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10 Jahre Herrschinger Tafel und Initiative Do It e.V.

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 11. Juli 2017

„Wenn mir vorher bewusst gewesen wäre, was da auf mich zukommt, hätte ich ein Kaffeekränzchen statt der Herrschinger Tafel gegründet!" Und so können viele Herrschinger Bürger nur froh sein, dass Karen Bauer eben dies nicht gewusst hat. Vor 10 Jahren hob sie mit Unterstützung der Initiative Do It e.V. die Herrschinger Tafel aus den Angeln, die für einen stetig gewachsenen Kundenkreis eine ganz wichtige Anlaufstelle geworden ist. Lebensmittel, die aufgrund kleiner Schönheitsfehler oder bald ablaufendem Verfallsdatum sonst in den Müll wandern würden, finden hier dankbare Abnehmer. Aktuell werden gut 60 Haushalte einmal wöchentlich mit Lebensmittelpaketen versorgt.

Es kann jeden treffen und die Kunden der Tafel ziehen sich auch wirklich quer durch alle Berufsgruppen: das Abrutschen an den sog. Rand der Gesellschaft und plötzlich abhängig sein von der Hilfe anderer. Gleichzeitig wandern 20 Prozent aller Lebensmittel in Deutschland in den Abfalleimer. „Containern" ist in diesem Zusammenhang ein Schlagwort geworden, das Sammeln von Lebensmitteln aus den Abfallbehältern vornehmlich vor Lebensmittelläden. Ob politisch motiviert oder darauf angewiesen: „Containerer" finden hier schön verpackt alles, was sie zu ihrem Lebensunterhalt benötigen.
Die Tafeln dürfen sich nicht aus Containern bedienen und auch keine Lebensmittel verteilen, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Sie dürfen kein Essen aus den erhaltenen Geldspenden dazukaufen und die Verteilung muss in hygienisch einwandfreien Räumlichkeiten stattfinden. Karen Bauer stöhnt ein bisschen, als sie an ihre letzte Schulung und die darin erläuterten neuen Auflagen denkt. Wenn ihr das Ganze manchmal zu viel wird, liegt dies bestimmt nicht an der Arbeit oder den Leuten, sondern alleine an der Bürokratie. „Wir sind rechtlich gesehen ein Unternehmen und genauso werden wir auch behandelt." Bei Beachtung aller Richtlinien „gäbe es uns gar nicht mehr."

Tafeljubilaeum 1

Sie alle sind seit Gründung der Herrschinger Tafel mit dabei und helfen bei der Versorgung Bedürftiger in der Gemeinde: Heidrun Albert, Werner Odemer, Karen Bauer, Ingo Strasser, Gabriele Praml, Christa König, Wolfgang Bäder (Do It), Christel Winter, Burkhart Siewert, Heidi Esser und Ottmar Flach (Do It)

Und trotzdem steht die Gründerin auch nach 10 Jahren noch mit dem gleichen Elan wie zu Beginn hinter der Tafel. „Mir klopft das Herz vor Freude, wenn ich sehe, wie toll das Team zusammenarbeitet!" Helfer, die Woche für Woche die Lebensmittel von den Läden aufsammeln und ins Lager bringen. Die Lebensmittelpakete zusammenstellen und an ihre Kunden verteilen. Die immer ein offenes Ohr für ihre Probleme haben und für sie da sind. Die aber auch prüfen, ob es sich bei einem Neuen um einen Trittbrettfahrer handelt oder wirklich um einen Bedürftigen. Ein „Superteam" von Menschen, die ohne die Tafel nie zusammengekommen wäre. Und die vor 10 Jahren auch ein bisschen Glück hatten, dass gleichzeitig ein paar Menschen die Initiative „Do It e.V." gründeten, um schnell und unbürokratisch helfen zu können. In einer kompakten Präsentation gaben deren Initiatoren Ottmar Flach und Projektkoordinator Wolfgang Bäder anlässlich der Feier zum 10-jährigen Jubiläum einen Rückblick über die Entwicklung beider Einrichtungen. Ihre Lebensmittel erhält die Tafel inzwischen von 15 Geschäften in und um Herrsching, aber wenn mal darüberhinaus etwas anfällt, hilft die Initiative schnell und unbürokratisch. Sei es ein kaputter Boden oder Mobiliar, die übergangsweise Bezahlung eines Lieferdienstes für einen Bettlägerigen, der Zahnersatz, Brille u.a. Maßnahmen, die sich vor allem Rentner oft nicht mehr leisten können.

Tafeljubilaeum 3

Im Namen der Herrschinger Insel bedankte sich deren Leiterin Barbara Meier-Steiger für den Einsatz von Karen Bader, denn „alle Beratung nützt nichts, wenn man nichts zu essen hat". V.l.: Wolfgang Bäder, Karen Bauer, Barbara Maier-Steiger und Ottmar Flach

An diesem Jubiläumsabend aber wurde gefeiert. Sponsoren waren gekommen, Helfer und andere Unterstützer der Einrichtung. Es fielen viele Worte des Dankes, vor allem gerichtet an Karen Bauer. Ohne sie wäre damals die Tafel nicht ins Leben gerufen worden und auch jetzt noch ist sie Dreh- und Angelpunkt der Einrichtung. Ohne Mitarbeiter aber ist das alles nicht möglich und so wurden mit ihr 10 Helfer geehrt, die von Anfang an dabei sind und zum Dank das Logo der Herrschinger Tafel als kleine Installation auf Leinwand erhielten.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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