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„Annäherung an ein außergewöhnliches Künstlerehepaar“ - Werke von Lisl und Hans Kreuz beeindrucken viele Gäste in Kurparkschloss und Bauernschule

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 17. September 2019

„So etwas haben wir noch nie erlebt" zitierte die Gemeindearchivarin Dr. Frederike Hellerer die Mitarbeiter vom Bauhof, als sie gerade die 5. Fuhre an Kunstgegenständen vom Haus der Familie Kreuz ins Haus der Bayrischen Landwirtschaft abwickelten. Denn noch nie hatten sie in den Anhängern so viel Kunst transportiert und noch nie erlebt, dass bei einem Abtransport so zahlreicher Gegenstände keine Lücken entstehen. Frederike Hellerer gab zu, von der „unglaublichen Fülle der Kunstgegenstände" überwältigt gewesen zu sein. Alle Exponate zusammen ergäben noch nicht einmal „die Spitze eines Eisberges". Fleißig also war das Künstlerehepaar und schuf dabei so viele beeindruckende und vielfältige Werke. Aber sie waren daneben noch so vieles mehr. Ihr soziales Engagement z.B. verhalf Lisl Kreuz zur Goldenen Bürgermedaille der Gemeinde, des Bayrischen Verdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes. Bürgermeister Christian Schiller empfand daher den Titel dieser Ausstellung auch sehr treffend gewählt: eine „Annäherung", denn ganz erfassen lässt sich das Werk und Leben dieses außergewöhnlichen Ehepaares und ihrer großen Familie nicht – trotz dieser so ausdrucksstarken und gelungenen Ausstellung.

Die Gänge im Haus der Bayrischen Landwirtschaft machen es deutlich: das Ehepaar Kreuz war ein Künstlerpaar mit ungeheurer Schaffenskraft, sowohl was die Menge als auch die Vielseitigkeit betrifft. Aus groben Holz herausgearbeitete Figuren und Kreuze, ausdrucksstarke Büsten und Bilder der vielen Kirchenaltäre und Kreuzgänge, die Hans Kreuz geschaffen hatte. Farbintensive Landschaftsbilder der Ammerseeregion, des Gartens der Familie; feine Zeichnungen, Aquarelle, Scherenschnitte und Schnitzereien von Lisl Kreuz. Und daneben: Tagebuchaufzeichnungen, liebevoll gestaltete Geburtsanzeigen der fünf Töchter, mit Hingabe gestaltete Geschenke, die sie einander machten, und eine handgefertigte Kasse, die lange Zeit immer nur gerade genug zum Überleben enthielt. Denn in den Zeiten der Familiengründung des Ehepaares Kreuz floss Geld für die Kunst noch nicht so üppig und lange Zeit waren sie auf die Hilfe ihrer Nachbarn und Verwandten angewiesen.

Kreuz Ausstellung 1

Christian Schiller bedankte sich bei den Menschen, die diese Ausstellung über das Künstlerehepaar Kreuz ermöglicht hat: Katharina Höniger, Gerd Eisenblätter, Elisabeth Kreuz, Kathrin Kamal und Dr. Frederike Hellerer

Hilfe aber auch, die das Ehepaar Kreuz vielfach zurückgab. Nach dem frühen Tod ihrer Tochter Veronika nahmen sie immer wieder Pflegekinder in ihre große Familie mit auf und hielten das Haus offen für Gäste. Lisl Kreuz engagierte sich später für den Hilfsdienst und MS-Kranke. Sie sammelte Spenden für Bedürftige und half Tochter Elisabeth bei der Gründung der Indienhilfe. Elisabeth war es auch, die jetzt gemeinsam mit dem Kulturverein und der Gemeindearchivarin diese Ausstellung auf die Beine gestellt hat. Die aus den vielen Kunstgegenständen im Haus und darum herum jene Werke mit ausgesucht hat, die hier ausgestellt wurden. „Es sind viele Exponate dabei, die das Verhältnis meiner Eltern zueinander ausdrücken" erzählt sie. Die Büste vom Kopf von Lisl, das Bild, welches sie an seinem Todestag vollendet hat. Die Briefe und Geschenke, die sie einander machten.

Kreuz Ausstellung 4

Die Büste von Lisl Kreuz schuf ihr Mann Hans

In einer Laudatio erzählt der befreundete Maler Gerd Eisenblätter von Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. „Sensibel, hilfreich, neugierig, emphatisch, wach und wertschätzend sind eine Auswahl der Adjektive, die er für seine verstorbenen Freunde wählte. Und auch er ist der Meinung: der Titel „Annäherung an ein außergewöhnliches Künstlerehepaar" ist äußerst treffend gewählt.

Kreuz Ausstellung 3

Die Töchter des Ehepaares Kreuz freuten sich über den regen Zuspruch, die diese Ausstellung über ihre Eltern erfuhr: Birgitt Kreuz, Angelika Kreuz-Kersting, Elisabeth Kreuz und Gudula Leuchtenberg

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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