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Mia kenna d’Leid ned hängenlassn!

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 02. Juli 2019

2018 war kein einfaches Jahr für den Hilfsdienst Herrsching

„Er war erst drei Wochen alt. Jetzt hat er einen Totalschaden", ist Carmen Fuchs entsetzt. Gerade das neueste Fahrzeug im Fuhrpark der „Roten Engel" hat es beim Hagelunwetter an Pfingsten ordentlich erwischt, erzählte die Vorsitzende vom Hilfsdienst Herrsching e.V. „Wir haben sechs Autos. Fünf davon sind betroffen." Das Jahr 2018 war nicht das einfachste in der Geschichte des Vereins. „Aber auch wenn's eng ist: Mia kenna d'Leid net hängenlassn", lautet das Credo bei der Mitgliederversammlung am 27. Juni 2019 im ArtHotel Andechser Hof.

Carmen Fuchs berichtete von den Aktivitäten des Vorstands, der Geschäftsführerin Andrea Faganello und der Mitarbeiter. Zur Kernaufgabe der ambulanten Pflege kommen der Klinik- und Altenheim-Besuchsdienst und die Betreuung von Angehörigen. Auch den Mittwochclub für Senioren organisiert der Hilfsdienst: Alle zwei Wochen tauschen sich die Gäste bei Kaffee und Kuchen aus, anschließend wird gekegelt. Zusätzlich werden Ausflüge unternommen. Darüber hinaus nahm der Hilfsdienst auf Veranstaltungen wie dem Willkommenstag, dem Marktsonntag oder dem Christkindlmarkt teil. „Das alles machen erst unsere Ehrenamtlichen und treuen Förderer möglich", bedankte sie sich bei den Unterstützern. Für ihren Einsatz geehrt wurden in diesem Jahr Erika Möller und Gabi Konik (10 Jahre) sowie Maria Grammel und Ursula Herre (25 Jahre).

03 Hilfsdienst Herrsching Vorstand Ehrenamtliche und Geehrte Gabi Konik Maria Grammel und Ursula Herre re. P.Schmieder27.06.19

Vorstand vom Hilfsdienst Herrsching mit Ehrenamtlichen und Geehrten (v.l.n.r.): Carmen Fuchs, Gabi Konik, Maria Grammel, Konrad Wünsch und Ursula Herre (vorne), Susi Wirries, Helga Frick, Andrea Faganello, Renate Albrecht und Thoralf Küttner (hinten)

 

Der Hilfsdienst Herrsching pflegt kranke und betagte Menschen in ihrer häuslichen Umgebung. Zudem entlastet er mit Betreuungsangeboten die Angehörigen, damit diese eine Auszeit nehmen können. Die hauptamtlichen Pflegekräfte versorgten im Jahr 2018 bis zu 60 Patienten, so Thoralf Küttner von der Pflegedienstleitung. Sieben sind in Vollzeit und sechs als Minijobber angestellt. „Der Pflegenotstand macht sich auch bei uns bemerkbar. Personal zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen." Zum Glück sei die Zusammenarbeit mit den Ärzten und Apotheken sehr gut, „hier kommen die Ärzte noch nachhause. Das ist nicht überall so." Die Klienten geben positive Rückmeldung, so dass die jüngste Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) die Note 1,7 ergab.

Ehrenamtliche Gabi Konik besucht Patienten in den Kliniken. Sie berichtete, dass das Krankenhaus Seefeld keinen Klinik-Besuchsdienst mehr anfordert. „Bei der Schindlbeck-Klinik in Herrsching ist ein Ende des Besuchsdienstes nicht in Sicht", freute sie sich für die Patienten. „Ich mache unbeirrt weiter!" Helga Frick geht gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen regelmäßig in die Pflegeheime der Umgebung. Große Nachfrage erfährt auch der niederschwellige Betreuungsdienst, den Schriftführerin Susi Wirries koordiniert. Zwölf ehrenamtlich Aktive waren für 14 Klienten über 900 Stunden im Einsatz. Sie kommen mehrmals die Woche zu den Familien und helfen den Angehörigen, indem sie sich stundenweise um die Betroffenen kümmern. Dafür haben sie zuvor eine 40-stündige Fortbildung absolviert.

Die größte Herausforderung im Kassenwesen war die Umstellung auf die doppelte Buchführung. „Ein Jahr mit Monsteraufgaben", leitete Schatzmeisterin Renate Albrecht ihren Rapport ein. Außerdem ging der Umsatz um elf Prozent zurück. Da es weniger Schwerstpflegefälle zu versorgen gab, verringerten sich die Zahlungen der Krankenkassen. Der größte Posten im über eine halbe Millionen Euro umfassenden Haushalt sind die Personalkosten: „Wir bezahlen nach Tarif für den Öffentlichen Dienst und übernehmen eine Zulage für die Altersvorsorge", sagte Albrecht. Besonders ärgerlich: „Die Zahlungsmoral lässt zu wünschen übrig, so hohe Außenstände hatten wir noch nie". Und dann habe es beim Marktsonntag auch noch den Pavillon zerlegt. „Wer ein Pavillonzelt übrig hat – wir freuen uns über jede Spende", ließ die Kassenwartin wissen. Kassenprüfer Nikolaus Antis hatte keine Beanstandung. Der Vorstand wurde von 27 anwesenden Mitgliedern einstimmig entlastet. Die Stelle des zweiten Revisors ist wegen des plötzlichen Todes von Gabi Kreuzer im Mai dieses Jahres bis zu den Neuwahlen 2020 vakant. „Sie hinterlässt – vor allem menschlich – eine große Lücke in unserem Verein", gedachte Carmen Fuchs der Verstorbenen bei einer Schweigeminute.

Der Verein Hilfsdienst Herrschinger zählt 252 Mitglieder. Der Jahresbeitrag liegt seit 2010 unverändert bei mindestens 20 Euro. Der gesamte Vorstand ist ehrenamtlich tätig und verzichtet auf Entschädigungen. Der Verein wird zudem durch die Gemeinde Herrsching gefördert. Bürgermeister Christian Schiller, der zusammen mit Gemeinderätin Hannelore Doch der Versammlung beiwohnte, sprach im Namen der Bevölkerung großen Dank aus: „Es vergeht kein Morgen, an dem ich nicht auf dem Weg ins Rathaus einem Auto der ‚Roten Engel' begegne. Wir Herrschinger können uns auf den Hilfsdienst verlassen."

Für Sie berichtete Petra Schmieder.

 

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