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Wenn ein Bioluftbefeuchter auch Kühe melken kann -

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 05. Juni 2016

... dann kann man fast sicher sein, sich in einer Vorstellung des ImproVaria zu befinden! Sobald der jüngste Spross des Ammerseer Bauerntheaters auftritt, gibt es immer nichts, was es nicht gibt. Die kleine Truppe um Gerd Neumayer hat sich inzwischen zu wahren Spezialisten entwickelt, aus den noch so verqueren Vorgaben des Publikums Formate zu entwickeln, die im Spiel ein unglaubliches Eigenleben entwickeln – um am Ende doch wieder den Weg zur Ursprungsidee zu finden. Ob spritzig, nachdenklich oder verrückt, ob mit vielen Worten, ohne Worte oder gesungen: die Zuschauer kamen mal wieder voll auf ihre Kosten bei dieser Aufführung!

50 Jahre Ammerseer Bauerntheater, dann Jugendtheater, Kindertheater – und nun seit einigen Jahren auch ein Improtheater. „50 Jahre Jubiläum bedeutet immer auch Entwicklung" betonte der Vorsitzende Franz Czasny bei seiner Begrüßung zu diesem Abend. Und so wie der ganze Verein eine fortlaufende Entwicklung mitmacht, sei es in spielerischer Hinsicht als auch in der immer besser werdenden Ausstattung, so legt auch das Improtheater immer wieder kräftig zu. Spielerisch sowieso und durch die Ergänzung mit den musikalischen Einlagen seit einiger Zeit noch vier mehr. (Wenn sich Gerd Neumayer ans Klavier setzt, freut man sich schon im voraus auf die folgende Szene!) Jetzt haben sie auch an der Technik gefeilt und bereichern ihre Auftritte durch gezielte Licht- und sonstige Effekte: Mit Hilfe von Maximilian Mantz wurde diesmal so manche Szene erst ins richtige Licht gerückt!

Improvaria 3

So sieht es aus, wenn ein Improtheater einen klimaneutralen Erlebnisausfug auf die Zugspitze macht. V.l.: Petra Ziegler, Eva Möll, Gerd Neumayer, Tom Dittmar, Rebekka Müller-Mannchen

Aber was wären Licht- und Raucheffekte ohne die richtigen Einfälle. Und hier steigerten sich Theatermannschaft und Publikum mit jedem Stück. In so einem großen Saal wie dem Andechser Hof dauert es leicht ein bisschen länger, bis die Interaktion zwischen diesen beiden Hauptdarstellern in Fahrt kommt. Aber hier ist auf das Herrschinger Publikum und ihre Gästen von anderswo inzwischen Verlass. Mit jedem Format wurden die Vorgaben kurioser und man war gespannter, was der Truppe dazu einfallen würde. Da muss der Verbrecher (Schlagfertig wie eh und je: Tom Dittmar) schließlich darauf kommen, dass er einen Ritualmord mittels Samurai-Schwert an seinem Papagei verübt hat – und bekommt dafür nur „Tipps" von fremden Händen, die ihm Petra Ziegler (die vor Spielfreude und Temperament nur so sprühte) dafür „leiht". Dabei ernst zu bleiben ist keine leichte Aufgabe für die Kommissarin (Eva Möll – nach einer Pause nun wieder voll dabei und mittendrin).
Und was liegt näher, als dass aus den Stichpunkten „Zugspitze" und „Kindergarten" eine „klimaneutrale Erlebnispädagogik" wird? Rebekka Müller-Mannchen scheint wirklich nie um eine Idee verlegen zu sein! Und so richtig viel Gelächter kommt auf, wenn man den Schauspiel-Kollegen mal ein bisschen ärgern kann. Ein Vortrag über das Paarungsverhalten von Eidechsen lässt den Gebärdendolmetscher eine konditionell sehr anspruchsvolle Leistung hinlegen, als Gerd Neumayer genüsslich entsprechende Passagen wiederholt, die Tom Dittmar viel am Boden herumzappeln lassen.
Rebekka Müller Mannchen, Eva Möll, Petra Ziegler, Tom Dittmar und Gerd Neumayer haben an diesem Abend wieder eine Leistung hingelegt, die Lust auf mehr macht. Schlagfertig, witzig, einfallsreich und ausdrucksvoll können sie einander anscheinend blind vertrauen, sich im entscheidenden Moment die richtigen Schlagwörter zu liefern. Gekonnt meisterten sie die Herausforderungen aus dem Publikum und behielten dabei immer vor allem eines: die spürbare Lust an ihrer so eigenen Form der Schauspielkunst!

Improvaria 1

Kein Mord mit Schrecken, sondern das Ende einer Klangschalenmeditation stellt diese Szene dar

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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