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Alles Ente oder was? Der Kulturverein bringt mit den „Entenvariationen ein nicht alltägliches Theaterstück auf die Bühne

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 21. März 2017

Ein Entenrennen war schuld am Enten-Theater. Man war auf der Suche nach einem Stück für das neugegründete „Theater an der Würm" und da beobachtete Mitbegründer Hans Zacherl ein Wettrennen bunter Gummi-Enten. Von da war es für ihn nur ein logischer Schritt, die „Entenvariationen" von David Alan Mamet auf die Bühne zu bringen. Denn vieles sprach dafür: fast keine Requisiten werden benötigt, kaum Platz und ein zwei-Personen-Stück für zwei Darsteller. Ideal für einen Theaterverein, der ganz am Anfang steht und über kein Haus und fast keine Materialien verfügt. Und außerdem ein Stück ist, das zwar kurz ist und eigentlich keine Inhaltsangabe zulässt – aber dennoch nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Der amerikanische Autor David Memet ist auf den ersten Blick eher unbekannt in Deutschland. Er schrieb eine Vielzahl an Bühnenstücken bis er mit der Adaption von „Wenn der Postmann zweimal klingelt" Berühmtheit erlangte. Sein sprachlicher Stil ist ungewöhnlich und lebt von schnellen Dialogen, die viel Aufmerksamkeit verlangen. Und die zu lernen „der pure Horror war", wie die beiden Protagonisten Hans Zacherl und Herbert Hanko unisono beteuern. Kurze schnelle Sätze wechseln sich ab mit langen Monologen und einem sich ständigen ins Wort fallen. Da wird philosophiert, nüchtern betrachtet und am Ende doch alles wieder in Frage gestellt. Da wird gelacht und doch gleich darauf wieder zum Nachdenken angeregt.

Enten Theater 1

Hans Zacherl und Herbert Hanko vom neugegründeten Theater an der Würm philosophierten gemeinsam oder auch gegeneinander über Enten – und was die Welt sonst noch bewegt.

Und um was es in diesem Stück ging? Das nun wiederum ist schwieriger zu beantworten. Um Enten, das ist einmal klar. Doch stehen diese Enten für vieles andere da im Leben. Sie sind gleichzeitig die Gejagten und die Jäger. Sind allen Wetterkapriolen, ihren Feind dem Blaureiher und auch dem Discounter ausgesetzt. Sie leiden unter der menschgemachten Verschmutzung der Stratosphäre und sterben schließlich an Lungenkrebs – wenn sie nicht der Jäger schon davor erschießt. Und empfinden auf dem Totenbett kein Gefühl von Schuld oder Reue, wie es dem Menschen auferlegt ist. Also doch eine glückliche Ente?
Über all diese Themen sprechen zwei ältere Herren auf einer Parkbank am See sitzend. Ausgehend von ihren Beobachtungen dort versuchen sie die Welt zu erklären, oder gar zu verstehen. Der eine mit sich hadernd und leicht misanthropisch veranlagt und der andere beständig ein wenig belehrend. Dem Streit darüber folgt die Versöhnung. Und bei der Erklärung der Welt landen sie schließlich bei den alten Griechen. So weit alles klar? Und wenn nicht, ist das auch egal, hat es doch einfach richtig viel Spaß gemacht, diesen beiden begnadeten Darstellern durch das Stück zu folgen. Ihre ausdrucksvolle Mimik zu beobachten und in den Dialogen so viel zu entdecken. Und am Schluss nicht mehr zu wissen, ob es zu Ende oder Ente ist.

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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