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Heilig oder Scheinheilig? Ein Dorf will keine neue Kirche, der Pfarrer redet ein ernstes Wort mit Gott – und das Ammerseer Bauerntheater ist mal wieder richtig gut in Form!

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 16. Oktober 2018

Eine solche Tirade an Schimpfwörtern muss einem erst mal einfallen. Und für den Bäcker (Walter Kilian), Totengräber (Roland Sgherzi) und Großbauer (Manfred Huber – sie haben es allesamt drauf) hieß das: erst mal auswendig lernen! Mit brüllenden Gelächter und munteren Schimpfkanonaden empfangen die Drei das Publikum zum ersten Akt und ziehen derweil einhellig über den gerade verstorbenen Zagelstecher her, den der Dreschflegel niedergemäht hat. So richtig beliebt schien er in dem Ort Kloaberg-Schmuggling nicht gewesen zu sein und so stimmen auch Witwe (Monika Nebel als perfekte Besetzung) und Pfarrer schnell überein, ihn möglichst schnell unter die Erde zu bringen. Während der Gemeindediener (hervorragend: Stefan Weber) in Abwesenheit des Bürgermeisters noch mit den Formalitäten kämpft, wird das Begräbnis durch die Ankunft des Kirchenbauers (eine Paraderolle für Ralf Bürklen, in der er seine schwäbische Muttersprache voll ausleben darf) gestört. Kostenlos eine neue Kirche anstelle des „Bröselbatz", wie selbst der Pfarrer (er würde Don Camillo Ehre machen: Rainer Bartsch) es ausdrückt? Aber nie und nimmer! Doch warum die Dorfbewohner so an ihrem alten Kircherl hängen und was die kleinen Päckchen damit zu tun haben, die mal so eben weitergereicht werden – das bleibt bis zum Ende ein Geheimnis.

Als Regisseurin Monika Jäger das erste Mal mit „Da blaue Kruag" von Peter Landstorfer in Berührung kam, fand sie sofort Gefallen an der bayrischen Komödie, die von sehr viel Wortwitz lebt und bis zuletzt spannend bleibt. Frage war nur: Ließ sich das Stück samt Bühnenbild auf der doch eher kleinen Bühne verwirklichen? Skizziert, geplant, mit Bühnenbauer Werner Liebel und Dieter Veicht besprochen – und es hat geklappt. Und das mit einem Bühnenbild, welches wirklich heraussticht! Kircherl, Rathaus, Friedhof und das Wirtshaus samt Bestuhlung fanden irgendwie Platz und waren farbenfroh und richtig schön gebaut. „Die Darsteller mussten manchmal einen schwierigen Parcours bei ihren Wegen bewerkstelligen" grinst die Regisseurin fröhlich – aber das fiel beim Spiel schon gar nicht mehr auf.

Bauerntheater Kruag 1

Noch strahlen die Einwohner von Kloaberg-Schmuggling in die Kamera vom schwäbischen Bernini – wissen sie doch noch nicht den wahren Grund seines Kommens

Und so weiten sich im Laufe des 2. Akts die Augen vom Kirchenbauer zunehmend angstvoller, ob der abstrusen Argumente, die er gegen den Kirchenbau zu hören bekommt. Selbst die „Bigottische", graue Maus und treue Kirchgängerin Anni (Anja Seitz: ihre Verwandlung nach dem Zaubertrank - Hut ab!) ist dagegen, wie auch die Wirtin, die doch sonst jedem Cent sehr zugetan ist (Claudia Czasny schenkte sich am Premierenabend eine rundum gelungene Aufführung zu ihrem Geburtstag). Doch trotzdem lässt der „schwäbische Bernini" nicht locker und so sucht der Pfarrer im Zwiegespräch mit Gott nach einer Lösung. Eine göttliche Eingebung aber verweigert dieser und es bleibt an ihm, gemeinsam mit der fahrenden Händlerin (verschmitzt, überzeugend und gut: Renate Bartsch) einen Plan auszudenken. Soll doch der Kirchenbauer eine Probe des Gemäuers nehmen – und dabei ganz zufällig auf das Geheimnis dieser Kirche stoßen.

Bauerntheater Kruag 5

Ein Schluck aus dem blauen Krug kehrt die Wahrheit ans Tageslicht – und aus der grauen Kirchenmaus wird eine feurige Tänzerin

Welche Verwandlung diese Entdeckung vermeintlich bei den Dorfbewohnern hat und ob das jetzt wirklich das wahre Geheimnis ist:
bis zur Lösung dieses Geheimnisses sollte man sich einfach bis zum Ende dieser genialen Komödie unbeschwert amüsieren und den Darstellern – von Neuzugang Roland Sgherzi, bis hin zum Urgestein Manfred Huber – ganz herzlich zu ihrer famosen Leistung gratulieren. Und ebenso der Regisseurin Monika Jäger für ihre tolle Umsetzung des Stücks mitsamt allen anderen Aktiven des Vereins, die da im Hintergrund wieder an dem großartigen Erfolg mitgearbeitet haben!

Bauerntheater Kruag 7

„Ganz unter uns!" Und doch bleibt das wahre Geheimnis des Dorfkircherls von Kloaberg-Schmuggling bis zuletzt ein Geheimnis

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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