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Ein Jahresempfang der in Erinnerung bleiben wird: Von beeindruckenden Menschen, einem Musical der Extraklasse und einem Bürgermeister mit Showtalent

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 23. März 2018

„How can you say that?"
Mit diesen Worten ging Judas alias Marcus Teichert von der Bühne und überließ Bürgermeister Christian Schiller das Wort. Und dieser sagte noch viel an diesem Abend des Jahresempfangs, der bei den vielen Gästen lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Empfang, umrahmt von Ausschnitten des Musicals „Jesus Christ Superstar", mit Ehrungen von Menschen, die viel für die Gemeinde geleistet haben. Ein Abend auch, an dem die Goldene Bürgermedaille überreicht wurde und an dem ein glänzend aufgelegter Bürgermeister einmal mehr sein ungewöhnliches Showtalent und Schlagfertigkeit unter Beweis stellte. Rundum gelungen könnte man dazu sagen – und wird damit aber dem Jahresempfang von 2018 nicht richtig gerecht. Ein bisschen nachdrücklicheres Adjektiv scheint angebracht.

Zum Einzug der Gäste spielte die Crashband der Musiklehrervereinigung in der Ecke der großen Bühne. Ein junger Mann sang dazu und so langsam dämmerte den Gästen, welche Musik der Bürgermeister für diesen Abend als Einlage geplant hatte. Im vergangenen Jahr ein riesiger Überraschungserfolg gewesen und jetzt auf dem Jahresempfang? Und wirklich kamen auf einmal die Mitglieder des Cantilena-Chores auf die Bühne und präsentierten den Eingangschoral des berühmten Musicals „Jesus Christ Superstar" von Andrew Lloyd Webber. „Aufgeregt wie schon lange nicht mehr" sei sie vor dem Auftritt gewesen, meinte die Leiterin Elisabeth Schmidt. Ein ungewohntes Format für sie und ihre Gruppe aber im Resultat eine perfekte Umrahmung für dieses Ereignis!
Ein Empfang, auf dem auch in diesem Jahr wieder eine Reihe außergewöhnlicher und besonders aktiver Menschen der Gemeinde geehrt wurden. Menschen wie Simon Flach aus Herrsching, der nach dem Abitur für ein Jahr nach Uganda ging, um dort in einem Waisenhaus zu arbeiten. Für den ein Badeunfall in Sansibar plötzlich das ganze Leben auf den Kopf stellte und seither an den Rollstuhl fesselt. Ein junger Mann aber auch, der damals wie heute sein Leben lebt und scheinbar unbeeindruckt seine Ziele verfolgt. Auf Fernreisen geht er immer noch und vertraut darauf, dass ihm dort Hilfe angeboten wird, wo er sie benötigt. Und treibt gleichzeitig in seiner Heimat Projekte an, die auch auf dem Gedanken der gegenseitigen Hilfe basieren. „Gemein-Wohl-Wohnen" ist dabei sein größter Plan: ein Wohnprojekt, in dem Menschen mit Behinderung, Geringverdiener und Asylbewerber zusammenwohnen und in dem jeder gibt was er kann. Ein Projekt jenseits etablierter Schubladen, die Menschen in Behindertenheime und Flüchtlingsheime aufteilt. Das erste Wohnprojekt dazu wird in München am Rosenheimer Platz entstehen und bis zur Fertigstellung werden Simon Flach und seine Mitstreiter noch jede Menge Energie hineinstecken müssen.

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Ein Wohnprojekt, in dem Menschen mit Behinderung, Asylbewerber und Geringverdiener zusammenleben, organisiert Samuel Flach gerade in München

 

Für die Länder in der sog. Dritten Welt setzt sich auch Bruce Cawthra seit über drei Jahrzehnten ehrenamtlich ein. Als einer der ersten Mitarbeiter des Europäischen Patentamtes in München, gründete er die European Third World Association, die viele Projekte unterstützt – u.a. zahlreiche Projekte der Indienhilfe.
Dass es Armut und Hilfsbedürftigkeit auch hierzulande gibt, ist altbekannt und so ist die Gemeinde sehr froh über Einrichtungen wie den Hilfsdienst Herrsching e.V., der sich für diese Menschen stark macht. Seit über 20 Jahren mit dabei im Vorstand ist Susi Wirries, die sich zudem auch seit vielen Jahren für Menschen mit Demenzerkrankung engagiert. Sichtlich überwältigt kam sie für die Ehrung auf die Bühne, auf der vor einigen Jahren auch ihre verstorbene Mutter, Christa Sepperl für den unermüdlichen Einsatz geehrt worden war.

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Ehrenamtlich außergewöhnlich aktive Menschen, erfolgreiche Sportler, ein Chor mitsamt Crashband, der mit seinem Musicalerfolg für Furore sorgte und ein glänzend aufgelegter Bürgermeister ließen den Jahresempfang 2018 wieder zu einem großen Erlebnis werden

Für andere Menschen einsetzen aber kann man sich auch in ganz anderen Bereichen. Was z.B. wäre der 6. Dezember für die Kinder ohne einen Nikolaus in seinem roten Gewand und dem weißen Rauschebart? Werner Pöllmann ist wohl einer der „dienstältesten" Vertreter dieser Zunft und erfreut seit nunmehr 40 Jahren jedes Jahr hunderte von Kindern (und so manchen Erwachsenen!). Friedrich Schweyer widmet sich – nach einem Leben für die Schüler als Leiter der Realschule – seit nunmehr 35 Jahren der VHS. „Stolz" sei er darauf, dass aus den Reihen der Realschüler „Menschen wie der Bürgermeister hervorgehen" meinte er nach seiner Ehrung.
Ja, und sportliche Erfolge gab es natürlich auch wieder zu würdigen: als Dauergast beim Jahresempfang vertreten, Monika Quirmbach, die mit zunehmenden Alter scheinbar immer erfolgreicher wird. Einen 3. Platz bei der Europameisterschaft der Senioren z.B. bescherte ihr das Jahr 2017 – und ihr Erfolgsrezept? Fitness, Radfahren und schlank bleiben ... auf geht's!
Die weibliche Handball-B-Jugend Meister in der Bezirksoberliga, die zwei Segler Hans Peter Schwarz und Roland Kirst, Vizeweltmeister in der Bootsklasse Flying Dutchmann,
der Konditor Daniel Stahl schon mit 22 Jahren zum besten Nachwuchskonditor Deutschlands gekürt (und für diesen Empfang eine Schlossgartenfest-Torte gebacken hat, die viel zu schade zum Anschneiden war!), das Wirtshausehepaar vom Seehof mit einem Musikantenzelt auf der Oidn Wies'n, ein Verein, der – u.a. – jährlich das beliebte Schlossgartenfest stemmt, eine Delegation aus der Partnerstadt Ravina, Vertreter namhafter Gewerbe aus Herrsching und vieles andere mehr.

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Eine Torte die anzuschneiden sich anfangs keiner traute: das Schlossgartenfest aus den Händen von Konditormeister Daniel Stahl und getragen von den Initiatoren desselben, Ludwig Darchinger und Robert Brack

Konnte es da noch eine Steigerung geben? Es konnte und die Hauptfigur dieses Höhepunkts selber hatte am Wenigsten damit gerechnet: Ludwig Darchinger bekam die Goldene Bürgermedaille überreicht für sein vielfältiges Engagement zum Gemeinwohl der Gemeinde. „So vui hab' i doch ah ned gemacht" war sein erstaunter Kommentar auf diese Ehrung – und doch ist der Malermeister und Gemeinderat eigentlich immer vor Ort, wenn es etwas zu organisieren gibt. Maibaumaufstellen, Sonnwendfeuer, das Schlossgartenfest – viele Aktionen sind ohne ihn undenkbar und ein kaum enden wollender Applaus zeugte von viel Anerkennung. „Freut mich narrisch" murmelte er sichtlich gerührt. Und richtig gefreut hatte es Christian Schiller, dass der Gemeinderat, der diese seltene Auszeichnung in Abwesenheit von Darchinger einstimmig beschlossen hatte – im Vorfeld wirklich nichts verraten hatte.

 

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Für die streng limitierte Verleihung der Goldenen Bürgermedaille gibt es eine genau festgelegte Satzung und aktuell sind in der Gemeinde Herrsching nur fünf weitere Menschen Träger dieser Auszeichnung: mit Ludwig Darchinger werden es jetzt sechs sein!

Ein Abend dann, der im Foyer des Hauses der Bayrischen Landwirtschaft noch lange nicht zu Ende ging. Ein Abend auch, der nur durch den Einsatz einiger Mitarbeiter wie Bettina Schneck erst möglich wird. Und ein Abend schließlich, der in Ausschnitten zeigt, welche Bandbreite an Aktivitäten in dieser Gemeinde stattfinden und was für erstaunliche Menschen hier leben.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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