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Spritziger (Neu)-Jahresempfang in der Gemeinde Herrsching

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 17. April 2016

Der Fußboden war schuld gewesen. Der neue Leiter der Bayrischen Beamtenfachhochschule Günther Strobl lüftete das Geheimnis um den ungewöhnlichen Zeitpunkt des diesjährigen Neujahrsempfangs. Ein Leck im neugefertigten Boden hatte zu Feuchtigkeitsschäden geführt, deren Beseitigung den großen Saal auf längere Zeit unbenutzbar gemacht hatte. Dafür ein (Neu)-Jahresempfang im Hellen, ohne vereiste Autoscheiben und glatte Straßen, ohne schwere Pelzmäntel – „bei so viel Vorteilen könnte man es fast zum Standard werden lassen" überlegte Bürgermeister Christian Schiller bei der Begrüßung scherzhaft. Und den vielen geladenen Gästen war das Datum wahrscheinlich sowieso egal. Hauptsache der Empfang findet statt, denn nur eines ginge gar nicht: darauf ganz zu verzichten!

 

 

Den Neujahrsempfängen in Herrsching geht inzwischen ein Ruf voraus, den es erst mal zu verteidigen gilt. Da kommt auch ein Bürgermeister mit ausgeprägten Entertainer-Qualitäten im Vorfeld ins schwitzen – um dann doch, wie jedes Mal, eine Veranstaltung daraus zu machen, die lange in Erinnerung bleiben wird. Ein musikalisches Feuerwerk durch die Flamenco-Gruppe um Ricardo Volkerts, eine breite Vielzahl an Herrschinger Bürgern, die durch ihre ehrenamtliche Arbeit das Leben in der Gemeinde ungemein bereichern, Sportler mit ihren Trainern, die in der Mannschaft und alleine absolute Spitzenleistungen vollbringen und nicht zuletzt zwei Herrschinger Schüler, die mit ihrer Musik noch einen unvergesslichen Höhepunkt beisteuerten. Und dieses ganze Potpourri lebendig wie eh und je moderiert von einem glänzend aufgelegten Christian Schiller und dabei unterstützt von einem Team, die das Ganze technisch und menschlich nahezu perfekt in Szene setzten.
Melodien des Flamenco begrüßten die eintretenden Gäste zum Jahresempfang der Gemeinde. Ricardo Volkerts, der Herrschinger Gitarrenvirtuose mit seiner unverwechselbaren Stimme war mit der Truppe „Locos por la Rumba" zu Gast und gab der Veranstaltung mit dieser emotionalen und virtuosen Musik schon im Vorfeld eine ganz besondere Note. Auch später in der Pause spielte und tanzte diese mitreißende Gruppe noch einmal auf. Mit viel Gespür für diese so eigene Musik der andalusischen Roma nahmen sie den vollen Saal mit auf eine kleine Reise durch Spanien. Zu den leidenschaftlichen und eher anklagenden Melodien dieses so lange unterdrückten Volkes, wie auch zu den packenden Klänge der Gypsi Kings, oder in eine gemütliche Sommernacht im Freien.

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Auf wie viel Neujahrsempfängen es wohl Flamenco-Einlagen wie in Herrsching gibt?

Viele Gäste waren wieder gekommen und unter ihnen wie immer auch eine Reihe bekannter Persönlichkeiten. Vertreter der Kirche und Politik, Träger der Goldenen Bürgermedaille, die stellvertretenden Bürgermeister, viele Vertreter des Gemeinderats und andere mehr. 300 Gäste um genau zu sein, denn mehr dürfen leider nicht in den Saal – obwohl der Bürgermeister vermutlich nur zu gerne mehr Herrschinger eingeladen hätte. Eine gebürtige Herrschingerin „sogar aus dieser Straße" ist die Schauspielerin und Regisseurin Jule Ronstedt. Sie hat noch einen engen Bezug zu ihrem Heimatort und freut sich schon darauf, hier im kommenden Jahr ihren ersten Kinofilm präsentieren zu können ... falls es dann noch ein Kino geben wird. In einem Interview hatte sie mal erklärt, was ihr absolutes „no-go" wäre und was wichtig ist. Kleine Hunde in Handtaschen gehen gar nicht und ganz entscheidend für sie sei soziales Engagement. Und davon gibt es in Herrsching sehr viel, wie spätestens auf diesen Empfängen immer klar wird!
Da ist ein Rupert Müller, der 19 Jahre als Kommandant die Feuerwehr in Breitbrunn geleitet hat und nun in Florian Kleber einen sehr engagierten Nachfolger gefunden hat. Da gibt es in der Gemeinde inzwischen über 200 ehrenamtliche Helfer, die sich um die Asylbewerber in Herrsching und Breitbrunn kümmern. Die mit ihnen Behördengänge machen, Sprachunterricht erteilen, Hausaufgabenbetreuung der Kinder organisieren und so vieles andere mehr.
Geehrt für sein ehrenamtliches Engagement wurde auch Franz Czasny als Vorsitzender des Ammerseer Bauerntheaters. Seit 41 Jahren veranstaltet diese aktive Truppe jeden 4. Advent einen Seniorennachmittag mit Plätzchen, Brotzeit und zahlreichen Einlagen und bereitet damit den vielen Senioren ein wirkliches Highlight im Jahr.
Als „Regelpapst vom Ammersee" bezeichnete Schiller Ulrich Finckh, der für seine besonderen Verdienste im Segelsport sogar schon vom bayrischen Innenminister ausgezeichnet wurde. Auf nationaler wie auch internationaler Ebene ist er eine Koryphäe in allen Fragen rund um das Regatta-Segeln.
Aber nicht alle Arbeit kann durch Ehrenamt ersetzt werden und auch für deren Unterstützung braucht eine Gemeinde ein sicheres Einkommen. „Ohne die Vertreter der Wirtschaft, die Gewerbetreibenden und Unternehmer könnte in dieser Gemeinde nicht so viel geleistet und auch die Ehrenamtlichen in diesem Maße unterstützt werden" betonte der Bürgermeister. So begrüßte er an dieser Stelle stellvertretend den Geschäftsführer des Familienunternehmens Heine Optotechnik, Oliver Heine. In diesem Jahr feiert die Firma, die 2015 den Wirtschaftspreis des Landkreis Starnberg gewonnen hat, ihr 70-jähriges Firmenjubiläum. Eine Firma, die damals bei Null begonnen hat und heute ein international erfolgreiches Unternehmen – und Herrschings wichtigster Arbeitgeber – ist.

Wo Herrsching ist, da ist auch der Ball Zuhause. Ohne Volleyballer und Handballer geht schon lange nichts mehr auf dem Neujahrsempfang – aber diesmal auch nicht ohne Fußball! Die E-Jugend mit ihren Trainern Andreas Schwald, Ricardo Stock und Helmut Sättler hatten in diesem Jahr einen Überraschungserfolg gelandet und auf dem weltgrößten E-Jugendturnier mit 425 Mannschaften den sensationellen 6. Platz belegt. Die D-Jugend der Handballer gewannen die Meisterschaft im Bezirk Alpenvorland und dann gibt es da noch eine Volleymannschaft, die beständig durch die Ligen marschiert... und zum ersten mal seit vielen, vielen Jahre sprechen wir mal nicht vom GCDW! Die 2. Herrenmannschaft ist Meister in der Bayernliga geworden und wird nächste Saison in der nächsthöheren Liga ihr Können demonstrieren. Mit dabei Max Hauser, der als Trainer in der 1. Bundesliga ja nicht mehr in dieser Mannschaft spielen darf und nun hier seine Lust am Spielen ausleben kann. „Seit ich hier Bürgermeister bin, habe ich Dich an dieser Stelle jedes Jahr für einen Aufstieg geehrt" wandte sich Schiller an den erfolgreichen Trainer – dessen erste Bundesliga-Mannschaft aber nun wohl erst wieder als Deutscher Meister auf die Tribüne klettern darf...
Erfolgreich wie immer auch der Tennisclub Tennispark Herrsching, deren Herrenmannschaft in die Super-Bezirksliga aufgestiegen ist und auch bei den Junioren ganz viele erfolgreiche Mannschaften auf dem Feld hat. Im Einzel besonders zu erwähnen ist Leo Zima, der als Bayrischer Meister U16 den Sprung in die Nationalmannschaft U16 geschafft hat und bereits erste Weltranglistenpunkte sammeln konnte. Auch eine Europameisterin in diesem Sport kann Herrsching stellen: Monika Quirmbach siegte im Doppel und wurde 3. im Einzel bei den Damen 60.

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Stolz präsentiert Bürgermeister Christian Schiller die Geehrten aus seiner Gemeinde

Sportliche Höchstleistungen, viel soziales Engagement, aber dann gab es da noch etwas auf diesem Empfang. Ein Flügel wurde herangerollt und zwei junge Realschüler kamen auf die Bühne: Valerie Geisler und Alexander Struß verschafften den Gästen mit ihren Interpretationen von „Jar of Hearts" und Stay with me" noch ein pures Gänsehaut-feeling zum Abschluss. Die 17-Jährige mit einer Stimme, die mehr als unter die Haut geht, gefühlvoll begleitet von ihrem jungen Kollegen aus der Schulband am Klavier. Zwei Menschen, von denen man noch hören wird und ein Abschluss ganz nach Schiller-Manier.

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Ein musikalischer Abschluss, der unter die Haut ging: Valerie Geisler und Alexander Struß mit ihren Interpretationen von Christina Pery und Sam Smith

Abschluss? Zu Beginn der Veranstaltung wurde Anke Strobl, langjährige Gemeinderätin und Ehefrau des Hausherrn zu den wichtigsten Inhalten des Empfangs gefragt. Die Würdigung verdienter Bürger und Sportler ganz klar von großer Bedeutung – aber daneben auch das Zusammenkommen und der Austausch zwischen den engagierten Menschen ohne zum Telefon greifen zu müssen. Und diesen Austausch gab es nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung noch bis spät in den Abend hinein. Ideen wurden gesponnen, Kontakte geknüpft, Helfer für Projekte gefunden und noch so manches mehr. Ein fruchtbares Zusammentreffen auf Augenhöhe über alle Partei-, Vereins- und sonstige Grenzen hinweg – ein „Social-Networking", das Herrsching auszeichnet.

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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