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Das Ammerseer Bauerntheater goes Boulevard - „Oscar und Felix“ sprengt die Kapazitäten des Andechser Hofs!

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 04. April 2016

Was passiert, wenn ein Hypochonder und Putzneurotiker mit einem Möchtegern-Lebemann in einer Zwangs-WG zusammenlebt? Und wenn diese Beiden im wahren Leben Alexander Tropschug und Ralf Bürklen heißen? Und dann noch vom einmaligen Team des Ammerseer Bauerntheaters begleitet werden? Die Antwort lautet Bauchschmerzen. Denn irgendwie scheinen die Lachmuskeln dort ihren Aufhänger zu haben. Mit „Oscar und Felix" unter der Regie von Claudia Pauker hat das Ensemble wieder einen Coup hingelegt, der seinesgleichen sucht. Eine fantastische schauspielerische Leistung und sprühende Lust am Spielen, die den zahlreichen Gästen im übervollen Saal des Andechser Hofs einen tollen Abend beschert hat.

 

 

Die altbewährte Pokerrunde in der vollgemüllten Singlewohnung von Oscar ist im vollen Gang. Nur einer fehlt - Wo bleibt Oscar? Ein Anruf bei seiner Frau Franzi bringt Klarheit und setzt die Freunde in Alarmbereitschaft: Sie hat ihn vor die Tür gesetzt und daraufhin eine halbe Abschieds-mail von ihm erhalten. Für den Rest hat der Akku nicht mehr gereicht. Erleichterung kommt auf, als Felix auftaucht und ihnen vor Selbstmitleid zerfließend sein Leid klagt. Zunächst ungerührt spielen sie daraufhin die Runde weiter, bis der Ausgestoßene ihnen beichtet, Tabletten geschluckt zu haben. Aber auch diese Unruhe legt sich schnell, als sie erfahren, dass der erste Selbstmordversuch – zu Übungszwecken - mit Pfefferminzdragees aus dem Drogeriemarkt erfolgte.

Bauerntheater Oscar Premiere 1

Noch ist die Pokerrunde voll des Mitleids für ihren Kumpel , den seine Frau vor die Tür gesetzt hat


Die Runde löst sich auf und zurück bleiben Oscar und Felix, dem sein Kumpel das leere Kinderzimmer anbietet. Doch noch im Laufe dieser ersten Nacht muss er erkennen, dass dies wohl sein Leben ziemlich durcheinander bringen wird. Felix, dessen einzige Freunde in der Kindheit der Staubwedel und Meister Propper waren, stellt sich als Putzneurotiker und Hypochonder erster Klasse heraus. Fortan blitzt die Wohnung, die Pokerrunde bekommt statt Chips und labbriger Sandwiches „an Rucola" serviert und Oscar muss sich in eigentümlichen Massagetätigkeiten üben. „Warst Du zu Hause auch so schlimm?" „Schlimmer!"
Als der unliebsame Wohnungsgenosse schließlich mit seinen Macken die nächste Pokerrunde sprengt, reicht es dem unfreiwilligen Gastgeber langsam. Oscar will endlich wieder mehr unter Leute, sprich Frauen! Und wie es der Zufall will, sind im Haus zwei schwarzmähnige Italienerinnen eingezogen (Temperamentvoll, urkomisch und scheinbar direkt aus Italien importiert: Claudia Czasny und Petra Ziegler), die den Avancen des Möchtegern-Casanovas nicht abgeneigt scheinen. Ein gemeinsamer Abend wird geplant, der dank Felix einen ganz anderen Verlauf nimmt als geplant. Statt Kuscheln im Bett ist Schluchzen auf dem Sofa angesagt.

Bauerntheater Oscar Premiere 3

Auch in der von Oscar so hoffnungsvoll geplanten Abendrunde mit zwei heißblütigen Italienerinnen erweist sich Felix als absolute Spaßbremse

Oscar platzt der Kragen und schmeißt den Kumpel aus seiner Wohnung. Die Pokerfreunde sind entsetzt über diesen Egoismus, dessen Folgen sich aber in Grenzen halten. Aufgehalten von den mitleidigen Italienerinnen steht er ganz schnell wieder vor der Tür - und was sich Claudia Pauker hier für die Schlussszene ausgesucht hat, muss einfach jeder Mal mit eigenen Augen (und Ohren!) gesehen haben! So viel sei gesagt: es wurde extra ein Choreograph für diese Szene hinzugezogen...

Bauerntheater Oscar Premiere 5

Ende gut – alles gut! Und so besinnen sich die Kumpels, trotz so mancher Schwierigkeiten in ihrer WG-Beziehung, am Ende wieder auf ihre Freundschaft...


Wüsste man nicht, dass es dieses famose Boulevardstück schon lange gibt – man möchte meinen, dass Claudia Pauker es für die beiden Hauptdarsteller Ralf Bürklen und Alexander Tropschug auf den Leib geschrieben hat. Sie gehen in ihren Rollen auf und garantieren alleine durch ihre sprechende Mimik eine Lachsalve nach der anderen. Auch in der Pokerrunde lebt jeder mit spürbaren Vergnügen seine Rolle. Ob der wahre Schnäppchenjäger Vinnie oder der Polizist Manni, den das Gründungsmitglied Rainer Bartsch so treffend darstellt. Ganz anders dagegen „Speed", in dessen verkannter Rockstar-Gestalt Christian Dlusztus seine eigentliche Berufung gefunden zu haben scheint. Zum ersten Mal dabei und doch einfach mitten drin: Alexander Teubner als Rainer, der leicht affektierter Steuerberater, der mit keiner Situation so richtig zufriedengestellt werden kann.
Und alle zusammen ein Ensemble, mit dem Claudia Pauker diesem Stück genau das richtige Leben mitgibt! Die Verschiedenartigkeit der Charaktere, gewürzt mit so witzigen Dialogen, die mehrfach spontanen Beifall hervorrufen. Da wird der Windbeutel frei aus dem Italienischen mit Sturmsack übersetzt und die Menüfolge dahingegen konzipiert, die Frauen hinterher – rein gewichtstechnisch - noch abschleppen zu können.
Eine wirkliche Meisterleistung, die diese so grandiose Truppe zum 50-jährigen Jubiläum da auf die Bühne gebracht hat. Und eine Meisterleistung, wie hier wieder der ganze Verein zu diesem Erfolg beigetragen hat. Jeder dabei und alle helfen mit. Der Vorsitzende Franz Czasny hat für das Jubiläumsjahr noch eine ganze Reihe weitere Überraschungen angesagt: man darf gespannt sein – und sich durchaus einfach schon mal im Vorfeld darauf freuen!

Für Sie berichtete Barbara Geiling.

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