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Verkehrskonzept, Gänse und bald 11.000 Einwohner: Eine reiche Themenvielfalt präsentiert auf der Bürgerversammlung in Herrsching

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 18. Februar 2019

Welche Entscheidungen fällt der Gemeinderat im Laufe eines Jahres? Wie sieht es mit den Finanzen der Kommune aus und welche Ausgaben stehen an? Was bedeuten die Zäune rund um manche Bäume und gibt es Hoffnungen auf eine Gänsekotfreie Zone am See? Turnhallenneubau, Schulerweiterung, Wegesanierungen und vieles andere mehr: das Leben in einer Gemeinde scheint einerseits einfach vor sich hin zu laufen – und steht auf der anderen Seite doch vor immer neuen Herausforderungen. Aufgaben, an denen beständig gearbeitet werden muss und Hintergründe, über die man sich alljährlich auf der Bürgerversammlung informieren kann.

 

 

Zu einer Bürgerversammlung mit „Starbesetzung" begrüßte Bürgermeister Christian Schiller die vielen Gäste in Herrsching zu der neben Persönlichkeiten aus dem Ort auch Landrat Karl Roth gekommen war. Rund 80 Themen wären eigentlich anzusprechen gewesen, aber eine solche Länge des Vortrags wollte der Bürgermeister den Anwesenden dann doch nicht zumuten. Dankbar wies er in diesem Zusammenhang auf den alljährlichen Jahresbericht hin, in dem die Pressereferentin Katrin Engelhardt die Ereignisse des Ortes seit mittlerweile 10 Jahren anschaulich präsentiert. Und so waren es schließlich noch rund 20 Themen, die den Gästen anschaulich und unterhaltsam präsentiert wurden – und die gleichsam die große Bandbreite widerspiegelten, mit der sich Verwaltung und Gemeinderat im Laufe eines Jahres beschäftigen.
So stellte Christian Schiller die jüngsten Entwicklungen im Verkehrskonzept vor, dessen Akzeptanz nach der letzten Bürgerversammlung zu diesem Thema gestiegen ist. Viele Anregungen und Hausaufgaben hätten sie von dieser Veranstaltung mitbekommen, die seither Punkt für Punkt abgearbeitet würden. Auch sei inzwischen angekommen, dass dieses Konzept nicht nur Pflanztröge beinhaltet – und keine Angst: es werden keine weiteren bestellt! - und ein allgemeiner Konsens darüber bestehe, die Verkehrsberuhigung im Ort voranzutreiben.
Für weniger Verkehr kann auch die verbesserte die Verdichtung des Busnetzes beitragen, wenn sie gut genützt wird. Der Bürgermeister rief in diesem Zusammenhang dazu auf, den Dienst des MVV-RufTaxis in Anspruch zu nehmen, der Zeiten ausgleicht, an denen die Busse nicht fahren. Zu später Stunde einfach die Rufnummer 089 8400 5811 anrufen, gewünschte Abholzeit, Start- und Zielort angeben und zur angegeben Zeit an der gewählten Bushaltestelle zusteigen. Zum Preis eines normalen MVV-Tickets. Die Gemeinde bezuschusst dieses Pilotprojekt, das aber nur weitergeführt wird, „wenn Sie es in Anspruch nehmen".
Und wer die S-Bahn in Anspruch nimmt, der kann sich inzwischen über eine schönere Bahnhofshalle freuen, die mittlerweile verglast wurde und auch innen hergerichtet wird. „Endlich ein ansehnliches Entree, in dem man nicht mehr von den Vögeln beschissen wird" freute sich Christian Schiller, der allerdings darauf hinwies, dass eine anderweitige Nutzung des Gebäudes noch immer durch die fehlende Freigabe seitens der Bahn blockiert würde.
Viele Sanierungen waren wieder vollzogen worden, Aktionen um die Grünanlagen sauberer zu halten und gegen den Vandalismus zu schützen. Phänomene, die übrigens nicht nur von Menschen ausgehen, sondern auch durch die Tierwelt beeinflusst werden. Die Gänse sind da ein schon älteres Problem, deren Kot am Strand und auf den umliegenden Grünflächen ein zunehmendes Ärgernis darstellt. Der Einsatz eines Seeadlers als Jäger wurde von den zuständigen Behörden abgelehnt und so behilft sich die Gemeinde während der Mauser mit einem Zaun um zumindest den alten Sportplatz sauberer zu halten. Während der Mauser können die Gänse nicht fliegen.
Als weiteres Problem hat sich eine Gruppe von sechs Bibern herausgestellt, die bereits eine ganze Reihe von Bäumen angenagt hat. Eine Umzäunung der Bäume sei das wirksamste – aber leider auch der teuerste und nicht sehr ansehnliche Schutz. Ein Biber, der am Bahnhof fotografiert worden war, hatte wohl schon eigenständig über eine Umsiedlung nachgedacht. „Bitte nicht aufhalten!" dazu der Apell des Bürgermeisters.

BV Herrsching 2019 1

Landrat Karl Roth appellierte im Rahmen der Bürgerversammlung dafür, den Bau des Gymnasium durch ihre Unterschrift nicht weiter zu verzögern, da eine Änderung des Standortes ausgeschlossen sei.

Der 1. Teil dieser Bürgerversammlung schließlich schloss mit einem Plädoyer von Landrat Karl Roth für das Gymnasium. In Kürze umriss er, wie es zu dem Standort Am Mühlfeld gekommen war, wo im März die Arbeiten zum Kreisverkehr beginnen werden – ungeachtet der Unterschriftenliste für ein Bürgerbegehren. Er wiederholte die Entscheidung des Kreistags, nur dort ein Gymnasium bauen zu lassen und die Gründe dafür. Ein Bürgerbegehren würde das Planungsteam daran hindern, ihre Arbeit fortzuführen. Aktuell sind für Mai mit den Entwürfen dieser Schule zu rechnen, die moderne Gesichtspunkte der Pädagogik aufgreift und Platz für 600 bis 900 Schüler bieten wird. Karl Roth schloss seine Ausführungen mit der Bitte, sich die Unterzeichnung der Liste noch einmal zu überlegen, denn jede Verzögerung mache das Projekt teurer und der Standort an der Seefelder Straße sei nicht zuletzt durch den Beschluss des Kreistags ausgeschlossen.

Fragen und Anträge:
Ob man denn eine geleistete Unterschrift zurückziehen könne, war dann auch eine der ersten Fragen. Bis 25. Februar besteht dazu die Gelegenheit schriftlich oder persönlich in der Gemeinde. Ob es denn überhaupt ein Alternativstandort für das Gymnasium gäbe, wie es die Initiatoren des Begehrens erläutert hätten. Gibt es nicht, antwortete der Bürgermeister, da die Hälfte der Grundeigentümer an der Seefelder Straße gar nicht verkaufen möchte. Weitere 8 Eigentümer wären nur für einen höheren Preis oder verbunden mit einer Kopplung dazu bereit, was beides für die Gemeinde juristisch nicht möglich ist. Der bereits erworbene Anteil der Gemeinde wiederum ist zu klein und weist keine zusammenhängende Fläche auf. Nicht zuletzt steht der Kreistagsbeschluss gegen dieses Grundstück als Standort fest – und der Kreis und nicht die Gemeinde baut das Gymnasium.

Für Missverständnisse bei der Post, Telekom und anderen Dienstleistern sorgt die Doppelbenennung zweier Straßen in Breitbrunn und Herrsching. Dieser durch die Gebietsreform entstandene „Verdoppelung" des Kapellenwegs und der Seestraße sorgt bei den Anwohnern für viel Unmut und wurde mit der Bitte um Änderung an den Gemeinderat herangetragen.
Als einziger Antrag des Abends kam eine Querungshilfe für mehr Sicherheit der Realschüler an der Rieder Straße zur Abstimmung, die bereits einmal geprüft und abgelehnt worden war. Die Anwesenden der Bürgerversammlung stimmten in diesem Fall gegen eine erneute Prüfung.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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