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Bürgerversammlung mit sphärischer Überraschung

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 16. Februar 2017

Bürgermeister Christian Schiller lieferte kurzweiligen Rechenschaftsbericht

 

Herrsching - ,,Herrsching ist die erste der Bürgerversammlungen auf meiner Tour, dann folgen Breitbrunn und Widdersberg", eröffnet Bürgermeister Christian Schiller den Donnerstagabend. 40 Themen habe er dabei, wie er den rund 250 Bürgern in der Martinshalle mitteilte. ,,Ich versuche aber, sie locker rüberzubringen", versprach er. Nach einer kurzen Begrüßung aller Anwesenden, darunter auch Landrat Karl Roth sowie Altbürgermeister Adi Wexlberger, begann der Bürgermeister seinen 90-minütigen Vortrag über die vielen Ereignisse des vergangenen Jahres und brachte die Zuhörer auf den aktuellen Stand der Gemeinde. 

 

 

 

Obwohl er es sich sehr gewünscht hätte, blieb es Christian Schiller auch dieses Jahr nicht erspart, in der Bürgerversammlung das Thema Toiletten anzusprechen. Als ein Beispiel nannte er die völlig verdreckte und verschmierte Bahnhofstoilette. ,,Es macht wirklich keinen Spaß mehr". Jede Woche müsse der Rohrreinigungsdienst kommen. Als Präventivmaßnahme gegen Vandalismus-Schäden habe man in den Bereichen der Bahnhofshalle, dem Kurparkschloss sowie an den Gebäuden beim ,,Seewinkel" Überwachungskameras für 12.000 Euro installiert. Der Bürgermeister führte ein Video vor, in dem ein junger Mann die Türe der öffentlichen Toilette am Kurparkschlösschen brutal mit dem Fuß auftritt. ,,Das waren wieder einmal ein paar hundert Euro", beklagte Christian Schiller. Er habe aber die Hoffnung, dass die Polizei bei der Auswertung der Aufnahme die Identität des Mannes ausfindig machen kann.

Insgesamt lagen die Kosten aufgrund Vandalismus im letzten Jahr um 20.000 Euro höher als im Vorjahr und beliefen sich auf 60.000 Euro.

 

Bei dem Tagesordnungspunkt ,,Sicherheitskonzepte" sprach der Rathauschef über die Umsetzung der Auflagen beziehungsweise Empfehlungen von Ministerium und Polizei bei Veranstaltungen ab 1000 Besuchern. Es müsse für jede Veranstaltung im einzelnen geprüft werden, welche Maßnahmen zum Tragen kommen. Beim traditionellen Schloßgartenfest könnte es deswegen in diesem Jahr zu einem Rucksackverbot und Taschenkontrollen kommen, es werden Securitiy-Kräfte vor Ort sein. Dennoch - eine 100% Sicherheit gibt es nicht.

Das Alkohlverbot im Kurpark konnte aufgrund einer Satzungsänderung von 22:00 bis 7:00 Uhr durchgebracht werden. 

 

Großes Lob sprach der Rathauschef dem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren aus Herrsching, Breitbrunn und den umliegenden Gemeinden aus, als starke Regenfälle am 25. Juli 2016 für Hochwasser sorgten (ca. 80 Liter je Quadratmeter in drei Stunden). Insgesamt wurden mehr als 200 Einsatzkräfte gebraucht. Die Einsatzschwerpunkte waren die Hechendorfer Straße, Rauscher Fußweg, Oberer und Unterer Stocketweg, die Summerstraße und die Realschule, die evakuiert werden mußte. Die Feuerwehr hatte rund 120 Einsätze in drei Tagen.

 

,,Ein Bild aus alten Tagen", klagte Christian Schiller wehmütig, als er ein Foto der alten Silberweide am Seeufer zeigte, die über hundert Jahre alt wurde. Der beliebte Kletterbaum und Schattenspender musste am 26. Juli 2016 aus verkehrsrechtlichen Gründen bis auf den Torso von ca. 5 Metern Höhe gefällt werden.  

 

Beim Thema Straßen und Verkehr seien die hohen Kosten für die Querungshilfe in der Seefelder Straße (insgesamt 290.000 Euro) auch der dort angeordneten Nachtbaustelle geschuldet. 

Die neuen Fahrradschutzstreifen auf der Staatsstraße durch die Ortsmitte stießen bei den Teilnehmern der Versammlung nicht nur auf positive Resonanz: Während die einen sich sicher fühlen, ist bei anderen das Gegenteil der Fall: Dr.Ulrich Fritzler zum Beispiel ärgert sich darüber, dass trotz der neuen Fahrradschutzstreifen die Radfahrer den Fußgängerweg benutzen. Er will wissen, was man dagegen tun kann. Der anwesende Polizeichef Schilling entgegnete, dass Kinder bis zum achten Lebensjahr den Gehweg benutzen müssen und das auch für Erwachsene gelte, die ihre Kinder begleiten. ,,Alle anderen haben auf dem Gehweg aber nix verloren", schloss er seinen Bericht. Der Schutzstreifen soll durch seine optische Markierung als Begrenzung dienen. 

Ein Herrschinger Bürger hatte so seine Zweifel, dass bei dem Bauvorhaben in der Rieder Straße auch das Verkehrskonzept genügend Berücksichtigung findet: ,,Wo bleibt der Platz für Rad- und Fußgängerwege", fragte er in die Runde. Daran sei im Nachhinein durch eine Erweiterung gedacht worden, versicherte Christian Schiller.

 

Neben Fragen zum Verkehrskonzept machten sich einige Teilnehmer für die verstärkte Nutzung von Bebauungsplänen stark. Ein Mann verurteilte den verstärkten Baudruck und die Tatsache, dass die Gemeinde zu wenig Einfluß auf das Aussehen der Neubauten nimmt. Auch Sabine Strack war der Meinung, dass die Gemeinde die Gestaltung neuer Bauobjekte nicht den Bauträgern überlassen soll. ,,Die Gemeinde sollte sich mit Bebauungsplänen beschäftigen", forderte sie. Christian Schiller verwies auf den Paragraph 34, der für Bauvorhaben im unbeplanten Innenbereich gilt und nicht beschnitten werden darf. ,,Bebauungspläne sollen nicht der Verhinderung von neuen Bauprojekten dienen, sondern ein Instrument städtebaulicher Prägung sein, vor allem für neu entstehende Ortsteile". 

Auch beim neuen Gymnasium wurden Stimmen laut. So forderte ein Nachbar des Grundstücks für das geplante Gymnasium eine Bürgerbeteiligung bei der Planung. 

Die Erstellung eines Bebauungsplans stehe zwar noch aus, dies werde aber auf jeden Fall berücksichtigt, bestätigten Landrat und Bürgermeister. Verkehrstechnisch soll noch in diesem Jahr im Kreuzungsbereich Schloss Mühlfeld ein Kreisverkehr gebaut werden, mit einer direkten Anbindung zum Schulgelände.

 

Womit die Herrschinger an diesem Abend wohl nicht gerechnet hatten, war die Überraschung, die Christian Schiller für sie bereit hielt. Ein Foto, aufgenommen von der ISS am Samstag, den 19. Oktober 2013, zeigt das Herrschinger Wappen zusammen mit dem Wappen der iatlienischen Partnergemeinde Ravina. Der Astronaut Luca Parmitano war damals auf einer Mission im Weltall und schoss dieses Foto. ,,ESA-Missionschef Roland Lüttges ist Herrschinger und ein Freund von mir. Er hat damals diese Aufnahme von Oberpfaffenhofen aus organisiert", erzählte er aufgeregt. 

2018 gibt es wieder eine Mission auf der ISS - mit Alexander Gerst, der dann Kommandant ist. ,,Meine Idee ist die folgende", begann der Bürgermeister. ,,Wir treffen uns alle im Sommer auf dem Sportplatz. Von einer Drehleiter oder einer Drohne aus soll das Foto aufgenommen werden". Anschließend müsse man das Bild als Poster oder Plakat zur ESA nach Köln schicken. Bis es bei Alexander Gerst auf der ISS landet und von dort aus fotografiert werden kann, muss es allen Anforderungen gerecht und jede Aktion minutiös geplant werden. Das Ergebnis soll dann umgehend elektronisch zur Bodenstation geschickt und nach Herrsching übermittelt werden. ,,Ich habe mich schon mit dem Copy-Shop geeinigt", freut sich Christian Schiller.

 

 Für Sie berichtete Nicole Burk.

 Bürgerversammlung Herrsching

 Auf der diesjährigen Bürgerversammlung gab es wieder einen unterhaltsamen Themen-Rundumschlag                                                                                   

 

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