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Herrsching wird um eine zentrale Anlaufstelle ärmer: Das Kino Breitwand schließt seine Pforten

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. April 2018

Von Wehmut und Traurigkeit spricht Betreiber Matthias Hellwig, von einer Ära die hier zu Ende geht und viele Kindheitserinnerungen mit sich nimmt ein Bürgermeister Christian Schiller. „Schade", „nicht vorstellbar", „eine Schande" und viele andere Adjektive mehr sind an diesem Abend zu hören, an dem der 1. Teil des Abschieds vom Kino Breitwand stattfand. Mit dem Film „Cinema Paradiso" schloss sich für die Agenda21- Filmreihe zum letzten Mal der Vorhang. Und am Wochenende darauf mit einem kleinen Kino-Festival samt Musik dann auch für das Programmkino. Und welche Lücke dieses Ende entstehen lassen wird, konnte man an dem enormen Interesse und den Reaktionen der Gäste erahnen.

1949 war es, als auf dem Grundstück des heutigen Edekas, das erste Herrschinger Kino gegründet wurde. 450 Plätze umfasste es und die Bürger nahmen es dankbar und rege an. 1969 dann wurde es für einige Jahre geschlossen, bis es als „Filmcasino" wieder eröffnet und 1999 von Matthias Hellwig übernommen wurde. In diesen zurückliegenden Jahren hat der Kinobetreiber eine wahre Flut von Preisen für sein Programm erhalten, das er an mittlerweile 4 Kinos und regelmäßigen Festivals dem Publikum präsentiert. Doch an Herrsching hängt sein Herz noch im besonderen Maße, wie er freimütig zugibt. Dieses Kino war der Grundstein für seinen Erfolg, er mochte das alte Gemäuer und die Einrichtung. Und doch sah er hier auch ohne die Nichtverlängerung des Mietvertrags keine Zukunft mehr für sich. Ein Kino mit nur einem Saal sei in der heutigen Zeit nicht mehr tragbar, wo jede Woche eine Vielzahl neuer Filme herauskommt und Serien in den Vordergrund drängen. Das Kino an sich wird nicht sterben – davon ist er überzeugt. Wichtig sei es, schon in der Jugend Qualität zu lernen und sich nicht nur von Filmen ansprechen zu lassen, die mit Millionenetat umworben werden. Und mehr Qualitätsbewusstsein wünscht er sich auch von den Filmemachern, denn Kino müsse sich durch eine besondere Wertigkeit von anderen Filmen absetzen, die sich mittlerweile durch Streaming & Co so leicht beschaffen lassen.

Kino 3

Am 21. April schloss das Kino Breitwand in Herrsching mit einer Abschlussfeier der besonderen Art für immer seine Pforten

Und für Qualität der besonderen Art bürgt die Agenda-21-Filmreihe, die 2004 ins Leben gerufen wurde. Martin Hirte steht als Kopf hinter diesen sozialkritischen Filmen, die das Thema der Agenda-21-Gruppe aufgreifen: Umwelt und Entwicklung, Ökologie, Ökonomie und soziale/kulturelle Belange weltweit miteinander in Einklang zu bringen. In mittlerweile 153 Filmen konnten sich die Gäste über die verschiedensten Themen informieren und anschließend mit geladenen Experten darüber sprechen.

 

Kino 1

Für ihren langjährigen Einsatz in der Agenda-Filmreihe dankte Christian Schiller dem Kinobetreiber Matthias Helwig, Elisabeth Kreuz und Martin Hirte

Ob Science Fiction, wie „The Day after Tomorrow", die deutsche Untertitelung des Films "Death by Design" über die gesundheitlichen Auswirkungen der Elektronik-Produktion und viele andere Themen mehr: Martin Hirte stand für die Planung und Organisation, suchte die Referenten und bereitete Filmgespräch und Einführung vor. Matthias Hellwig als Beschaffer der Filme, der auch immer ein Auge auf die Qualität hatte und Elisabeth Kreuz für das Finanzielle und die Werbung: ein eingespieltes Team, das – auch Dank der weiteren Unterstützung durch die Gemeinde – fortan in Seefeld weitermachen kann. „Nicht mehr ganz so häufig" gesteht Martin Hirte ein, denn es wurde ihm neben Arbeit und Familie doch zuweilen etwas viel. Vom Bürgermeister gab es an diesem Abend noch ein sehr herzliches Dankeschön für diesen Einsatz, der das kulturelle Leben in Herrsching so bereichert hat.
Herrsching ohne Kino? Am letzten Tag wurde aus dem Gästebuch ein Kondolenzbuch, welches zeigte, wie sehr viele Menschen an diesem Ort hingen. Mit dem Film „Central Station" hatte die Geschichte des Breitwand begonnen – und mit dem gleichen Film endete die Ära nach 19 Jahren. Das Abschiedsfest mit Filmfestival und Musik machte noch einmal deutlich: hier wird in Zukunft etwas ganz Entscheidendes fehlen in Herrsching.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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