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Herrsching hat einen neuen Maibaum!

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 02. Mai 2016

„Hau Ruck!" und wieder hebt sich der Maibaum ein Stück weit gen Himmel. „Gut gemacht" kommt das Lob von Ludwig Darchinger postwendend - um gleich darauf gemeinsam mit Christoph Preisinger die Schaarenträger auf ihre neuen Positionen zu dirigieren. Zentimeterweise schieben sich die schweren, mit Tauen verbundenen Holzstangen weiter, geführt von den Leuten mit Eisenstangen. „Jetzt nur die Seeseite a bisserl anlupfen" geht es weiter, während gut 2000 Blicke in den Himmel stieren. A bisserl Schmerzen im Genack gehört dazu, aber dafür hat Herrsching jetzt wieder einen prachtvollen Baum am Rathaus stehen und Ludwig Darchinger einen Stein im Herzen weniger, weil wieder mal alles gut gegangen ist! Knapp 2 ½ Tonnen nur mit Manneskraft in den Ständer zu stemmen: da gehört neben einer gehörigen Portion „Irxnschmalz" auch viel Fingerspitzengefühl und Anleitung dazu!

Christian Schiller und Robert Brack, der diesen Baum anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums seiner Allianz-Vertretung in Herrsching gestiftet hat, moderieren gemeinsam das Spektakel, zu dem immer mehr Schaulustige strömen. Gutgelaunt begleiten sie das langsame Aufrichten und geben so manche Erklärung zu den Kommandos von Ludwig Darchinger ab. Ungefähr 50 kg lasten auf den Schultern eines Aufstellers für dessen Posten sich jeder melden kann. Ludwig Darchinger achtet nur darauf, dass die Schüsselstellen von altbewährten Kräften besetzt sind. Einige Feruerwehrler aus der Partnerstadt Ravina/Romagnano haben sich auch wieder daruntergemischt, die am Vortag mit einer ganzen Busladung extra für diesen Tag angereist kamen.

Maibaum 3

Stolze 39.10 Meter misst der neue Maibaum von Herrsching, der am 1. Mai mit vereinten Kräften, Kranabsicherung und guter Stimmung aufgestellt wurde


Für die Helfer gibt's auf Anordnung des Chefs nur Radler, aber alle anderen versorgen sich an den Ständen frei nach Gusto. Das Bier fließt gut, obwohl so mancher bei den frischen Temperaturen auch einen Glühwein gewählt hätte... aber regnen tut's nicht und das ist hier die Hauptsache! Pünktlich zum Glockengeläut um 12.00 Uhr steht der Baum in seinem Gestell und leuchtet stolz in seinem blau/weißen Gewand. Der „oide Wettergockel" prangt schon an der Spitze, während die phantasievollen Zunftbilder erst noch montiert werden müssen. Ein tolles Ereignis und so mancher denkt am Ende mit ein bisschen Wehmut: Warum eigentlich nur alle 4 Jahre?

 

Vom Baum zum Maibaum ... die Geschichte eines „Stangerl's"


Herrsching hat wieder einen Maibaum und das ist gut so, denn ein Ort ohne Maibaum geht hierzulande gar nicht. Soweit alles klar – aber was dieses imposante Stangerl für einige wenige vorher an Arbeit und Organisation bedeutet, ist vielleicht nicht ganz so klar. In Herrsching ist diese Tradition seit vielen Jahren ganz eng mit dem Namen Ludwig Darchinger und D'Herrschingern verbunden. Für den Malermeister ist es inzwischen der 7. oder 8. Baum – so ganz genau weiß er das nicht mehr. „Jedes Jahr a bisserl schwieriger" sei es, die Leute zu motivieren dabei mitzumachen und der „behördliche Kram" aufwendiger.

Maibaum 1

Ohne Ludwig Darchinger geht in Herrsching gar nichts, wenn es um den Maibaum geht!

Da gilt es den Baum auszusuchen, zu fällen, zu schälen und schließlich zum Rathaus zu transportieren. Und dann die Bewachung rund um die Uhr. Hier sind die Vereine im Dorf gefragt und so ein Dienst über die ganze Nacht hinweg hat es schon in sich. Der Hilfsdienst Herrsching e.V. hatte sich bereits im Februar gemeldet und viele andere sind nachgezogen. Natürlich D'Herrschinger als Hauptorganisatoren, aber auch der Obst- und Gartenbauverein war häufig vor Ort. Der Seehof kam gleich mit einer riesigen Musikertruppe und Flügel im Gepäck anmarschiert und machte aus ihrer Nachtwache ein Musikspektakel, das bis in die frühen Morgenstunden ging. Der Kindertreff war da, der Gewerbeverband nutzte die lange Nacht, um Gläser für ihre Veranstaltungen mit dem Vereinslogo zu gravieren, die Blaskapelle verlegte den Übungsabend ins Zelt, Bauerntheater, Volleyballer, die Post und viele andere mehr. Und so kam es auch, dass die verschiedensten Geräusche aus dem Zelt tönten. Von Kinderlachen über Blaskapelle hin zu munterem Chorgesang des Cantilena-Chors ... und es so manchem Anlieger es zu viel wurde.
„Es ist ja schließlich nur alle 4 Jahre" versuchte Ludwig die Anrufer zu beschwichtigen, die bei ihm ihre Beschwerden loswerden wollten. Und eigentlich hat er in dieser Zeit auch andere Sorgen, als Ruhestörungen zu vermeiden. Da gilt es die Schablonen für die Bemalung des Baums auszumessen und anzufertigen. In der Nähe des Fußes das Rautenmuster und darüber die „Einbandelung" – ob links- oder rechts herum, ist Ansichtssache. Ebenso wie die blaue Farbe. „Jedes Mal werden wir angegangen, weil wir das falsche blau wählen" meint der Malermeister kopfschüttelnd – dabei benutzen sie das „Bayrisch-blau", was ursprünglich vorgesehen war und nicht das „königsblau", wie inzwischen viele andere Gemeinden. Aber vor dem Anstrich gilt es aber noch die Kriegsverletzung des künftigen Symbols zu verarzten: ein Granatensplitter hatte ihn im 2. Weltkrieg getroffen und Darchinger geht hier mit einem Zweifach-Komponenten-Kleber zu Werke. „Der große Bruder von ihm aus dem gleichen Forst, der die letzten 4 Jahre stand, hatte nur Schussverletzungen abbekommen". Auch Bäume leben gefährlich und gut, wenn dann jemand wie Ludwig Darchinger zur Stelle ist. Sorgfältig verspachtelt er die Wunde, legt die letzten Schablonen an, während ein Lehrling und Hans Doch an einer anderen Stelle die Farbe auftragen. Arbeit erledigt? Die Schaaren müssen noch – natürlich auf Maß! - geschnürt und der eigens mitgebrachte Pizzaofen einschürt werden, um die kommenden Wachen bei Laune zu halten – „aber wir liegen gut in der Zeit".
Alleine mit dem Aufstellen des Maibaums ist es halt doch nicht getan - gut, dass es nur alle 4 Jahre ist!

Maibaum 4

Für die letzten Meter sind weniger Kraft als mehr Fingerspitzengefühl notwendig, damit der Baum nicht auf die andere Seite fällt

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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