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Das Ammerseer Bauerntheater durchlebt einen verlustreichen Abend: „Und dann gab’s keinen mehr“ von Agatha Christie bringt Spannung, Spaß und beste Unterhaltung in den ausverkauften Andechser Hof

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 03. April 2017

„Ihr müsst aufpassen, der Mörder ist einer von uns!" Regisseurin Hanni Göppel freut sich, so viele Gäste zur Premiere des neuesten Stückes begrüßen zu dürfen. Nach vielen Wochen des Einstudieren von Texten, Proben, Überlegungen, was noch besser gehen könnte, dem Bauen der Requisiten und vielen weiteren Arbeiten mehr war es nun endlich wieder so weit: Vorhang auf für ein neues Stück des Ammerseer Bauerntheaters, das die Zuschauer an diesem Abend mit auf eine einsame Insel nahm. In ein Herrenhaus ohne Gastgeber und keinem Boot, das sie wieder aufs Festland bringen könnte. An einen Ort, wo ein Mörder umgeht, der einen nach dem anderen tötet. Wo schließlich keiner mehr dem anderen traut, da eines ganz gewiss erscheint: der Mörder ist einer von ihnen!

Die Sekretärin Vera Claythorne (Ulli Steer glänzte hier überzeugend nicht nur durch die ständig wechselnde Garderobe) und Philip Lombard (Alexander Tropschug: auch das mit ausgeprägter Arroganz gepaarte Draufgängertum scheint ihm trefflich zu liegen) treffen als erste Gäste beim Butler-Ehepaar Rogers (durch und durch stilvoll: Christel Werner und Alexander Teubner) ein. Kein wirklicher Zufall, wollte der schneidige Lombard doch ein paar traute Stunden mit der feschen Sekretärin alleine für sich haben. Das die vermeintlichen Gastgeber sich verspäten würden, stört dabei nicht weiter, ist doch die Bar sehr gut bestückt. Und so stößt ein Gast nach dem anderen zu der eigentümlichen Runde, in der sich bald die verschiedensten Charaktere vereinen. Der etwas arrogante Anthony Marston (Franz Czasny, wie man ihn so gar nicht kennt), der junge und etwas zwielichtige William Blore, der sich mit falscher Identität und etwas überbeflissenen Eifer von Anfang an verdächtig macht (Tom Thaler, der hier in seinen Knickerboxers eine richtig gute Figur macht). Der steife General Mackenzie, dessen Arroganz Stefan Weber alleine durch sein Minenspiel vollendet ausdrückt. Die strickende und ach so pikierte Emily Brent, mit der Anett Klose im wahren Leben wohl höchst ungern in Kontakt kommen würde. Peter Schneider hat zwar als Dr. Armstrong einen Menschen auf dem Gewissen, aber scheint sich ansonsten in seiner Rolle pudelwohl zu fühlen – und Manfred Huber, der seit der Gründung des Theatervereins mit dabei ist? Er hat hier als Richter Sir Lawrence Wargrave eine Rolle gefunden, in der er nochmal so richtig aufgeht. Und insgesamt ein Ensemble, das gemeinsam der Geschichte des Vereins einen weiteren großen Erfolg oben drauf setzte.

BauerntheaterKrimi  3

So richtig gemütliche Stimmung kommt an diesem Wochenende auf der einsamen Insel nicht auf – unter Gästen, die sich nicht kennen und die einer nach dem anderen getötet werden

Zehn Gäste in einem Herrenhaus, auf einer kargen und felsigen Insel. Gäste, die sich weder untereinander, noch ihren Gastgeber eigentlich kennen und die – wie sich allmählich herausstellt – allesamt gehörig Dreck am Stecken haben. Eine Stimme aus dem Lautsprecher ertönt und wirft jedem Einzelnen seine Schuld vor, für die er zwar vor Gericht kam, aber nicht verurteilt wurde. Das das alte Kinderlied „Zehn kleine Kriegerlein..." erschallt und allmählich wird den ersten Gästen ein bisschen mulmig zumute. Und als dann Anthony Marston plötzlich zu röcheln anfängt und tot zusammensackt, breitet sich die Angst aus. Die Insel verlassen? Nicht möglich, da weder das Telefon funktioniert noch ein Boot vorhanden ist.

BauerntheaterKrimi  5

Cracker und Dosenfleisch ist alles, was für die Henkersmahlzeit noch übrig ist – Tom Thaler, Uli Steer und Alexander Tropschug sind „not very amused" ob ihrer prekären Situation

Die Verheißung nimmt seinen Lauf und einer nach dem anderen lässt sein Leben in dieser Runde. Mrs. Rogers tot im Bett, ein Messer im Rücken von General Mackenzie, die Axt trifft den Butler und munter geht das Sterben weiter. Wer ist der Mörder in dieser immer kleiner werdenden Runde und was hat es mit den ursprünglich 10 Pokalen auf sich, die einer nach dem anderen verschwinden? Zuletzt sind nur mehr Philipp Lombard und Vera Claythorne übrig – aber war wirklich einer von ihnen der Mörder? Oder war doch ein anderer Gast am Ende gar nicht richtig tot und zieht im Hintergrund die Fäden?
Bis zum Schluss bleibt dieses Stück spannend und stellt die Lösung am Ende vollends auf den Kopf. Und die Mitglieder des Ammerseer Bauerntheaters haben hier gezeigt: sie können nicht nur Bayrisch, sondern gehen ganz einfach in dem Stück auf, das sie gemeinsam auf die Bühne bringen!

Bauerntheater Krimi 1

Langer und lauter Applaus belohnte die Darsteller und Regisseurin von „Und dann gab's keine mehr" für das Lernen langer Textpassagen und einer tollen Darbietung

Es berichtete für Sie Barbara Geiling

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