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Zwei Dichter durch die Musik verbunden: Thomas Kraft und Ricardo Volkerts sprechen und singen über die Verbundenheit von Leonhard Cohen und Federico Garcia Lorca.

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 13. Juni 2018

Der Eine ein weltberühmter kanadischer Sänger, von dem nur wenige wissen, dass er über die Dichtung zur Musik gelangte. Und der Andere einer der angesehensten spanischen Poeten, der schon in jungen Jahren von den Faschisten ermordet wurde. Ihre Verbindung? Leonhard Cohen bezeichnete das Werk von Garcia Lorca als seine „Bibel" und den ersten Gedichtband, den er von ihm in der Hand hielt, wurde zu einem Schlüsselerlebnis für sein späteres Leben. Und zu einem Erlebnis der besonderen Art wurde auch dieser Abend mit Thomas Kraft und Ricardo Volkerts, die die Zuhörer mitnahmen auf eine Reise in die Welt dieser beiden außergewöhnlichen Menschen. Durch Informationen und Bilder der eine – und durch die Musik und seine Texte der andere.

Genau an diesem Vortragsabend des 5. Juni vor 120 Jahren wurde Federico Garcia Lorca in Andalusien geboren und fühlte sich bis zum Tod sehr eng mit seiner Heimat verbunden. In einem Großteil seiner Prosa spiegelt sich diese Beziehung wieder, die sich durch eine sehr bildhafte und auch melancholische Sprache auszeichnet. U.a. mit seinen Zigeunerballaden gelang ihm schon früh der Durchbruch zu einer großen Bekanntheit, die er später auch auf Reisen durch Europa, Amerika und Kuba ausbaute. Als Linker und Homosexueller aber geriet er schnell ins Fadenkreuz der Faschisten und wurde von diesen 1936 zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges erschossen.
Wie Lorca wuchs auch Leonhard Cohen in begüterten Verhältnissen auf, die jedoch schon früh durch den Tod des Vaters einen Riss bekamen. Zum Begräbnis seines Vaters schrieb der damals zehnjährige Cohen einen Text, den er mit einer Krawatte im Garten beerdigte. An den Inhalt konnte er sich nach eigenen Aussagen Zeit seines Lebens nicht mehr erinnern und beschreibt alle nachfolgende Prosa als die Suche danach. Der Tod und die Vergänglichkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Texte.

Kraft Cohen 1

Thomas Kraft und Ricardo Volkerts ließen die Zuhörer eintauchen in die Poesie und Musik der beiden Dichter Federico Garcia Lorca und Leonhard Cohen

Als Fünfzehnjährigem dann fällt Cohen ein Gedichtband von Lorca in die Hände und dieses Buch wird zu einem Schlüsselerlebnis in seinem Leben. Es ist diese bildhafte und melancholische Sprache, die ihn in den Bann zieht und durch die „er seine eigene Sprache findet", wie Thomas Kraft den Sänger und Dichter zitiert.
Auch Cohen wählt die berufliche Laufbahn als Dichter ergreift das Medium Musik eigentlich nur, um mit seinen Texten mehr Menschen zu erreichen. Dass ihm dies gelingt, ist unbestreitbar und trotzdem beschreibt ihn Thomas Kraft als einen fortwährend Suchenden, der alleine seinen Weg ging. Drogen, sexuelle Exzesse und andere Eskapaden begleiteten ihn und seiner Musik wird nachgesagt, dass sie Selbstmorde leichter machen.
Treu aber bleibt er in seiner Verehrung für den spanischen Dichter. Seiner 2. Tochter gibt er den Namen Lorca und immer wieder zieht es ihn nach Spanien, wo er Konzerte gibt, Preise empfängt und auch ein herzliches Verhältnis mit der Familie Lorcas pflegt. Ein Gedicht Federico Garcia Lorcas vertont er, wobei die richtige Wortwahl seinem Übersetzer viel abverlangt. „Take this Waltz" ist der Titel – und auch dieses Stück singt Ricardo Volkerts an diesem Abend.
„Ich hätte oft weinen können" meinte eine Zuhörerin am Ende dieses Abends – „so schön war es!" Der Herrschinger Musiker, der sich so sehr den spanischen Dichtern verschrieben hat, ließ durch seine Stimme und Gitarrenklänge vieles des Gehörten lebendig werden. Er brachte ein Stück Spanien in die Räume der Indienhilfe und traf genauso die tiefe – und immer ein wenig traurig klingende - Stimme Cohens.
„Lorca hat mich erzogen und hat mir gezeigt, die Würde des Schmerzes zu verstehen" zitiert Thomas Kraft abschließend den Sänger. Hätten die Beiden sich noch zu Lebzeiten kennenglernt – es wäre wohl eine enge und inspirierende Verbindung geworden.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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