lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo haarer-echo mooskurier

Rock im Regen - Trotz des eher kleinen Publikums gaben die jungen Künstler beim "Battle of Bands" alles

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 19. Juli 2017

Stell dir vor, es gibt einen Kampf und keiner macht mit..., so oder so ähnlich könnte wohl das Motto des diesjährigen „Battle of Bands" lauten. Denn, anders, als der Name, der von den Veranstaltern beibehalten wurde, suggeriert, war das „Battle" diesmal gar kein Wettbewerb. Die Künstler, die sich angemeldet haben, seien so unterschiedlich, dass es wenig Sinn gemacht hätte, sie einem direkten Vergleich auszusetzten, weshalb der Jugendbeirat entschieden hatte, die traditionsreiche Veranstaltung in diesem Jahr nicht als Wettbewerb zu inszenieren, berichtet Gemeindejugendpfleger Christian Kreilkamp. Stattdessen sollte den jungen Künstlern einfach eine Bühne bereitet werden, auf der sie sich frei von jedem Konkurrenzdruck präsentieren konnten. Bei den Musikern kommt das neue Konzept fast ausnahmslos gut an und auch der Stimmung tut die Entscheidung sicherlich keinen Abbruch. Ohne Vorbehalt können sich die Bands so gegenseitig feiern - mehr Jam-Session unter Freunden, weniger Kampf um den Sieg.

Einziges Manko des Abends sind vielleicht die Besucherzahlen. Etwa hundert Gäste zählten die Veranstalter, und damit weit weniger, als noch im vorangegangenen Jahr. Schuld daran kann eigentlich nur das schlechte Wetter gewesen sein – an der Qualität der Interpreten jedenfalls lag es wohl kaum. Neben ganz jungen Talenten, die sich an diesem Abend teilweise das allererste Mal dem Scheinwerferlicht stellten, zeigten etwa auch die Gewinner des letzten Jahres, Alternative/Grunge Band „Fuun", sowie Jakob Mühleisen, den man mittlerweile beinahe als lokale Größe bezeichnen könnte, auf der legendären Busbühne, was sie können.
Den Anfang machte der 15-jährige Finn Schindler, der mit seiner speziellen Art des Gitarrenspiels für Aufsehen sorgte. Erst vor zwei Jahren hat der Schüler aus Berg auf Youtube den „Fingerstyle" für sich entdeckt, eine Spieltechnik, bei der auf der Akustikgitarre einzelne Seiten angeschlagen werden, sodass mit nur einem Instrument mehrere Stimmen bedient werden können, bis der Eindruck entsteht, eine ganze Band sei zu hören. Die Virtuosität, die der junge Künstler darin in so kurzer Zeit entwickelt hat, ist wirklich beeindruckend. Würde man es nicht mit eigenen Augen sehen, glaubt man kaum, dass die zarten, wunderschönen Interpretationen moderner Hits, wie etwa „Stiches" von Shawn Mendes oder „Closer" von den Chainsmokers, die als Untermalung für die atemberaubende Kulisse des - zu diesem Zeitpunkt noch in der Sonne glitzernden Ammersees kaum geeigneter sein konnten, von einem einzigen, etwas schüchtern dreinschauenden Jungen und seiner Westerngitarre herrührten. Mit ruhiger Gitarrenmusik ging es dann auch weiter – nur mit der Schüchternheit war es erst einmal vorbei, als Jakob Mühleisen die Bühne betrat. Eigentlich wollte der 16-jährige Singer-Songwriter nur mit seiner Band „A Story for Reflection" auftreten, erklärte sich dann aber spontan bereit, zusätzlich mit einer Soloperformance für die ursprünglich angekündigten „Beyond Brightness" einzuspringen, die ihren Auftritt kurzfristig absagen mussten. Von Anfang an hatte Jakob das Publikum voll im Griff. Trotz eines heftigen Wolkenbruchs während des Auftritts von „A Story for Reflection", wird die junge Indieband gefeiert, und Jakob, der auch schon vor mehr als tausend Zuhörern in der Halbzeitpause eines Spiels des Herrschinger Volleyballclubs GCDW auf der Bühne stand, ist am Ende vollends zufrieden. Wie viele Leute da sind, sei eigentlich egal, solang man merkt, dass alle Spaß haben und mitfeiern, stellt er fest, und eilt dann mit seinem Bandkollegen Maxi Aldinger gleich zum nächsten Auftritt auf dem Sommerfest der Realschule.

 

Battle of Bands Bild 1

Der erst 15-jährige Finn Schindler begeistert mit seinem „Fingerstyle“

 

Im Anschluss wurde es erst einmal laut. Obwohl ihr Sänger gesundheitlich etwas angeschlagen war, überzeugten „Hybrid Maniac", die erst im April das erste Mal gemeinsam auf der Bühne standen, mit soliden Coverversionen von Punk und Rock-Klassikern von Greenday über Papa Roach bis Three Days Grace. Auf die fünf Jungs aus Germering und Breitbrunn folgte schließlich die Gewinnerband des letzten Jahres, „Fuun", die die Bühne jedoch nach zwei Liedern auch schon wieder verließ. Eigentlich hatten sie sich darauf gefreut, an den Seewinkel und auf die Busbühne zurückzukehren, auf der sie letztes Jahr, für sie selbst überraschend, den Sieg davon trugen, und vor allem eine richtig gute Party hatten, berichtet Sängerin Genoveva, aber nachdem der Bassist der Band zu einem wichtigen Termin nach London musste, wollten sie zunächst ganz absagen. Letztlich entschieden sie sich jedoch, auch ohne Bass zumindest zwei Lieder zum besten zu geben, und machten damit auf jeden Fall Lust auf mehr. Als letzter Act stand am späten Abend schließlich noch das Duo „Black Light" auf der Bühne. Es ist ihr erster Auftritt vor einem öffentlichen Publikum, was die beiden ganz offensichtlich nicht völlig kalt lässt. Die ersten Töne klangen demnach auch noch etwas unsicher, doch schon bald gewannen die Musiker an Sicherheit und zogen das Publikum mit ihrem ganz eigenen Sound in den Bann. Als ihre musikalischen Vorbilder nennen Keyboarder und Sänger Felix und Florian, der ihn abwechselnd an Bass und Gitarre begleitet, die Twenty One Pilots und Nirvana. Der, im positiven Sinne, recht eigene Gesangsstil des 16-jährigen Sängers erinnert zeitweise jedoch mehr an Lou Reeds Velvet Underground, von denen die jungen Künstler selbst aber noch nie gehört hatten. Es waren dann auch die beiden, die am Ende die passenden Schlussworte fanden: „Ja, wir sind dann jetzt eigentlich fertig."

 

Für Sie berichtete Marcella Rau

 

Battle of Bands Bild 2

„Hybrid Maniac“ bringen das Publikum mit gelungenen Coverversionen zum rocken

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok