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„Bayrische Amtsgerichtsanekdoten“ – Das Ammerseer Bauerntheater geht vor Gericht!

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 10. Oktober 2016

Die Rechtsprechung in Deutschland ist ein hohes Gut und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Das gilt natürlich auch für die in Bayern. Nur, dass es hier doch manchmal etwas anders zugeht, als in den anderen Bundesländern. Und dass „damals", in den Zeiten des Prinzregenten Luitpold, eh einfach alles viel besser war. Denn zur guten alten Zeit hatte noch das Königlich-Bayrische Amtsgericht für Ruhe und Ordnung gesorgt – und wie das aussehen kann, zeigte das Ammerseer Bauerntheater in drei überaus vergnüglichen Akten aufs Beste. Der Kultursaal des Andechser Hofs als Sitzungssaal und die Zuschauer mittendrin: Für ihr Jubiläumsstück hat sich der Verein auf seine Wurzeln besonnen und zeigte auch hier wieder mal eine wirklich bühnenreife Vorstellung!

Er freue sich „die gesamte Gemeindespitze des Ammersees" begrüßen zu dürfen, strahlte Franz Czasny bei der Begrüßung zur Premiere des Jubiläumsstücks. Alle drei Bürgermeister hatten es sich nicht nehmen lassen zu dieser Aufführung zu kommen – neben Altbürgermeister Adolf Wexelberger, vielen Gemeinderäten, den Pfarrern beider Kirchen – und natürlich ganz vielen anderen Gästen, die noch eine Karte erwischt hatten. Das Bauerntheater ist ja immer ein Garant für einen unterhaltsamen Abend und die Premiere halt doch noch etwas ganz Besonderes.
„Zurück in die Vergangenheit beamen" wollten sie die Zuschauer, grinste Franz Czasny – zurück in die Zeit wo die „Burschen noch schneidig und die Dirndl sittsam" waren. Und wo die Kleidung einfach noch fesch war, muss man neidlos hinzufügen. In prachtvollen und detailgenauen Kostümen wurden die Gäste stilvoll im „Sitzungssaal" empfangen und zu ihren Plätzen geleitet – wo überall verteilt auch solche Gestalten aus dem vergangenen Jahrhundert weilten. Mitglieder des Ensembles hatten sich unter die Zuschauer gemischt und sorgten mit ihrer regen Teilnahme am Geschehen im Gericht für eine ganz eigene Atmosphäre im „Zuschauerraum". Denn klaglos wurde es beileibe nicht hingenommen, wenn einer der „Ihren" sich vor dem Richter verantworten muss, nur weil so ein Zugezogener mal wieder alles falsch versteht.
Und so heißt es aufstehen wenn der Richter (Rainer Bartsch, der von Fall zu Fall immer mehr in seiner Rolle aufgeht) den Saal betritt und feierlich die Gerichtsakte aufschlägt. Das daraus erst einmal die Wurststulle seines Schreibers (Thomas Jäger – nach längerer Pause mal wieder dabei und das mit einem Ausrufezeichen) herausfällt ist ja wohl ohne Bedeutung für den Fall, wo es immerhin um vorsätzliche Körperverletzung geht. Die Kräuterhex Notburga (vortrefflich Anja Seitz) hatte dem Redakteur (Walter Kilian – affektiert und einfach gut) statt Schmerzmittel ein Abführmittel verabreicht, wodurch sich dieser sich nicht bei der Maibaumfeier unter die Dorfbevölkerung mischen konnte. Deren rüpelhaftes Benehmen er allerdings nicht müde wird, in seinen Artikel zu betonen und darin selbst Jodeln mit japsenden Geräuschen vergleicht. Auch für das Schuhplattleln in den „aus Tierleder gegerbten Beinkleidern" findet er nur vernichtende Beschreibungen – und so sei es schlussendlich nur seiner eigenen Sicherheit dienlich gewesen, ihn hier fernzuhalten. So jedenfalls fällt der Bürgermeister (Eine Rolle für Rudi Pauker, zu der man nichts mehr sagen kann. Mimik, Gestik und der ganze Mensch: er ist der Pfaffinger, Anderl sobald er in die Nähe der Bühne kommt) sein salomonisches Urteil und besiegelt das Ganze mit Weißwurst und einer Maß Bier. Sehr zur Freude aller Beteiligten, denn noch eine Kostprobe des Gesangsvereins Liebesglück, deren Vorsitzende (eine grandiose Monika Nebel) als Zeugin geladen war, möchte eigentlich niemand mehr ertragen...

Bauerntheater 7

Bei einer reibungslosen Verdauung braucht es eigentlich kein Abführmittel – aber für ungewollte Gäste dann halt doch

Im 2. Akt aber sitzt der Bürgermeister gar selber auf der Anklagebank. Der Lustgarten der Baronesse Eulalie von Hohenschlag, die von Angela Schneiderbauer genauso gespielt wird, wie es der Name vorschlägt, wird zerstört. Gutsverwalter Friedrich Thielemann, dessen Schleimigkeit Manfred Huber mit sichtlichem Genuss überzeugend umsetzt, ist entsetzt – vor allem weil der König beim Akt der Zerstörung anwesend war. Wie sich der Bürgermeister hier herauswindet und aus dem Trampelschwein Fini plötzlich Josephine die geliebte Rennsau wird, muss man gesehen haben. Oder gehört, wenn die Hanni Göppel als Zenzi ihren fulminanten Auftritt hat und damit ihren angebeteten Severin (Franz Czasny) auch gleich noch die Haut rettet.

Bauerntheater 3

Französische Lustgärten und Rockoko-Pavillons – kein Wunder, wenn da mal so eben eine gutbayrische Rennsau durchgejagt wird!

Und welcher „Zugezogene" bis dahin mit dem Bayrischen Dialekt noch leichte Verständnisprobleme hatte, der wurde im 3. Akt voll und ganz entschädigt. Ralf Bürklen hatte seinen Auftritt und von nun an schwäbelte es ganz gewaltig auf der Bühne. Als Herzog, Wilhelm nimmt er auf dem „Anklagebänkle" Platz und hier sei auf das Komma hinter dem recht eigenwilligen Nachnamen verwiesen. Denn ebenjener machte es sich zum Spässle, mit Kleidung und Namen den Bürgermeister und Bäuerin (so entrüstet kann nur sie sein: Renate Barsch) zu derblecken, die bei Herzog nicht an Namen sondern Titel dachten. Es kommt zu einem genialen Wortgefecht, in dem bayrische Geschwätzigkeit auf schwäbische Redseligkeit trifft und Rudi Pauker und Ralf Bürklen zu Hochform auflaufen. Da hier keiner als Gewinner hervorgeht wird die Sache mit Fingerhakeln geklärt, in dem sich der Schabe – ebenso wie beim Jodele und Schuhplattele – als wahrer Meister entpuppt.

Bauerntheater 4

Schwäbische Geschwätzigkeit versus bayrische Redseligkeit sorgte für Verzweiflung beim Richter und viel Gelächter im Saal

Ein Bauerntheater aus der guten alten Zeit. Nach Boulevard, Krimi & Co spielten die Mitglieder mal wieder „klassisch" und zeigten auch hier eine Lust am Theater, die diesen Verein so ausmacht. Monika Jäger hatte sich mit diesen drei Akten Stücke ausgesucht, die viele Paraderollen für langjährige Mitglieder bereithielten und von allen (auch die hier nicht namentlich erwähnten!) mit sichtlicher Spielfreude und Können ausgefüllt wurden. Selber als angeregte Spiel-Zuschauerin mitten im Geschehen, merkte man ihr die Spannung während der Premiere immer wieder an. Würde alles so gut klappen, wie in den letzten Proben? Kommt alles so rüber, wie sie es sich vorgestellt hatte? Es klappte wie am Schnürchen und es kam rüber – und es war ein toller Abend!

Bauerntheater 1

So viele Mitglieder des Ammerseer Bauerntheaters waren diesmal dabei, dass sie am Ende der Vorstellung kaum gemeinsam auf die Bühne passten

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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