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„Asyl ist Menschenrecht“ Eine Woche dreht sich in Herrsching alles um diese grundlegende Erklärung

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 24. Januar 2017

„Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen." So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und so wurde es auch lange Zeit von der Mehrheit in Deutschland nicht in Frage gestellt. Die steigenden Flüchtlingszahlen und die unterschiedlichen Reaktionen in der Politik aber haben für viel Verunsicherung gesorgt. Einwanderungsquoten, Obergrenzen, schnellere Abschiebung, Bleibeperspektiven und viele andere Schlagworte mehr geistern durch die Presse und helfen nicht gerade für mehr Klarheit. Das Thema Flüchtlinge scheint sich zu einer Art Bewährungsprobe für den Zusammenhalt in Deutschland und auch innerhalb Europas zu entwickeln.
In Herrsching gibt es ein breites Bündnis an Institutionen und Einzelpersonen, die sich aktiv für diese Menschen einsetzt. Und sie alle hatten sich jetzt zusammengeschlossen, um gemeinsam in verschiedenen Veranstaltungen etwas für mehr Aufklärung und Verständnis zu tun.

Den Auftakt dieser Aktionswoche bildete die Eröffnung einer Ausstellung im Kurparkschlösschen. Martin Hirte, Koordinator dieser Aktion, freute sich so viele Gäste begrüßen zu können. „Die meisten Geflüchteten wollen eigentlich gar nicht aus ihrer Heimat weg" betonte er - sondern würden durch Kriege oder andere Nöte dazu gezwungen. Auch seien die westlichen Länder nicht immer ganz unschuldig an der Situation, die in einigen Ländern die Menschen vertreibe.
Auch Schirmherr der Ausstellung Christian Schiller fand das zahlreiche Erscheinen sehr positiv und bekundete seinen Stolz darüber, mit wie viel Herzblut und Engagement sich die Herrschinger einsetzen würden. Ohne den großen Arbeitseinsatz der Ehrenamtlichen wäre die Aufgabe für die Gemeinden zu groß und er hofft, dass durch die Woche viele Menschen angesprochen werden. „Die Flüchtlinge haben nicht zur Gaudi ihre Heimat verlassen und entsprechend sollen sie hier aufgenommen werden."

Asylwoche 3

Er war der Koordinator dieser Woche rund um das Thema Asyl: Martin Hirte (in der Mitte) mit Christian Schiller und Dr. Stefan Dünnwald

Zuletzt sprach noch der Migrationsforscher und Mitarbeiter im Bayrischen Flüchtlingsrat Dr. Stefan Dünnwald über seine Arbeit. Unzählige Anfragen erreichen mittlerweile diese 1986 ins Leben gerufene Organisation. Angesichts der zuletzt ausgesprochenen Maßnahmen sprach er von einer „perspektivlosen Flüchtlingspolitik". Keine Arbeitserlaubnis und Ausbildungsmöglichkeit bei fehlender Bleibeperspektive würde zu viel Unruhe und auch „dummen Gedanken" führen. Abschiebelager ohne Beschäftigungsmöglichkeit und ohne Perspektive seien für die Bewohner Pulverfässer. Dünnwald erwartet bis Ende des Jahres ca. 300.000 Flüchtlinge in Bayern ohne Bleibeperspektive. Das bedeutet 300.000 Menschen, die nichts machen dürfen, die keine Ausbildung beginnen oder weiterführen dürfen, die nicht in festen Arbeitsverhältnissen unterkommen können – sondern auf ihre Abschiebung warten.
Die Plakate der Ausstellung zeigten Informationen über Zahlen, Fakten aber auch Gefühle und Erlebnisse der Flüchtlingssituation. Über Fluchtwege, die Abkommen mit der Türkei und Griechenland, Asylverfahren, das Scheitern einer europäischen Politik, einzelne Flüchtlingsschicksale und anderes mehr. „Die Ausstellung wurde uns von Pro Asyl zur Verfügung gestellt" erzählt Martin Hirte – und zuerst wollte man eigentlich nur diese zeigen. „Aber nach und nach wurden immer mehr Ideen über weitere Aktionen zusammengetragen und immer mehr Gruppen schlossen sich an. Am Ende entstand eine ganze Woche zu diesem Thema

Asylwoche 1

Die Künstlergruppe „Kunst im Einbauschrank" kärcherten im dichten Schneetreiben das Thema dieser Woche „Asyl ist Menschenrecht" vor das Kurparkschlösschen und auf andere Pflastersteine in Herrsching

Asyl ist Menschenrecht: darum ging es in der Ausstellung und diese Erklärung wollte auch die Künstlergruppe „Kunst im Einbauschrank" Nachdruck durch Hochdruck verleihen. Sie hatten eine Schablone gefertigt, auf der diese Erklärung ausgestanzt war und die sie mit Hilfe eines Hochdruckreinigers auf schmutzige Platten vor dem Schlösschen „sauberkärcherten". Nur durch leichtes Schneetreiben behindert setzten sie diese Aktion am folgenden Tag an verschiedenen Stellen im Ort fort.

In der Herrschinger Insel war eine Lesung von Fridolin Schley zu hören. In seinem Buch „Die Ungesichter" erzählt er die Geschichte der 15-jährigen Somalierin Amal, die er über eine Flüchtlingsorganisation kennengelernt hat. Schley schreibt – und liest – ohne Zeichensetzung und macht dadurch dieses ständige Gefühl des Getrieben-Sein der jungen Frau ganz besonders deutlich. Eine sehr gut besuchte Lesung, die unter die Haut ging.

Ricardo Volkerts ist ein Name, der sowohl für feurige Flamencomusik als auch das eindringliche Erzählen spanischer Literatur steht. Letzteres wählte er gemeinsam mit dem Cellisten Jost Hecker für sein Benefizkonzert zugunsten der Flüchtlingshilfe. Eindringlich erinnern die von ihm vertonten Gedichte daran, wie immer wiederkehrend das Thema Flüchtlinge ist. Schon immer wurde die Literatur als ein Medium benutzt, auf Missstände aufmerksam zu machen. Namen wie Frederico Garcia Lorca, der als linker Homosexueller im spanischen Bürgerkrieg ermordet wurde. Pablo Neruda, der aufgrund kritischer Schriften fliehen musste – und später selber vielen Menschen die Flucht aus Spanien nach Chile ermöglichte. Der spanische Dichter Antonio Machado, der auf einer Klostermauer eine Inschrift entdeckte und daraus ein Gedicht machte: „Wanderer, Wanderer es gibt keinen Weg. Der Weg entsteht erst, wenn Du ihn gehst." Machado starb auf seiner Flucht über die Pyrenäen.
Ein eindrücklicher Abend, dessen Texte zum Nachdenken anregten und dessen Musik den Gäste noch lange im Ohr blieb. Und dessen Abschluss das wohl bekannteste Lied der amerikanischen Protestbewegung bildete: „Where have all the flowers gone?"

Asylwoche 5

Jost Hecker und Ricardo Volkerts sangen „Lieder von Liebe und Krieg" zugunsten der Flüchtlingshilfe

Im evangelischen Gemeindehaus erzählte Karin Schreiber in literarischen Momentaufnahmen von Begegnungen mit Geflüchteten und wurde dabei musikalisch von Klaus Weighart unterstützt. Auch hier freute sich Pfarrerin Angela Smart über viele Gäste und erinnerte daran, dass gegenwärtig so viele Menschen auf der Flucht seien wie nie zuvor.

Drei Kinofilme rundeten diese Woche ab, die sich vielschichtig und informativ dem Thema „Asyl ist Menschenrecht" näherte. Ein Thema, das die Bevölkerung spaltet, aber auch viele Menschen mobilisiert hat. Das ohne die Hilfe und den unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen nicht zu schaffen ist und hier auch immer wieder neuer Kräfte bedarf. Aber auch eine Woche in der dieses Thema aus ganz vielen Blickwinkeln betrachtet wurde – und so vielleicht beim ein oder anderen etwas angestoßen hat.

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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