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Eine Woche der Toleranz – und ganz Herrsching macht mit! Das Integrationsteam setzt mit ihrer Aktion ein starkes Zeichen

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 23. November 2015

Zum 20. Mal wird in diesem Jahr der von der UNESCO ausgerufene Tag der Toleranz begannen – und das Integrationsteam Herrsching (ITH) machte eine ganze Woche daraus. Die Kindergärten, Schulen, Vereine, die beiden Kirchen, Künstler und die Gemeinde, die Hilfsorganisationen und viele Privatleute, sie alle unterstützen dieses wichtige Zeichen für ein Miteinander. Eine Woche voller Aktionen, Impulsen zum Nachdenken und gelebter Toleranz. Als „Leuchtturm" in ihren Bemühungen um Integration bezeichnete Anke Zimmermann vom Bündnis für Toleranz Bayern die Gemeinde Herrsching – ein Attribut, auf das sie stolz sein können.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und gerade in diesen Zeiten erhält die Aussage einen ganz wichtigen Stellenwert. Durch den Zuzug der Geflüchteten werden Ängste geschürt und der Terror, der sie vertreibt, zieht auch in Europa ein. Der Auftakt zur Woche der Toleranz fiel auf den Tag nach den Anschlägen in Paris und das Organisationsteam gedachte mit den Gästen in einer Schweigeminute an alle Betroffenen. Anschließend sprach Michaela Lindig die Grußworte. Gemeinsam mit Mia Schmidt, Dorothee Frey-Burghardt, Willi Meyerhöfer und Werner Siegl hatte sie federführend diese Woche geplant und initiiert. Eine Woche für mehr Akzeptanz und Verständnis, Impulse setzen für Frieden und Toleranz in Herrsching und darüberhinaus.
Niemand entkomme dieser Tage dem Thema betonte Christian Schiller und bedankte sich ganz herzlich beim Integrationsteam für die Gestaltung der Woche. Herrschinger Schüler lasen im Anschluss daran Grußworte zu dieser Veranstaltung. Von Christian Schiller, der betont, dass die Toleranz in unserer Gesellschaft keine Einbahnstraße ist sondern ein wichtiger Bestandteilunseres Zusammenlebens. Vom Bürgermeister aus der Partnergemeinde in Chatra/Indien, der darauf hinweist, dass die Toleranz in seinem Land immens wichtig ist um das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen und Religionen überhaupt möglich zu machen. Von Landrat Karl Roth und von den Vertretern der Kirchen, die darauf hinweisen, dass Toleranz nicht in die Wiege gelegt wird, sondern etwas ist, das jeder Mensch üben muss. Ein schöner Auftakt zu dieser beindruckenden Woche, bei der die Gäste noch länger im Schein der Kerzen, der Musik einer Band der Musiklehrervereinigung und Glühwein durch die Feuerwehr beisammen blieben.

Ein –ganz kleiner – Querschnitt durch die Woche der Toleranz

Toleranz 1

Mit einem stimmungsvollen Auftakt begann die Woche der Toleranz, die in ihrer Fülle und Verschiedenartigkeit wohl jede vorher angedachte Dimension sprengte

„Wir machen's" – Wörtlicher kann wohl ein Motto kaum umgesetzt werden, als in Herrsching geschehen. Es kam ein Wochenprogramm zustande, das locker einen Monat gefüllt hätte. Viele Menschen haben sich beteiligt, sich Gedanken gemacht und auf vielfältige Weise das so wichtige Thema umgesetzt. Ob im Rahmen von Ausstellungen, in Form von Musik, durch gemeinsame Aktivitäten, Musik, Lesungen, Spiel, Sport und Spaß – ob die Initiatoren im Vorfeld selber an so eine Vielfalt gedacht hatten?

„Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt."
So steht es in der Erklärung der UNESCO, die Toleranz als „notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker" bezeichnet. In kurzen Zitaten wurden Herrschinger Bürger zu ihrem Verständnis des Begriffs gefragt und heraus kam ein buntgemischtes Sammelsurium verschiedener Gedanken, die auf den Veranstaltungen auslagen. So brauche der Akkordeonlehrer manchmal viel Toleranz meint der kleine Valentin – und spricht stellvertretend für die Unvoreingenommenheit, mit der Kinder diesem Thema begegnen. Im Kindertreff z.B. haben sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt und die Ergebnisse in Bildern, Fotos und Collagen festgehalten. Die Fotos vieler lachender Münder zeigen eindeutig: da gibt es keinen Unterschied! Und auf die Frage, ob Ausländer in der Gruppe seien kommt die Antwort: „Nein, bei mir sind nur Kinder!"

Toleranz 4

Wie unkompliziert Kinder mit dem Thema Toleranz gegenüber anderen Kulturen umgehen wurde auf einer Ausstellung im Kindertreff sehr deutlich

In der Realschule wurde im Rahmen einer Ausstellung versucht, die Situation der Flüchtlinge den Schülern näher zu bringen. „Was würdest Du in einen Koffer packen, wenn Deine Familie plötzlich fliehen müsste?" Auf einer Pinnwand konnten die Besucher Gegenstände einzeichnen, die sie mitnehmen würden – und erfuhren aber auch, was wirklich meist darin ist. Protokolle über Begegnungen mit Geflüchteten, die ja oft kaum älter sind als die Schüler, Bilder, fremde Geräusche, mit denen sie konfrontiert werden und vieles andere mehr. "Die Ausstellung versucht die Situation der Flüchtlinge ein wenig greifbarer zu machen und so Angst und Vorurteile abzubauen", erklärte die Rektorin Rita Menzel-Stuck.

Mit Vorurteilen zu kämpfen aber haben z.B. auch Homosexuelle. Die Ausstellung „Die Verzauberten" in der VR Bank widmet sich dieser Thematik, präsentiert durch den Koordinator für gleichgeschlechtliche Lebensweisen Andreas Unterforsthuber. Ältere homosexuelle Männer erzählen unter ihren Fotos über Erfahrungen ihrer „Andersartigkeit", deren strafrechtliche Verfolgung erst 1995 endgültig abgeschafft wurde. „Verzauberte" nannte man sie früher und das war wohl mit die freundlichste Bezeichnung in der deutschen Sprache, die je für sie benutzt wurde. Im Dritten Reich erlebten sie Verfolgung und Internierung im KZ und auch nach dem Krieg dauerte es bis 1969, dass die entsprechenden Gesetze geändert wurden. Und auch wenn heute die Ehe möglich ist, so ist man von einer allgemeingültigen Toleranz noch weit entfernt. Besonders junge Leute leiden nach wie vor unter Vorurteilen und fehlender Akzeptanz. „Mutig, dass eine Bank eine solche Ausstellung zeigt" betonte Andreas Unterforsthuber. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Ricardo Volkerts, der vertonte Gedichte von Garcia Lorca sang – ein spanischer Dichter, der selber sein Leben lang unter seiner Homosexualität litt.

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Eine Ausstellung zum Thema Homosexualität in der Volksbank Herrsching machte deutlich, dass auch in diesem Bereich noch beständig an der Toleranz gearbeitet werden muss

Während so manche der Veranstaltungen leider ein bisschen unter Besuchermangel litten, war in der Christian Morgenstern Schule der Andrang enorm. Im Rahmen einer Projektwoche hatten sich die Schüler Gedanken zum Thema Flucht und die Herkunftsländer gemacht und präsentierten ihre Ergebnisse in einem „Lichterfest der Kulturen". Stände über alle Länder, aus denen auch ein Schüler die Grund- und Mittelschule besucht, zeigten Wissenswertes über Landschaft, Politik, beliebte Speisen, Musik und anderes mehr. Tänze und Märchen aus anderen Ländern, Leckereien zum Probieren und engagierte Schüler, die viel Auskunft geben konnten. Das Miteinander verschiedener Kulturen wird in dieser Schule, die viele Kinder mit Migrationshintergrund besuchen, tagtäglich gelebt.

Im katholischen Pfarrzentrum wurden Herrschinger Frauen in die Kochkünste Eritreas eingeweiht. Sechs Knollen Knoblauch, drei Packerl Chillipulver und noch ein paar andere Zutaten hatten die jungen Frauen aus dem afrikanischen Land bestellt – und daraus gemeinsam mit Frauen aus Herrsching einen Eintopf gezaubert, der „wunderbar" schmeckte, wie die Gäste übereinstimmend urteilten.
Gekocht wird auch im Stellwerk regelmäßig mit Jugendlichen aus den verschiedenen Nationalitäten Herrschings. „Beim Kochen erzählen die Jugendlichen viel aus ihrer Heimat" weiß Julia Schmidbauer aus Erfahrung und finden es schön, einen Teil davon durch das Essen mit ihren neuen Bekannten hier zu teilen.

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Viel Chilli, viel Knoblauch und ganz viel Spaß hatten die Damen aus Eritrea und Herrsching bei ihrer gemeinsamen Kochaktion


Gemeinsam Sport machen durch Angebote des TSV, Musik in allen Facetten, ein aufrüttelnder Film im Kino Breitwand, Zeitzeugengespräche, Bericht über eine Handwerksschule in Afrika, Ausstellungen, Lesungen für Groß und Klein, interessante Vorträge, gemeinsame Gottesdienste und so vieles andere mehr.
Ihren großen Abschluss fand die Woche in einem multikulturellen Konzert im Kurparkschlösschen und einer gemeinsamen Lichteraktion im Park davor. Eine Woche, in der ganz viele Menschen aus der Gemeinde ihren Willen zu mehr Toleranz in der Gesellschaft gezeigt haben. Die zum Nachdenken aufrüttelte und gleichzeitig gezeigt hat, wie ein positives Miteinander aussehen kann. Eine Woche, die nach Wiederholung ruft und nach einem ganz herzlichen Danke für die Initiatoren!

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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