lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo haarer-echo mooskurier

Wann und wie kommt das Gymnasium in Herrsching? Der Kreisrat Starnberg beschäftigt sich in einer Sondersitzung mit diesem Thema

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 19. Oktober 2017

Eigentlich schade, dass der Titel "Die Unendliche Geschichte" schon vergeben ist. Denn die Chronik um das Gymnasium in Herrsching hätte durchaus das Zeug dazu, diese Überschrift mit einem geeigneten Inhalt zu füllen. Dass von der Idee über die Planung bis hin zur endgültigen Fertigstellung durchaus mal ein paar Jährchen vergehen können ist normal. Aber dieses Projekt scheint sich doch langsam rekordverdächtig in die Länge zu ziehen auch wenn Landrat Karl Roth es persönlich sehr begrüßen würde, "schon einen Schritt weiter zu sein". Auf der Kreistagssitzung, zu der auch viele Vertreter des Gemeinderats Herrsching mit einem Sonderbus kamen, wurde detailliert über die bislang unternommen Schritte informiert. Klärung der Zuwegung, Beschluss über die Ausrichtung und Größe der Schule, Antrag auf Unterstützung als Forschungsprojekt der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt (DBU), viele Gespräche mit den zuständigen Behörden - es ist nicht so, dass nichts unternommen worden ist. Aber leider ist es auch eine Tatsache, dass deutsche Behörden nicht immer die schnellsten und die effektivsten Wege gehen - und hier sprechen wir nicht von der Gemeinde Herrsching oder dem Landratsamt in Starnberg.

Die Zuwegung
Kreiskämmerer Stefan Pilgram gab zu Beginn der Sitzung einen umfassenden Überblick über die unternommenen Schritte. Da war der bereits im Dezember 2016 erzielte Kreistagsbeschluss, dass die Zuwegung zum Gymnasium mittels eines Kreisverkehrs erschlossen werden soll. Das Verkehrsbüro Kaulen erstellte die endgültige Entwurfsplanung, die dem Straßenbauamt in Weilheim vorgelegt wurde. Bei einem Treffen mit der Verkehrsmanagerin Susanne Münster machte die Behörde deutlich, dass sie aus Kapazitätsgründen weder Planung noch Umsetzung übernehmen könnten. Vielmehr läge die Zuständigkeit beim Landkreis als Verursacher der Maßnahme. Der Argumentation, das die Lösung eine Aufwertung der Staatsstraße ST 2068 und somit eine zukunftsorientierte Investition sei, da die Situation für Linksabbieger schon jetzt zu Stoßzeiten sehr unbefriedigend ist, wollten sie sich bis dato nicht anschließen. Noch im Herbst soll es dazu ein weiteres Treffen der Verantwortlichen geben. Entsprechend aktueller Planung wird mit dem Bau des Kreisverkehrs im Sommer 2018 begonnen werden.

Das Grundstück
Als notwendig für die weitere Planung erwiesen sich auch Überlegungen zur zukünftigen Erschließung des Grundstücks hinsichtlich Platzaufteilung, den Parkplätzen, Bushaltestellen, dem sog. „Kiss & Go – Bereich" sowie die gefahrlose Querung von Radfahrern und Fußgängern. Auf einem Treffen im September 2017 kamen hierzu Verkehrsmanagerin, Architekt, Landschaftsarchitekt und das Staatliche Bauamt zusammen. In einer anschaulichen Präsentation zeigte Architekt Fink Thurnher die diskutierten Möglichkeiten auf und beschrieb das favorisierte Modell. Dieses integriert eine Tiefgarage in den Schulhausbau, um möglichst wenig Grundstücksfläche zu beanspruchen. Ein Teil des Schulgeländes liegt auf einem Biotop und dementsprechend wurde eine weitere Baugrunduntersuchung durchgeführt, um bei den weiteren Schritten mögliche Planungshindernisse auszuschließen. Bis Ende 2017 soll eine differenzierte Auswertung vorliegen, wo eine Überplanung der Biotopflächen zulässig, bzw. vertretbar ist und ob evtl. Teilflächen in das pädagogische Konzept der Schule miteinfließen können. Festzuhalten aber bleibt auf jeden Fall: Das Grundstück eignet sich gut für den Bau der Schule, die bis zu 800 Schüler aufnehmen wird. Die Nachbarn werden durch eine entsprechende Raumaufteilung möglichst wenig durch den Lärm gestört werden und dank der Hanglage wird sie aus ihrer Sicht zudem nur als einstöckiger Baukörper zu sehen sein.

 

Gymnasium update 2

Ungefähr so wird das Gymnasium auf dem Grundstück gebaut werden. Eine Aufteilung, die bestmöglich die Lärmbelästigung von Nachbarn und Schülern, den Grundverbrauch, das Höhenprofil, die Biotopflächen und weitere Kriterien berücksichtigt

Die Schule als Forschungsprojekt?

Als der Startschuss zur Planung für das Herrschinger Gymnasium fiel, begannen die Verantwortlichen u.a. Beteiligten sehr bald, sich auch über die inhaltliche Ausrichtung Gedanken zu machen. Die Idee des Lernhauskonzeptes setzte sich durch (wir berichteten) und diese Unterrichtsform sollte sich in der Architektur widerspiegeln. Ein als Forschungsprojekt der DBU gebautes Schulhaus in der Nähe von Augsburg vereinigte alle Wunschvorstellungen für Herrsching in sich und man trat ebenfalls an die Stiftung heran. Großer Vorteil wäre, dass die Planungsleistungen direkt vergeben werden und nicht über eine langwierige Ausschreibung erfolgen müssten. Außerdem wären Fördergelder zu erwarten.
Klingt gut – nur, dass die Planung an genau dieser Stelle aktuell hängt. Um die Rechtmäßigkeit der Direktvergabe im Rahmen des Forschungsvorhaben zu prüfen, hatte die Verwaltung den Vergabeexperten Dr. Bulla hinzugezogen. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass die Vergabe so gerechtfertigt wäre, empfahl aber trotzdem, die VOB-Stelle der Regierung von Oberbayern miteinzubeziehen, um etwaige Rückforderungen von Fördergeldern zu vermeiden. „Die Zuständigkeit für die Entscheidung über die Zulässigkeit der Vergabe von interdisziplinären Planungsleistungen als Forschungsprojekt soll von der Vergabestelle an die Oberste Baubehörde übergeben werden. Eine genauer Termin, bis wann mit einer Entscheidung hierzu gerechnet werden darf, wurde bisher nicht mitgeteilt." Soweit in Amtssprache der aktuelle Stand.
Für die mögliche Zusammenarbeit mit der DBU heißt dies, dass aufgrund der zeitlichen Verzögerung für 2017 keine Fördergelder mehr bereitgestellt werden können. Und für die Verantwortlichen bedeutet es, dass sie einen Plan B ausarbeiten müssen, falls die Schule kein Forschungsprojekt wird.
Problem dabei: Eine weitere Bearbeitung durch das Planungsteam darf erst nach der noch ausstehenden Entscheidung zur Vergabe stattfinden – so legt es die DBU in ihren Statuten fest.
Falls es zu einer Ausschreibung kommt, kann sie entweder durch ein Vergabeverfahren (VgV) oder durch die Auslobung eines Architektenwettbewerbs erfolgen. Von den Verantwortlichen wird ersteres empfohlen, da es Zeitersparnis bedeutet und außerdem die Vergabe der Planungsleistungen auf der Grundlage aller bisher erarbeiteten Ergebnisse erfolgen kann.

Gymnasium update 3

Auf der Sondersitzung des Kreistags zum Thema Gymnasium wurden Extratische für die Gemeinderatsmitglieder aus Herrsching dazugestellt

„Man konnte doch nicht ahnen, dass Forschungsprojekte in Deutschland erlaubt sind nur in Oberbayern eben nicht", seufzt Christian Schiller. Bei der Schule in der Nähe von Augsburg war dies kein Problem „und wenn die Schule nach den derzeitigen Plänen gebaut würde, wäre sie das modernste Gymnasium in ganz Bayern!" Der Bürgermeister ist begeistert von dem Expertenteam, das hierfür zusammenarbeitet und bislang „das Maximale" geleistet hat. Seit seiner Wahl zum Bürgermeister kämpft er für den Bau der Schule – und hofft immer noch darauf, dass die VOB-Stelle schließlich einwilligt. Fördergelder, ein schnellerer Baubeginn, Beibehaltung des Planer-Teams: es spricht viel dafür. Sogar der Innenminister wurde in dieser Angelegenheit eingeschaltet.

Wenn nicht, wird die Geschichte des Gymnasiums halt noch ein bisschen länger werden „aber der Kreisverkehr wird definitiv im nächsten Jahr gebaut und das Ortsschild so verlegt, dass die Schule innerörtlich liegt" betont ein Bürgermeister, der die Hoffnung nicht so schnell aufgibt.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok