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„Ein Armutszeugnis, dass so ein Verein noch benötigt wird!“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 02. Juli 2019

Der Verein „Frauen helfen Frauen Starnberg e.V." feierte sein 30-jähriges Jubiläum im Kurparkschloss

„Was wäre eine Welt ohne Gewalt gegen Frauen und ohne Gleichberechtigung?"
Die Vorsitzende des Vereins „Frauen gegen Frauen", Ursel Wrede, bekundete ihre Bewunderung für jene Gruppe von Frauen, die vor 30 Jahren diesen Verein gründeten. In der Garage von Christel Schief fand damals das 1. Treffen statt, auf dem man den Frauennotruf und eine Beratungsstelle initiierte. Rund um die Uhr wollte man in Bereitschaft sein für solche, denen in der Partnerschaft physische oder psychische Gewalt drohte. Ein Projekt, das rein ehrenamtlich startete und erst 10 Jahre später eine erste Finanzierungshilfe durch den Staat Bayern erhielt. Ein Projekt, aus dem sich inzwischen ein festes Beratungsbüro in der Mühlfelder Straße entwickelt hat mit zwei festangestellten Sozialpädagoginnen, die über 600 Anfragen im Jahr bewältigen müssen. Ein anfangs belächeltes Projekt von „kaffeetrinkenden Frauen, die ihren Männern weglaufen", wie Sophie von Wiedersperg, Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamts Starnberg, ein altes Protokoll des Kreistags zitierte.

Randvoll gefüllt präsentierte sich das Kaminzimmer im Kurparkschloss anlässlich des Jubiläums von „Frauen helfen Frauen Starnberg e.V.". Mitglieder, Gründungsmitglieder und Förderer des Vereins waren trotz Sommerhitze gekommen, wie auch Vertreter der Politik. Der Verein genießt eine hohe Wertschätzung, er wird gebraucht und lebt nach wie vor – auch – vom Engagement vieler ehrenamtlicher Kräfte. Tim Weidner erinnerte in seine Rede daran, dass Frauen schon oft für ihre Rechte kämpfen mussten, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Für ihr Wahlrecht, für den eigentlich so einfachen Artikel im Grundgesetz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Und doch sei diese formale Gleichstellung von einer wahren Gleichberechtigung weit entfernt. Eine Ungleichheit, die sich quer durch alle sozialen und gesellschaftlichen Schichten zieht. „Jede 4. Frau hat schon mindestens ein mal körperliche oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erfahren", zitiert der stellvertretende Landrat Ergebnisse des Bundesministeriums für Familie. Und diese Frauen brauchen Menschen, die hinsehen und nicht wegschauen. „Vielen Dank für Ihre Arbeit", sprach er die Aktiven des Vereins an und wünschte ihnen viel Kraft und Erfolg, weiterhin für den Schutz betroffener Frauen einzutreten.

Frauen Jubilaeum 3

Diese Damen halfen und helfen mit, dass der Verein „Frauen helfen Frauen Starnberg e.V." heute sein Büro in Herrsching hat und von hier aus Opfern häuslicher Gewalt zur Seite stehen. V.l. (stehend): Cordula Trapp, Sybille Hays, Dorothea Föppl, Verena Spitzer, Sophie von Wiedersperg, Daniela Hörstker, Claudia Skroka. Vorne: Ursel Galli, Christel Schief, Ursel Wrede und Liesel Baumann.


Auch die Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamts, Sophie von Wiedersperg, beglückwünschte die Mitglieder für ihren Einsatz und ihre Nachhaltigkeit, „ohne die es dieses Büro in Herrsching heute nicht geben würde". Das Durchhalten, bis endlich Fördergelder bewilligt wurden, die kräftezehrende Organisation des Notrufes und auch die beherzte Übernahme des Vorstandes von Ursel Wrede und Liesel Baumann vor zwei Jahren, die den Verein damals vor dem Auflösen bewahrt hat.
Gut organisiert und munter führten diese beiden Vorstandsdamen auch durch die Jubiläumsfeier. Erinnerten an die Gründungsmitglieder und ehemaligen Vorstände. An die Stationen ihrer Organisation, die sie von der Garage über ein kleines Büro im Glockenturm an diesem Abend hier ins Schloss geführt hatte. Eine engagierte Gruppe von Frauen, „die auch heute noch massiv gebraucht werden", wie es Christian Schiller bedauernd ausdrückte. Die ganz aktuell wieder mehr gefordert sind „in Tagen, wo die Rechte der Frauen erneut bedroht sind", wie die langjährige Vorsitzende Verena Spitzer in einem Schlusswort betonte. „Machen wir einfach weiter!"

Für Sie berichtete Barbara Geiling.

 

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