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Lange Beine, Eintopf und jede Menge Zivilcourage: Marlene Dietrich in Lied und Text mit Siso Hagen und Friedrich Schloffer

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. Juni 2021

„Ein heiteres und humorvolles Hörvergnügen, im Abgang nachdenklich." So lautete in der Vorankündigung die Kurzbeschreibung dieses Abends, in der Siso Hagen mit ausdrucksvoller Stimme Lieder von Friedrich Hollaender interpretierte und im Wechsel dazu Friedrich Schloffer, Sprecher des Bayrischen Rundfunks, ausgewählte Texte dazu las. Ein Abend auch, an dem die beeindruckende Fotoausstellung Noah Cohens zu Ende ging. Mit Portraits deutscher Juden und ihren Statements über ihr Leben in Deutschland. Bilder, die einen ebenso direkt ansprachen, wie die dargebrachten Lieder und Texte. Ein musikalisch wunderschöner Abend, der durch eine gezielte Auswahl und hervorragend gesprochene Texte aufgewertet wurde – und durch die Fotos im Raum mit ihren sehr deutlichen Botschaften nochmal eine ganz eigene Wirkung bekam.

Die lange Hose mit leichtem Schlag und zarten Nadelstreifen. Darüber das weiße Hemd, lange blonde Haare und eine gut ausgebildete Stimme, die zuweilen einen leicht lasziven Anstrich hat ... aber nein, hier singt keine zweite Marlene Dietrich, sondern Siso Hagen, begleitet von Katja Brandl am Klavier. „Eigentlich" sei sie klassischer Sopran im Chor, erzählt sie lachend. Aber dann kam Corona und der Chor durfte nicht üben – und anstelle gar nicht zu singen, doch lieber solo, so ihr Gedanke. „Zumindest ein Pluspunkt für Corona" möchte man an dieser Stelle sagen, denn ihre Stimme verträgt sich mit Solo ausgesprochen gut!

Marlene 2

„Eine Reise in Ton und Bild" – durch das Leben Marlene Dietrichs erlebten die Zuhörer im Kurparkschloss, die eindrucksvoll von den Fotografien Noah Cohens über Jüdisches Leben in Deutschland flankiert wurden. Katja Brandl (am Klavier), Friedrich Schloffer und Siso Hagen


Mit harmonisch abgestimmter Klavierbegleitung sang Siso Hagen von den Männern, die sie umschwirren wie Motten das Licht – „und wenn sie verbrennen, dafür kann ich doch nichts". Von der Treue, die weder Sinn noch Spaß macht und mal ganz ehrlich: „Ich bin doch zu schade, für einen alleine!"
Marlene Dietrich war eine „echte" Berlinerin, die es durch ihren Mut und ihr Können bis ganz oben schaffte. Besonders in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Friedrich Hollaender wurden sie zu einem der erfolgreichsten Gespann im deutschen Film und später auch in Hollywood. Durch die Textpassagen erfuhr man mehr aus dem Leben der Diva, die später nach Amerika zog und auch die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Die sich nicht von Hitler und Goebbels „vor den Karren der Nazis spannen ließ" und dafür hohe Geldbeträge ausschlug. Statt dessen Amerikanische Soldaten in den Krieg begleitete und sie durch ihre Lieder ermutigte.
„Auf eine Reise in Ton und Bild" wollte Siso Hagen die Zuhörer mitnehmen. Eine Reise auch vom Lieblichen und Schönen hin zu politisch geprägten Texten. Und hier schließt sie - ein bisschen - den Vergleich zur Situation in der Pandemie. Vom Anpacken und Loslegen hin zu Affären, Anschuldigungen und Streitigkeiten. „Wir müssen Trümmerfrauen sein" fordert die Sängerin. Hoffnungen und Sehnsüchte bewahren, uns nicht verkaufen lassen. Anpacken!

Und die Sache mit dem Eintopf? „Ich las davon in „My German Face" von Maximilian Schell. Wie Marlene Dietrich unangemeldet vor dessen Hotelzimmer stand, mit einem Topf selber gekochtem Eintopf" So nah, so bodenständig – irgendwie hatte diese kleine Episode aus dem Leben der großen Diva eine Initialzündung bei Siso Hagen ausgelöst.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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