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Großes Interesse bei der Bürgerversammlung zum Verkehrskonzept: Fast 400 Herrschinger nutzten die Einladung für Information und Diskussion

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 26. Oktober 2018

Eine Schlussfolgerung zumindest lässt sich nach dieser außerordentlichen Bürgerversammlung zum Verkehrskonzept ganz klar ziehen: man kann durchaus unterschiedlicher Meinung darüber sein. Die Pflanztröge sind ein gefährlicher Schmarrn – oder doch auch ein sehr probates Mittel. Die Situation für Fahrradfahrer hat sich verschlechtert und doch kommt ein herzliches Danke für die gewinnbringenden Maßnahmen. Noch viel zu wenig passiert oder doch viel zu viel?
Nach einer ausführlichen Darstellung der Ausgangssituation und den durchgeführten sowie geplanten Maßnahmen samt ihrer rechtlichen Rahmenbedingungen durch Bürgermeister Christian Schiller und Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen kamen die Bürger zu Wort. Und auch das wurde an diesem Abend deutlich: das Thema Verkehr brennt den Bürgern Herrschings unter den Nägeln.

Verfolgt man die laufende Diskussion in Herrsching, könnte man glauben, dass sich hier ein brandaktuelles Problem aufgetan hätte auf das mit vorschnellen und unzureichenden Mitteln reagiert worden ist. Tatsächlich aber beschäftigt sich der Gemeinderat seit über 30 Jahren mit Anfragen der Bürger zu dieser Thematik. Es geht hier um 132 Straßen im Gemeindegebiet, auf denen – so die mehrheitliche Meinung – zu schnell gefahren wird und die schwächeren Verkehrsteilnehmer, also Radfahrer und Fußgänger, nicht ausreichend berücksichtigt werden. Eine Reihe geplanter Einzelmaßnahmen erwiesen sich als nicht durchführbar, da entweder Landratsamt, Polizei oder Straßenbauamt Einspruch erhoben. 2011 beschloss man nach einer entsprechenden Bürgerversammlung, ein Gesamtkonzept erstellen zu lassen. Mit dieser Grundlage könne man zum einen die beteiligten Behörden besser einbinden und zum anderen eine Aufnahme in die Städtebauförderung erreichen.

Verkehrskonzept BV 4

Fast 400 Bürger aus Herrsching und seinen Ortsteilen verfolgten die Bürgerversammlung zum Verkehrskonzept

Seit 2014 nun existiert ein fertiges Konzept mitsamt zeitlicher Priorisierung der Maßnahmen, auch in Anpassung an die Haushaltsverhandlungen. Und noch nie gab es ein „Konzept, über das so ausführlich berichtet und die Bürger mit einbezogen wurde" betonte Christian Schiller. Fragebögen, Bürgerversammlungen, ein begleitender Arbeitskreis mit Vertretern verschiedenster Institutionen und einem Gemeinderat als Entscheidungsträger. Zahlreiche Maßnahmen wurden inzwischen umgesetzt, wie z.B. die Fahrradschutzstreifen, Querungshilfen, der Umbau an der Kreuzung Bahnhof-/Rieder Straße, Taktverstärkung der Busse zwischen den Ortsteilen, Tempo 30 vor Schulen und Kindergärten und anderes mehr. Viele weitere Änderungen sind in Planung und so werden in den nächsten Jahren u.a. noch mehr Querungshilfen kommen, der Umbau des Bahnhofvorplatzes in Angriff genommen und die Umsetzung flächendeckender Tempo 30-Zonen vorangetrieben.
Soweit so (einigermaßen) gut, scheint es – wären da doch nicht diese Pflanztröge. Auch ihn würde der ein oder andere nerven, gibt der Bürgermeister freimütig zu. „Aber ich finde es ein bisschen zu einfach und populistisch, die beschlossenen Maßnahmen auf ein paar Pflanztröge zu reduzieren". 250.000 Euro sind bislang in die Planung geflossen, aber dafür sei auch noch nie so viel angepackt worden wie in letzter Zeit. Nicht zu vergessen auch die bislang 400.000 Euro an Zuschüssen durch die Städtebauförderung, die es ohne das Konzept nicht gegeben hätte.

Verkehrskonzept BV 1

Für die Bürgerversammlung zum Thema Verkehrskonzept stellten sich neben dem Bürgermeister und den Gemeinderäten auch Verkehrsmanagerin Susanne Münster, Bauamtsleiter Guido Finster, die Verkehrsexperten der Polizei Domes und Gebhard sowie Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen den Fragen der Bürger

Im Anschluss an diese Stellungnahme ergriff Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen das Wort. Neben seiner Vorstellung des Konzepts ging er vor allem noch auf die rechtlichen Vorgaben ein, die ihnen bei der Umsetzung durch die Straßenverkehrsordnung (StVO) vorgegeben werden. In einem sehr engen Spielraum würde man sich hier bewegen – was auch die mit auf dem Podium sitzende Verkehrsbeauftragte des Landratsamts, Susanne Münster und der Verkehrsexperte der Polizei, Reinhold Domes bestätigten. So verlangt z.B. die Errichtung von Tempo 30-Zonen eine Straßenführung, die das langsame Fahren selbsterklärend macht. „Eine Straße muss so aussehen, wie man sich verhalten soll" – sprich: eine gerade gut einsichtige Straße ohne Hindernisse widerspricht laut StVO 30er Schildern. Die Aufstellung der Tröge war ein Werkzeug für diese Reduzierung der Geschwindigkeit. Ein Mittel mit Versuchscharakter, das bereits nachjustiert wurde und auch jetzt noch auf dem Prüfstein stehe. Pflanzung statt Tröge aber lassen aufgrund des Straßenunterbaus nur sechs Standorte zu.

In der darauffolgenden Diskussionsrunde wurde deutlich, wie sehr das Thema Verkehr die Menschen im Ort beschäftigt. Vielen liegt die Sicherheit ihrer Kinder am Herzen und wollen hier Nachbesserungen. Die Bitte um Zebrastreifen oder mobiler Ampeln als sichere Überwege aber verneinte Susanne Münster. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass Zebrastreifen keine Sicherheit gewährleisten und für die Aufstellung von Ampeln würden die angefragten Standorte kein ausreichendes Verkehrsaufkommen aufweisen. Effektiv sei die Installierung eines Verkehrshelferdienstes, falls sich ausreichend Helfer zur Verfügung stellen würden. Nicht machbar wäre auch die gewünschte Querungshilfe beim Restaurant Seespitz, da nur wenige Meter weiter bereits eine existiert und es hier im Rahmen des Gymnasiumbaus Änderungen geben wird. Eine Firma für die Errichtung des Kreisverkehrs wurde inzwischen beauftragt und die Bauarbeiten werden spätestens im Frühling nächsten Jahres beginnen.
Ob man nicht die Buslinie anders führen könne, damit sie nicht mehr durch die enge Summerstraße geht und im Zentrum Zustiegsmöglichkeiten bietet. Eine Option, die Susanne Münster prüfen wird unter der Berücksichtigung der Fahrgäste am Dampfersteg. Die Markierung weiterer Fahrradschutzstreifen war ein Thema – das teilweise bereits in Planung ist aber auf Tempo 30-Straßen nicht erlaubt ist. Mehr Verkehrskontrollen wurden gefordert, was im Gemeinderat besprochen werden wird.
Die Summerstraße als Einbahnstraße einrichten – vielleicht auch nur ein Abschnitt davon, Haltemöglichkeiten beim Kindergarten Kunterbunt trotz der geplanten Schutzstreifen, zu wenig Parkplätze in der Seestraße, ... – und natürlich die Tröge. Zu viele, zu hoch, falsch platziert, den Verkehrsfluss störend – oder doch zu wenige und sehr erfolgreich?
Am 8. November ist eine weitere Besichtigung der neuralgischen Standorte geplant. „Es wird nachgebessert werden" versprach der Bürgermeister. Auf den Gemeinderat, der fast vollständig zu dieser Versammlung erschienen war, werden in den nächsten Sitzungen wieder viele neue Diskussionsgrundlagen zukommen. Nur auf einen Punkt wollten Dr. Ralf Kaulen und Christian Schiller trotz aller Maßnahmenkataloge noch hinweisen: Die Gemeinde könne nur die Rahmenbedingungen für die Verkehrssituation in Herrsching schaffen. Für persönliche Visionen und weniger Verkehr müsse auch jeder Einzelne seinen Anteil beitragen. Sprich, öfter mal das Auto stehen lassen und den Fuß vom Gaspedal nehmen.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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