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So ein Theater! Das Ammerseer Bauerntheater führt spielend durch die Geschichte Herrschings

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 08. Juli 2016

A bisserl besser über Herrsching Bescheid wissen als der Nachbar – so kennzeichnet Alexander Tropschug ein Ziel dieser „Premieren-Prozession", wie er diese erste Ortführung grinsend bezeichnete. Das Ammerseer Bauerntheater feiert 50-jähriges Jubiläum und hat das zum Anlass genommen, neben ihren zahlreichen Theatervorstellungen auch etwas ganz neues auf die Beine zu stellen. In informativen aber gleichwohl sehr kurzweiligen Ortsführungen lassen sie an sechs Terminen für alle Bürger und Gäste das alte Herrsching lebendig werden. Ob über die Kirchen, die erste Schulklasse, alte Höfe und geschichtliches: wer nach diesem Rundgang nicht den Nachbarn übertrumpfen kann, ist selber schuld!

„Einfach verschenkt hamm's es!" Der alte Kare Nandlinger grummelt ein bisschen vor sich hin, als er da unter dem Maibaum die vielen Gäste der ersten Ortsführung begrüßt. Um die 70 Herrschinger mitsamt Bürgermeister Christian Schiller, seiner Frau sowie ein paar Touristen wollten gleich beim ersten Mal dabei sein, als einige Mitglieder des Ammerseer Bauerntheaters lebendigen Geschichtsunterricht präsentierten. Den Anfang macht Alexander Tropschug alias Kare Nandlinger, den alle „echten" Herrschinger bestimmt noch kennen. Tag ein, Tag aus sah man ihn auf seinem schweren Stahlrad durch den Ort fahren und auf dem Weg nach Andechs hoch so manchen Mountainbiker locker abhängen. An diesem Tag erzählt „er" als Protagonist über die Geschichte seiner Heimat.

Ortsfuehrung Theater 2

Ein großer Tross von Leuten zog bei der ersten Ortsführung durch das Ammerseer Bauerntheater durch die Straßen von Herrsching

Da war also das eingangs erwähnte Verschenken dieser kleinen Fischergemeinde, die damals, zur Zeit Karl des Großen, noch im schönen Landstrich Huosigau lag. Benannt nach einer alten Adelsfamilie, den Huosiern, dessen Familienmitglied Isenhart Herrsching dem Kloster Schlehdorf schenkte. Dieser Akt wurde 776 urkundlich erwähnt und dieses Jahr gilt seither als offizielles Gründungsdatum von Herrsching. „Horscaningun" war damals der wohlklingende Name, abgeleitet von dem Benediktinermönch „Horskeo" aus Schlehdorf. Über Horschingen, Hörsching wurde am Ende Herrsching. Und während heute – nicht ganz freiwillig – Widdersberg und Breitbrunn zu der Gemeinde gehören, waren damals Ellwang, Rausch und Ramsee die eigentlichen Ortsteile. Auf alten Fotos zeigt der „Fremdenführer" jetzt und auch in der folgenden Führung immer wieder Bilder, die jene „alten Zeiten" auch sichtbar machen.
Nach so viel Geschichte auf einem Fleck zog Alexander Tropschug mit dem Originalfahrrad vom Nandlinger dann langsam weiter zum nächsten Platz der Führung. Vorbei an der Nikolauskirche („Wie viele Kirchen gibt es in der Gemeinde?" – Auf die richtige Zahl 7 kam keiner), an der Reinigung, wo früher die Betriebsstation der Isarwerke war, der „Villa", einst ein Wohnheim für die „Noblen", dann Heimat des „Wetten Das"-Initiators und später die erste Fahrschule Herrschings. Das aktuelle Kino, welches früher im Tengelmann zu Hause war und eine Teilnehmerin sich noch an den letzten Film dort erinnern konnte: „Unser Doktor ist der Beste" mit Roy Black!

Ortsfuehrung Theater 5

Mit Hilfe alter Bilder und vielen Erzählungen wurde das alte Herrsching im Zuge der Ortsführung wieder lebendig gemacht

Weiter am Foto-Studio vorbei, wo sich einst die erste Garage und auch Busunternehmen niederließ, beim Stürzer, in dessen Haus die Polizei für Recht und Ordnung sorgte. Ein Blick zur alten Schule, deren damalige Grundstücks- und Baukosten (1877) bei Christian Schiller wehmutsvolle Träume verursachten. Aber damals waren die Bürgermeister ja auch hauptberuflich noch anderswo tätig, wie z.B. Benedikt Rehm. Er baute Ende des 19. Jahrhunderts das Gasthof im Kiental, in dessen Gebäude heute Heine Optotechnik sein Zuhause hat.

„Ja, was macht's denn ihr da!" Das Kutta Miedl (Simone Saalmann),mit leicht verrußten Gesicht zetert aufgebracht den großen Tross von Leuten an – und übernimmt damit gleich ihrerseits die weitere Führung. Wie die „Buam" die Totenschädel den Hang von der Martinskirche gerollt haben – Kirchengeschichte geht auch anders. Und weiter zieht man entlang der alten Ortsgrenze von Herrsching auf der Suche nach alten Geschichten und Gebäuden. Die Namensgeber vieler Straßen bekommen ein Gesicht dazu und auch die „Post" als alte Poststation enthüllt ihre Laufbahn.
Bei Kare Nandlingers alter Heimat stößt auch Toni Stumbaum (Robert Brack) aus der alten Fischereifamilie mit dazu. Hinter drei Führern nun geht die Runde munter weiter, denn natürlich gehören auch der Bahnhof und sein Einfluss auf das Örtchen mit dazu. Die Fischerei, die Feuerwehr („Damals hods no koane 5 Milliona braucht, damit die Herrschinger Feierwehr ihra Arbat macha ko."), der erste „Rasensportverein und noch so viel anderes. Auf dem Weg zur letzten Station, dem Kurparkschlösschen, schleicht düster der „Schäuferlmo" heran. Unheilvoll die Schaufel schwingend soll er der Sage nach so manchen Bauern aus Ramsee auf dem Gewissen haben - Herrsching ist wirklich reich an Geschichten (und täglich kommen neue mit dazu!).

Ortsfuehrung Theater 1

Die drei „Hauptdarsteller" der Ortsführung durch Herrsching, Toni Stumbaum (Robert Brack), das Kutta Miedl (Simone Saalmann) und Kare Nandlinger (Alexander Tropschug)

Sie taugen also auch als Fremdenführer. Zwei Stunden Führung so unterhaltsam verpackt, dass die Zeit wie im Nu vorüberging. Und dabei doch so viel erfahren, dass auch Einheimische hinterher mit anderen Augen durch ihren Ort gehen. Die Geschichten von Häusern und Straßen lebendig gemacht, alte Sagen mit eingeflochten und dabei ganz nebenbei viel Wissenswertes mitgeteilt. Gespielt, erzählt, gezeigt und improvisiert - die Mitglieder des Ammerseer Bauerntheaters haben hier mal wieder wirklich erstaunliches geleistet und mit Hilfe der Gemeindearchivarin Frederike Hellerer einen gelungenen Ausschnitt über die Geschichte von Herrsching ausgegraben. Wer an einem der nächsten Mittwoche um 19.00 Uhr noch Zeit hat, sollte einfach mal vorbeischauen.

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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