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Zeit für einen Rückblick mit Ausblick nach vorne: Viele Bürger informieren sich auf der Bürgerversammlung in Herrsching

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 27. Januar 2018

Langeweile war noch nie das vorherrschende Problem der Gemeinde Herrsching gewesen. Ob die Fällung der Weihnachtsfichte, Wegesanierungen, Schulerweiterung, Einblicke in die Finanzen und anderes mehr: „an die 100 Themen hatten sich schließlich auf meinem Schreibtisch angesammelt" meinte Christian Schiller gut gelaunt zur Begrüßung der Auftaktversammlung in Herrsching. Und obwohl die Bürger alle Jahre wieder gerne diese Plattform nutzen, um sich über die Geschehnisse in ihrem Ort zu informieren, war man doch allgemein wohl dankbar, dass dem Bürgermeister noch rechtzeitig eingefallen war: „Oh Gott, ich muss kürzen!" Auf rund 36 Punkte hatte er also seine Präsentation beschränkt, in der er einen informativen und unterhaltsamen Querschnitt über das vergangene Jahr gab.

Dass es die Fällung der Weihnachtsfichte war, die zu seinen letzten Amtshandlungen des vergangenen Jahres gehörte, „war ein saudummer Zeitpunkt", wie Schiller selber zugab. Seit man denken kann, gehört der Anblick dieses prachtvollen und schön beleuchteten Baumes untrennbar zur Weihnachtszeit dazu. Der Befall mit Borkenkäfern, eine abgestorbene Spitze und eine unsichere Verästelung aber hatten – nach eigehender Prüfung – die Fällung notwendig gemacht, um die Sicherheit der Umgebung zu gewährleisten. Die Aktion hatte viel Unmut ausgelöst und der Bürgermeister wollte an dieser Stelle noch einmal die Notwendigkeit der Maßnahme darlegen.

Buergerversammlungen 1

Rund 270 Gäste kamen zum Auftakt der Bürgerversammlungen in Herrsching, um sich über die Ereignisse im vergangenen Jahr zu informieren

Andere Bäume im Gemeindegebiet dagegen waren von alleine den heftigen Stürmen zum Opfer gefallen und ein durchschlagenes Dachgeschoss in Widdersberg hatte schließlich dazu geführt, dass sich der Gemeinderat erneut mit der Baumschutzverordnung auseinandersetzte. Wenn Bäume im Garten eine Bedrohung darstellen, sollen sie in Zukunft leichter gefällt werden können.
In diesem Zusammenhang kam Christian Schiller auf die Feuerwehren in Herrsching und Breitbrunn zu sprechen. Fast 700 Einsätze haben sie im vergangenen Jahr – ehrenamtlich – geleistet! Und so wie diese engagierten Mitglieder für mehr Schutz und Sicherheit sorgen, machten auch Vorkommnisse im Kurpark neue Vorkehrungen notwendig. Pöbeleien von Betrunkenen und steigender Vandalismus hatten den Gemeinderat dazu bewogen, sich für ein Alkoholverbot nach 22.00 Uhr, mehr Befugnisse für die Sicherheitskräfte und die Anbringung von Videokameras auszusprechen. Der Bürgermeister konnte zufrieden berichten, dass diese Maßnahmen Früchte getragen haben.
Maßnahmen gegen die steigende Zerkarienroblematik beim Baden wüschen sich vor allem viele Kinder. Wie nach einer Mückeninvasion sehen sie zuweilen aus, wenn diese Larven sie befallen, die über den Kot von Wasservögeln ausgeschieden werden. Die Gemeinde hatte sich hierzu Informationen über Dr. Bernhard Ernst, dem Vorsitzenden der Fischereigenossenschaft Ammersee, eingeholt. Dieser sieht die eingeschränkten Jagdbefugnisse auf Gänse und Wasservögel als ursächlich für die Zunahme. Gespräche mit Umweltministerium, der Schlösser- und Seenverwaltung und dem Landwirtschaftsministerium, den Fischern ihr ursprünglich gesichertes Jagdrecht wieder zuzusprechen, sind bislang gescheitert. Für den Biologen Dr. Ernst aber ist eine Ausweitung der Jagdbefugnisse unumgänglich, um der Population wieder Herr zu werden. „Leider sind an den Bayrischen Seen so viele Ministerien involviert" seufzte Christian Schiller, „so dass hier die Beschließung von Maßnahmen sehr erschwert wird".
Ebenfalls nicht leichtgemacht wird jede Beschlussfassung, die die Bahn betrifft. So ist das Bahnhofsgebäude noch immer nicht entwidmet und die Schwalben trotz des „deutschlandweit einzigartigen Umsiedlungsprogramm für Vögel" nach wie vor Untermieter des Gebäudes. Beide Schritte aber sind Voraussetzungen dafür, dieses Haus einmal für andere Zwecke nutzen zu können. Auch der Bahnübergang bleibt leidiges Thema, da nach Auskunft der Verantwortlichen ein „Gleisgradient" die Untertunnelung der Rieder Straße verhindert. Die Angelegenheit sei jetzt beim Innenministerium und Schiller hofft dringend auf eine Lösung, da sonst die angestrebte Taktverdichtung zu einem Dauerstau bei der Bahnschranke führen würde.

Buergerversammlungen 3

In der Pause zwischen Präsentation und Fragestunde nutzen viele Gäste die Gelegenheit, sich an den Infoständen der Gemeinde und ihren Mitarbeitern zu informieren

Und während hier der Verkehr fließen soll, möchte man durch weitere Maßnahmen des Verkehrskonzeptes die Autos im innerörtlichen Bereich herunterbremsen. Neben den bereits aufgetragenen Fahrbahnmarkierungen werden im Frühling noch Pflanztröge aufgestellt um damit die Voraussetzungen für mehr Tempo-30-Zonen durchsetzen zu können. Dass diese Schritte mitunter auf wenig Akzeptanz stießen, sei der zuständigen Arbeitsgruppe durchaus bewusst betonte Schiller.
Das Verkehrskonzept, die notwendig gewordene Erweiterung der Christian Morgenstern Schule, neue Löschfahrzeuge für die Feuerwehr – all diese Projekte kosten viel Geld und so ist auch jedes Jahr wieder ein Blick auf die Finanzen interessant. Während die Gewerbesteuer hier weiterhin rückläufig ist, entwickelt sich die Einkommenssteuer seit mehreren Jahren erfreulicherweise positiv. 2017 konnten erneut Rücklagen gebildet werden und auch die Pro-Kopf-Verschuldung ist gesunken. Bei den Ausgaben bildeten 2017 die Kosten für Kinderbetreuung mit insg. 3,7 Mio. Euro ein Rekordhoch und mittlerweile werden in Herrsching mit ca. 600 Kindern so viele betreut, wie noch nie. Da kommt es passend, dass die Einheimischenmodelle an der Rieder Straße der Klosterwiese in Breitbrunn vorangehen. Trotzdem wird die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum eine der zentralen Aufgaben der Kommune bleiben.

Buergerversammlungen 2

Landschaftsarchitekt Roberto Kaiser, dessen Büro gemeinsam mit dem Architekturbüro Hähnig-Gemmeke den städtebaulichen Planungswettbewerb zur Ausgestaltung des Bahnhofareals gewonnen hatte, stellte die Pläne den Besuchern der Bürgerversammlung vor

Nach weiteren Nachrichten zum Geschehen innerhalb Herrschings erlangte zum Ende der Veranstaltung ein Punkt noch ein die volle Aufmerksamkeit der Gäste: Christian Schiller konnte die Sieger des Planungswettbewerbs zur Ausgestaltung des Bahnhofareals präsentieren, die hier persönlich ihre Ideen vorstellten. Ein Foyer zum Zentrum hin soll es danach werden, in dem der Autoverkehr außen vor - und statt dessen die Fußgänger hier ihren Platz zum Ankommen und Verweilen finden sollen. Sollten die Sieger auch das jetzt folgende Vergabeverfahren für sich entscheiden – wovon man ausgeht – könnte man sich im Gemeinderat dann langsam mit Detailfragen auseinandersetzen. Der Bürgermeister betonte, dass noch keine „Pläne in Beton gemeißelt" sind und man für Ideen der Bürger jederzeit offen wäre. In der Pause zwischen Versammlung und Fragestunde standen die Verantwortlichen der Architekturbüros den Gästen für ihre Fragen zur Verfügung – und noch stoßen die Pläne auf viel Skepsis, wie auch in der darauffolgenden Fragestunde deutlich wurde.
So befürchteten Anwohner der nahegelegenen Straßen des Bahnhofs ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und die ehemalige Bürgermeisterin Christine Hollacher bemängelte z.B. fehlende Wendemöglichkeiten für Autos und eine zu große Entfernung des Kiss & Ride-Standortes von der Bahn.
Hinsichtlich der Maßnahmen des Verkehrskonzeptes wurde das Fehlen ausreichender Querungshilfen für Fußgänger bemängelt. Die erwünschten Zebrastreifen oder Wiederaufnahme der roten Bänder aber täuschen nur eine erhöhte Sicherheit vor, bestätigte Polizeichef Erich Schilling. Mehr Wirkung erhoffe man sich durch Hindernisse wie z.B. die geplanten Pflanztröge, um so den Verkehr zu verlangsamen.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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