische Wirtschaft zu fördern. Doch schnell erkannte man den Vorteil, den eine Einfuhrerlaubnis mit sich brachte und schwenkte von einem Verbot auf eine Besteuerung von 70% um. Daraufhin wurde vermehrt auch in Bayern Tabak angebaut. Ein staatliches Monopol zum Tabakverkauf wurde bis 1745 aufrecht erhalten.
In der Neuzeitarchäologie spielen Tonpfeifen zum Tabakkonsum eine besondere Rolle. Da nicht nur der Tabak, sondern auch die Pfeifenherstellung staatlich monopolisiert war, lassen sich die Pfeifen dank der Stempel der jeweiligen Monopolpächter zeitlich sehr gut einordnen. Zudem hatten die zerbrechlichen Pfeifen eine kurze Nutzungsdauer, wodurch ein Raucher etwa zehn Stück pro Jahr verschliss.
In Andechs und dem Kiental fand Heribert Nehyba 27 Fragmente, die von mindesten 21 Pfeifen stammen und im Gebiet von Ramsee vier weitere Stücke. Einige davon brachte er zur Begutachtung mit.
Darunter ein ganz besonderes Schmuckstück auf das der Finder stolz sein kann.
Die Beschaffenheit der nur leicht beschädigten Gesteckpfeife ist für Mittel- und Westeuropa sehr untypisch, um so interessanter aber, wie diese Pfeife ausgerechnet nach Ramsee kam.
Nach ausgiebiger Recherche fand Heribert Nehyba in einem Fundbericht aus Österreich die Abbildung einer sehr ähnlichen Pfeife. Diese Parallelpfeife stammt von Ausgrabungen im Stadtpalast des Prinzen Eugen von Savoyen in Wien. Auch von österreichischer Seite wurde die Pfeife aus Ramsee von den Experten als ein Fundstück von „allerhöchster Qualität, großer Seltenheit und feinem Dekor speziell hergestellt für österreichisches Militärpersonal obersten Ranges" eingestuft. Wie die Offizierspfeife nach Ramsee kam, darüber kann nur spekuliert werden. Möglicherweise hat sie ein Ramseer Bauernsohn, von dem bekannt ist, dass er während der österreichischen Besatzung Bayerns zur Zeit des Erbfolgekriegs von 1742-1745 Berufssoldat war, mit nach Hause gebracht.
Heribert Nehyba beeindruckte seine Zuhörer durch das fundierte Fachwissen, das er sich zum Thema Tabakpfeifen angeeignet hat und ließ die Geschichte durch viele Anekdoten lebendig werden.

 

 

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