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Ein Klangfeuerwerk mit Tiefgang: Das MLV Schülerorchester präsentierte Stücke aus Lateinamerika

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 21. März 2018

„Ein Orchester ist ein groß besetztes Instrumentalensemble, bei dem zumindest einzelne Stimmen mehrfach besetzt sind." So spricht der Duden - und mehrfach besetzt war auf dem großen Frühlingskonzert der Musiklehrervereinigung Herrsching (MLV) wirklich fast jedes Instrument. Ob Geige, Flöte, Saxophon, Hackbrett, Schlagzeug, Cello, Gitarre und selbst das Klavier: 81 Musikschüler und Musiklehrer quer durch alle Alters- und Könnensstufen drängten sich bei diesem 24. Konzert auf die Bühne im Haus der Bayrischen Landwirtschaft. Ein Klangvolumen, wie man es nur selten erlebt und eine Begeisterung die sich auf das Publikum übertrug.

 

 

Der Saal im Haus der Bayrischen Landwirtschaft war bis auf den letzten Platz besetzt. Eltern der Schüler, Großeltern, Freunde – und auch immer mehr andere Gäste fanden sich ein, um diesem Konzert beizuwohnen. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass es sich bei dem großen Frühlingskonzert um Aufführungen handelt, die es in ihrer Art nur selten gibt. Statt Einzelvorträgen zuweilen nervöser Musikschüler kommen hier alle gemeinsam auf die Bühne und schaffen in diesem Format ein Gesamtwerk, das unter die Haut geht. „Wir wollen die Musik aus dem stillen Kämmerlein holen und die Schüler in ein großes Ganzes einbetten, damit niemand Angst vor Fehlern hat" meinte der Leiter der Musikschule, Karl Rellensmann, zur Begrüßung. Ein Rezept, das hörbar aufgeht – und das für besonders ihn, aber auch für die anderen Lehrer viel Einsatz erfordert. Stücke müssen für diese Besetzung arrangiert werden, die einzelnen Stimmen dann auf das Können der Schüler zugeschnitten und letztendlich noch alles zusammengefügt werden. Ein Einsatz aber, der sich für Zuhörer und Schüler unbedingt „lohnt" wie es u.a. auch der donnernde Applaus und die lauten Rufe nach Zugaben am Ender der Aufführung bewiesen.

MLV Jahreskonzert 1

Strahlende Musiker und donnernden Applaus gab es nach dem Konzert des MLV Schülerorchesters, bei dem 81 Mitwirkende eine kleine Auswahl der Musik Lateinamerikas vorstellten

Das Motto des Konzerts war in diesem Jahr „Lateinamerika" und wie jedes Mal erzählte hier nicht nur die Musik etwas über das Thema, sondern auch zwei Sprecher. Und während K.I. (die Künstliche Intelligenz, gesprochen von Julia Ziegler) einen unerschöpflichen Wissensvorrat parat hatte, brachte N.I. (die Natürliche Intelligenz - Samuel Flach) die Gefühle mit ins Spiel. Woher stammt der Name, wie erging es den Ureinwohnern bei der Eroberung und was verbirgt sich hinter den Werken, die hier so mitreißend aufgeführt wurden. Den Anfang machte das Stück Tico Tico von Zequinha de Abreu. Ein brasilianisches Stück über den populärsten Vogel dieses Landes für Vokal und Orchester. Mit Vögeln ging es weiter und wer kennt nicht „El condor pasa" aus Peru. Viel gesungen in Jugendgruppen und auch Simon & Garfunkel hatten dieses Lied über den Kampf für Freiheit für sich entdeckt. Früher handelte das Stück von einer Taube, die für den Frieden stand, bis es im Laufe der Zeit im Kampf für mehr Freiheit in den Minen umgedichtet wurde. Eindrucksvoll zu hören, wie hier anfangs die Violinen noch eher verhalten in die Melodie einführten, bis schließlich nacheinander das ganze Orchester einstieg und scheinbar diesem Ruf nach Gerechtigkeit Gehör verschaffte.
Ein kleiner Höhepunkt dann wurde Hijo de la Luna von José Maria Cano. Berührend die Geschichte über dieses Kind, das dem Mond geopfert wurde – und noch ergreifender seine Umsetzung. Mathilde Leitner sang das Solo zu diesem spanischen Werk und traf mit ihrer ausdrucksvollen Stimme so genau das Thema, als würde sie schon lange nichts anderes machen. Auch die Musiker im Alter zwischen gerade mal vier Jahren bis ins Erwachsenenalter ließen sich mitziehen und musizierten so eingespielt miteinander, das der Applaus kein Ende nehmen wollte. Wie übrigens auch im folgenden Stück, dem Libertango von Astor Piazolla, das ihnen ein Rhythmusgefühl abverlangte, an dem viele ihrer „großen" Kollegen scheitern.

MLV Konzert 4

Einen Beutel für ihre Noten samt kleiner Leckerei gab es für die Musiker als Dank für ihren großen Einsatz bei dem Jahreskonzert der MLV Herrsching

K.I. hatte „Gänsehaut" in ihren Ausführungen als eine durch das vegetative Nervensystem gesteuerte Reaktion erklärt, das bei Kälte zu mehr Erschließung von Luft zwischen den Haaren führt. Gänsehaut hatte wohl so mancher Zuhörer im Laufe dieser Aufführung bekommen – aber schlossen sich in den Erklärungsversuchen dabei vermutlich eher dem Einwurf von N.I. an: Kalt war es an diesem Abend wirklich nicht im Saal der Bayrischen Landwirtschaft!

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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