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Was geschah 2015 in der Gemeinde Herrsching? Bürgermeister Christian Schiller präsentierte auf der Bürgerversammlung einen kompakten Überblick

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 27. Februar 2016

Egal welchen Informationskanal man im Moment verwendet – das Thema Flüchtlinge scheint die Medien ebenso zu beherrschen, wie es gefühlt das politische Leben in Deutschland auf ein einziges Thema reduziert hat. Auch in Herrsching ist die Unterbringung und Integration der Neuankömmlinge ganz sicher von großer Bedeutung – aber: „ich verspreche Ihnen heute mindestens 50 andere Themen vorzustellen, mit denen sich die Gemeindeverwaltung auseinandersetzt", versprach Bürgermeister Christian Schiller bei der Begrüßung. In einer informativen und kurzweiligen Ansprache galoppierte er durch die vielen Ereignisse des vergangenen Jahres und gab den rund 270 gekommenen Bürgern einen interessanten Einblick auf den aktuellen Stand ihrer Gemeinde.

Wie immer, wenn die Bürgerversammlung in Herrsching stattfindet, ist die Martinshalle bis auf den letzten Platz belegt. Viele Bürger nutzen diese Gelegenheit, sich – neben dem für diesen Tag fertiggestellten Jahresbericht – eine informative Zusammenfassung über die Geschehnisse des vergangenen Jahres in ihrer Gemeinde zu holen. Auch Fragen an den Bürgermeister und einige Mitarbeiter können im Anschluss gestellt werden sowie Anträge für die Behandlung eigener Anliegen im Gemeinderat.
Im vergangenen Jahr beging die Gemeinde einige Jubiläen. So besteht die Partnerschaft mit Chatra in Indien seit mittlerweile 10 Jahren und wurde entsprechend mit zahlreichen Veranstaltungen und gegenseitigen Besuchen gefeiert. Schon 15 Jahre gibt es sogar die Verbindung zu Ravina-Romagnano, was zum Anlass genommen wurde, mit einer Delegation des Gemeinderats dort einen Besuch abzustatten. So konnte auch gleich die neue Bürgermeisterin des Ortes, Camilla Guiliani, begrüßt werden, die vielen schon als Wirtin der Pizzeria bekannt war. Einen Besuch der Italiener in Herrsching hatte es schon davor anlässlich der Eröffnung des neuen Feuerwehrhauses gegeben. An die Truppe sprach der Bürgermeister an dieser Stelle einen riesen Dank aus: Wie diese junge Mannschaft es schaffen würde, so viele Einsätze auf ehrenamtlicher Basis zu stemmen, sei unbeschreiblich.
Die Feuerwehr in Breitbrunn hatte in diesem Jahr einen Wechsel zu melden. Nach 19 Jahren gab Rupert Müller sein Amt als Kommandant ab und hier wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung Florian Kleber zum Nachfolger gewählt. Die Feuerwehr in Breitbrunn betrifft auch einen größeren Haushaltsposten für das Jahr 2016: Nach der fertiggestellten Sanierung und dem Ausbau des alten Feuerwehrhauses bis auf den großen Saal wurde auf der Bürgerversammlung im vergangenen Jahr beschlossen, nun auch diesen Raum den Bürgern als Veranstaltungsraum bereitzustellen. Die notwendigen Gelder dafür hat der Gemeinderat bewilligt.
Eine größere Summe im vergangenen Jahr verschlungen hat die erforderlich gewordene Erweiterung des Friedhofs. Rund 3 Millionen hat der Ausbau gekostet, der aber zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde gehört, wie Christian Schiller betonte. Während Erdbestattungen weniger werden, habe die Nachfrage für Urnenbestattungen stark zugenommen. Auch Baumbestattungen sind jetzt möglich und „mit dieser Erweiterung haben wir für die nächsten 15 Jahre erst mal Ruhe" versicherte der Bürgermeister.
Ruhe eingekehrt ist auch vorerst bei den Umbaumaßnahmen im Rahmen des Verkehrskonzeptes. Die neue Kreuzung Rieder Straße/Bahnhofstraße ist fertiggestellt und im Frühjahr werden an diesen Straßen noch sog. Fahrradschutzstreifen aufgetragen, die für diese Verkehrsteilnehmer mehr Sicherheit bieten sollen. Hier wird der Gemeinderat demnächst auch über eine Fortführung über die Mühlfelder Straße in Richtung Ortsausgang nach Andechs entscheiden. Ebenfalls fertiggestellt ist der Umbau des Rathausvorplatzes und die Park & Ride Anlage am Bahnhof. Über die Ausgestaltung des Bahnhofplatzes wird es vermutlich Ende dieses Jahres ein Wettbewerb unter Beteiligung der Bürger geben. Schiller wies an dieser Stelle auf den großen Vorteil der Städtebauförderung hin, die einen großen Anteil der dabei anfallenden Kosten übernimmt. Jahrelang habe man darum gekämpft, darin aufgenommen zu werden um die Gemeinde bei den Umbaumaßnahmen finanziell zu entlasten.
Gebaut wird auch demnächst an der Rieder Straße, wo die Gemeinde ein Areal von 6000 m2 erwerben konnte. Neben vergünstigtem Wohnraum für Einheimische wird auch ein Kindergarten entstehen, da auf Grund der Zuzugssituation neue Gruppen benötigt werden und zudem der Mietvertrag für den benachbarten Kindergarten Kunterbunt in 10 Jahren ausläuft.

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Wie gewohnt redete Bürgermeister Christian Schiller bei der Bürgerversammlung in Herrsching vor einer randvollen Martinshalle


Und damit kam der Bürgermeister letztendlich doch zu dem Thema Flüchtlinge. Rund 230 Asylbewerber leben jetzt in der Gemeinde und sind in dem Containerdorf, kleineren Wohneinheiten und seit dem Tag der Versammlung auch in dem ehemaligen Schwesternwohnheim in Breitbrunn untergebracht. Momentan sind die Zuweisungen an den Landkreis Starnberg zwar reduziert, doch würden diese Zahlen bei günstigeren Witterungsbedingungen ziemlich sicher wieder ansteigen. Die Gemeinde ist daher auf der Suche nach einem weiteren Grundstück für eine Unterkunft. „Wir alle haben uns dieses Thema nicht ausgesucht, aber wir müssen das jetzt gemeinsam stemmen" appellierte er an das Publikum. Ohne die großartige Hilfe der Helferkreise wäre das ohnehin gar nicht möglich, betonte er und richtete seinen besonderen Dank an die Gemeinderätin Hannelore Doch: „Vielen vielen Dank, was Du hier leistest!" Bedauerlich findet der Bürgermeister in diesem Zusammenhang nur die Gerüchte, die immer wieder gestreut würden. Er versicherte den Bürgern, dass es im Rathaus weder Vertuschungen noch Maulkörbe für die Mitarbeiter gäbe und dass man sich bei Problemen bitte an die jeweils zuständige Behörde wenden solle.
Auswirkungen zeigt der Zuzug natürlich auch auf die Einrichtungen wie Kindergärten und die Christian-Morgenstern Mittelschule. Hier wurde als erstes im Landkreis eine Übergangsklasse eingerichtet und jüngere Schüler auf die ersten Klassen verteilt. Auf Dauer aber seien voraussichtlich weitere Maßnahmen nötig, die hier auf die Schule und Kindergärten zukomme. Auswirkungen aber kann es auch auf die ohnehin schon überfüllte Obdachlosenunterkunft geben. Mit 15 Personen ist das Haus schon jetzt so voll wie noch nie und derzeit wären 30 weitere Haushalte im Ort von der Obdachlosigkeit bedroht. Sollten in Herrsching lebende Asylbewerber anerkannt werden, hätten auch sie Anspruch auf einen Platz hier „und ich weiß einfach nicht, wo ich sie noch unterbringen soll" zweifelte Schiller. Um betroffenen Familien bestmögliche Hilfe anbieten zu können, habe der Gemeinderat im vergangenen Jahr eine neue Stelle geschaffen. Julia Schmidbauer, die vorher im Jugendhaus tätig war, kümmert sich inzwischen vor Ort sehr engagiert um diese Menschen.
Positives gibt es vom öffentlichen Nahverkehr zu berichten. die Taktung der Busse läuft inzwischen sehr viel engmaschiger. Für diesbezügliche Fragen war an diesem Abend extra Susanne Münster aus dem Landratsamt gekommen, die für den Bereich verantwortlich ist. Auch die Gymnasiumsplanung schreitet voran und der Kreistag konnte sich auf ein pädagogisches Konzept einigen. Weiter geht es nun mit der Vorbereitung des Städtebauwettbewerbs und der dazu notwendigen Klärung der Erschließung. Die Gemeinde wird sich entsprechend neuer Förderrichtlinien mit je 420.000 Euro für die nächsten 7 Jahre an den Kosten des Baus beteiligen und damit insgesamt rund 10 % des Gesamtvolumens tragen. Die restlichen 90% kommen vom Landkreis.
Kosten, die sich zu vielen anderen Ausgaben gesellen, die im kommenden Haushaltsjahr wieder für die Gemeinde anfallen werden. Demgegenüber stehen sinkende Gewerbeeinnahmen aber zumindest eine leicht steigende Tendenz bei der Einkommenssteuer. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist durch die Aufnahme eines Darlehens von 2 Millionen Euro im vergangenen Jahr von 200 auf 365 Euro gestiegen und trotzdem, so betonte der Bürgermeister, liege man noch im unteren Drittel der kommunalen Struktur. Einen großen Teil des Haushaltsvolumens geht in diesem Jahr in die Kreisumlage, zu dessen Steigerung Landrat Karl Roth am Ende noch einige Sätze sprach. Der Ausbau des Bussystems, Bau der neuen Dreifachturnhalle, Berufsfachschule und natürlich auch die Kosten durch die Geflüchteten müssen gestemmt werden und dabei dürfe man auch nicht vergessen, dass vom Landkreis eine große Summe an den Bund abgeführt wird. Trotzdem sei es ein Klagen auf hohem Niveau und er gratuliere der Gemeinde Herrsching für ihre Dynamik und konstruktive Arbeit.

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Landrat Karl Roth gratulierte Herrsching im Rahmen der Bürgerversammlung für seine Dynamik und konstruktive Arbeit


Ein neuer Gewerbeverein, eine überarbeitete Internetseite der Gemeinde, zunehmender Vandalismus, der steigende Kosten für die Gemeinde verursacht, einige neue Mitarbeiter und viele Informationen an den Infoständen der Gemeinde – so ging die erste „Halbzeit" der Bürgerversammlung zu Ende, bis es nach der Pause zu den Fragen an den Bürgermeister ging. Anträge zur Behandlung im Gemeinderat waren diesmal nicht dabei. Die erste Frage bezog sich auf die angekündigte Schließung des Kinos. Schiller bedauerte, dass man hier bisher keine Lösung gefunden hätte, da der Eigentümer das Gebäude privat nutzen will und der Betreiber als neues Kino nur eines mit mehreren Sälen für rentabel hält.
Eine weitere Frage zielte auf die Dauer des Gymnasiumbaus hin, doch weder Landrat noch Bürgermeister konnten Angaben über einen genauen Zeitplan machen. Man tue ihr bestes, versicherten sie, doch müsse eben jeder Schritt abgesprochen werden um damit die Voraussetzungen für den nächsten zu schaffen. Die Suche nach einem festen Proberaum für die Blaskapelle musste der Bürgermeister auch auf die Fertigstellung dieses Baus verschieben.
Verneinen konnte er die Frage, ob eine Erweiterung des Containerdorfes geplant sei. Man wolle keinesfalls eine Ghettobildung und sei daher auf der Suche nach einem anderen Standort. Welche Kosten genau durch den Zuzug an der Gemeinde hängen bleiben, ließe sich nur schwer beantworten. Der dringender gewordene Bau eines Kindergartens, Verbesserung der Infrastruktur an der Mittelschule, Schaffung einer neuen Stelle und indirekt durch die Erhöhung der Kreisumlage: „Einiges bleibt bei uns hängen, aber wir schaffen das" versicherte Christian Schiller dem Fragesteller.
Ob es nicht wie in anderen Orten eine Verordnung zur Einfriedung der Grundstücke geben könne war eine weitere Frage. Hohe Thujenhecken und Holzzäune machten das Ortsbild nicht unbedingt schöner. Die nicht genehmigungspflichtige Höhe ist auf zwei Meter begrenzt, informierte Bauamtsleiter Guido Finster. Der unterschiedliche Bestand in Herrsching mache eine Satzung zu diesem Zeitpunkt schwierig, aber man wolle sich im Bauausschuss nochmal Gedanken darüber machen.
Äußerst unzufrieden mit der Arbeit des Bauausschusses in Bezug auf die Pläne an der Rieder Straße zeigte sich Josef Fischer. Der Gehweg sei zu eng geplant, die Häuser zu nah an der Straße und die Erschließung ungünstig. Darüberhinaus könne von „öffentlichen" Bauausschusssitzungen nicht die Rede sein, da die Mitglieder undeutlich und zu leise reden würden. Schiller versicherte, dass die Bauleitplanungen noch längst nicht abgeschlossen seien und man versuchen werde, alle Punkte zu berücksichtigen. Herr Fischer machte jedoch keinen Hehl daraus, dass er dieser Antwort keinen Glauben schenkte.
Damit ging ein sehr informativer und angesichts der Lage auch relativ entspannter Abend zu Ende. Es sind neue Probleme für die Gemeinde hinzugekommen, aber – so schien das Fazit zu sein – keine, die nicht lösbar wären.

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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