lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo haarer-echo mooskurier

Wenn Gedanken die Form geben

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. November 2020

Herrschinger Künstlerin Andrea Grütter stellt bis Jahresende in der Rathausgalerie aus

„Freiraum im Kopf" betitelt Andrea Grütter ihre aktuelle Ausstellung im Sitzungssaal des Herrschinger Rathauses. Auf dem Plakat an der Glastüre ist zu lesen: „Eine Ausstellung zu Corona-Zeiten. Der Besuch ist untersagt. Sehen Sie selbst. Oder eben auch nicht." Grütter lässt sich von den widrigen Umständen nicht entmutige: „Mit ein bisschen Optimismus, hängt man seine Bilder trotzdem auf". Und weicht aufs Internet aus! Auf ihrer Website www.freiraum-herrsching.de hat sie alle Bilder beschrieben.

 221119 HS Ausstellung02 P.Schmieder

'Colours of Paint' als Abstandshalter: Ausstellungsorganisator Gemeinderat Hans-Hermann Weinen mit Künstlerin Andrea Grütter. Foto: Schmieder

„Normalerweise gibt es eine Vernissage zur Eröffnung. Und regelmäßige Besuchszeiten. Das ist jetzt beim Lockdown leider alles nicht möglich", bedauert auch Hans-Hermann Weinen, Gemeinderat und Beauftragter für Kultur, Jugend und Sport die Situation. Damit Grütters Kunstauftritt mehr Aufmerksamkeit bekommt, will er während der Ausstellung in der Zeit vom 20. November bis 31. Dezember jeweils freitags und samstags zwischen 17 und 21 Uhr die Beleuchtung im Gemeinde-Sitzungssaal anmachen. So werden vorbeilaufende Bürger auf die Bilder aufmerksam.

221119 HS Ausstellung03 P.Schmieder

Bis auf die Arbeit in der Mitte sind aller Bilder von Andrea Grütter im Coronajahr 2020 entstanden. Foto: Grütter

 

Zum Glück sind sie groß, die fünf Bilder von Andrea Grütter, so dass man sie auch von außen durch die Glasfassade des Sitzungssaals gut erkennt. Für die Künstlerin ist es die erste Einzelausstellung. „so sichtbar war ich noch nie", freut sie sich. Die vier hochformatigen Arbeiten (150 x 40 cm) sind alle aus diesem Jahr und eigens für diesen Raum geschaffen. Rotgelb leuchtet rechts in Acryl „Feuer und Flamme". Daneben hängt ‚Ein Stück Himmel', bei dem die Malerin „immer an schönes Wetter und ein bisschen Brise Ammersee denken muss". In der Mitte findet sich ein Aquarell „Drops an Lines" aus dem Jahr 2014 – ein beschwingtes Abstrakt in Rot-, Grün-, Gelb- und Blautönen. Links davon kriecht eine überdimensionale Schnecke schwarzweiß über die Leinwand. Beim genauen Hinsehen löst sich das Bild auf, man erkennt, dass kleine Schriftzeichen die filigranen Linien aus Bleistift und Permanent-Marker formen. „Der Betrachter taucht beim Lesen in meine Gedankenwelt ein", erklärt Grütter die schier endlos scheinenden Textketten, aus denen sich die Umrisse der Schnecke bilden. Links außen schließt ‚Colours of Paint' die Serie ab, fröhlich bunte Quadrate aus Aquarell und Bleistift. „Mit der Muse war es etwas schwierig dieses Jahr", fasst Grütter die Entstehungsgeschichte zusammen. In einer Zeit, in der es viele bedrückende Ereignisse gibt, sei es nicht einfach nicht bedrückende Arbeiten zu machen. Die Kunsttherapeutin will mit ihrer Kunst jedoch etwas schaffen, „das Gutes ausstrahlt".

Für Grüter ist es „besonders schön, daheim ausstellen zu können". Die 31-Jährige kam im Alter von vier Jahren nach Herrsching und fühlt sich am Ammersee zuhause. Das Malen habe ihr von Kindesbeinen an gelegen, mit elf Jahren machte sie ihren ersten Kurs bei Bildhauer Martin Phieler. Es folgten weitere Ausbildungen bei Maler Hellmut Eckstein in Breitbrunn, der Fachoberschule für Gestaltung in München und schließlich das Studium an der Hochschule für Kunsttherapie in Nürtingen/Baden-Württemberg. Nach den ersten Berufserfahrungen als Kunsttherapeutin in einer psychosomatischen Klinik hat sich Grütter 2018 mit ihrem Atelier ‚Freiraum Herrsching' im Ärztehaus in der Gewerbestraße selbstständig gemacht. Dort leitet sie Malkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und begleitet kreative Selbsterfahrungsgruppen. Vor kurzem hat sie zudem die Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie bestanden. „Jetzt kann ich endlich in der eigenen Praxis therapeutisch arbeiten", freut sie sich. Denn am meisten liebt sie an ihrem Beruf, wenn die Menschen sich über Kunst austauschen und dabei begegnen.

So geht es auch dem Organisator der Ausstellungen im Rathaus. „Mich persönlich interessieren besonders die Menschen dahinter: Was machen die Künstler hauptberuflich? Welches Leben führen sie?", erklärt Hans-Hermann Weinen und baut gleich eine Brücke zur nächsten Ausstellung. Ab Januar wird der ehemalige Schiffsarzt Dr. Burkhard Ziegler Kunst aus aller Welt zeigen. Auch die weiteren Künstler für das Jahr 2021 stehen schon fest: Frau Mertens, Margret Kube und Edgar Pielmeier. Die künstlerische Gestaltung des Gläsernen Sitzungssaals im Herrschinger Rathaus für das kommende Jahr ist also gesichert.

Für Sie berichtete Petra Schmieder

 

221119 HS Ausstellung05 P.Schmieder

 

 

Die Rathaus Galerie ist jeweils freitags und samstags zwischen 17 und 21 Uhr beleuchtet. Foto: Schmieder

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok